Edeka Nord sieht keinen Grund für Mietkürzungen, dm startet Express-Abholung bundesweit, Haniel übernimmt Mehrheit bei Emma.

von Stephan Lamprecht am 07.April 2020 in News

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

unser Nachbarland Österreich kündigt die ersten Schritte aus dem Lockdown des öffentlichen Lebens an. Sofern es keine Rückschläge gibt, dürfen nach Ostern die ersten Geschäfte ihre Türen öffnen. Der Zeitplan gibt vor, dass zunächst kleinere Läden den Betrieb aufnehmen dürfen. Restaurants und Hotels müssen indes länger warten. Und auch in Deutschland werden die ersten Schritte geplant. Hier wie dort wird es offenbar auf eine Pflicht zum Tragen von Masken in der Öffentlichkeit hinauslaufen.

So stellt sich WWD, Fachblatt für die Modeindustrie, die berechtigte Frage, ob einfache Masken, die nicht den Träger, sondern seine Umwelt vor potenziellen Infektionen schützen, sich zu einem Modeaccessoire entwickeln werden.

DM bietet bundesweit Abholservice, Albert Heijn kümmert sich um Krankenhauspersonal

Die Drogeriekette DM rollt bundesweit ihren Express-Abholservice aus. Damit stehen online bestellte Produkte binnen sechs Stunden zur Abholung bereit. Dazu muss der Kunde sich vorab für einen Markt aus seiner Nähe entscheiden. Der Shop zeigt die Verfügbarkeit der gewünschten Produkte an. Gezahlt wird vorab online. Abgeholt werden können die Bestellungen während der regulären Öffnungszeiten.

Seit gestern unterhält die Kette Albert Heijn fünf Abholzentren in Krankenhäusern. Um die Mitarbeiter zu entlasten, können diese ihre online bestellten Lebensmittel direkt an ihrer Arbeitsstelle abholen.

Der Handel und das leidige Thema Mieten

“Stabile Mietverhältnisse liegen auch im Interesse der Vermieter. Ansonsten drohen nach der Coronakrise vielerorts Leerstände und verödende Innenstädte. Das würde auch die Immobilienbranche mit nach unten ziehen.“

HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth wirbt um Verständnis für Händler, die ihre Mietzahlungen stunden wollen, weil sie durch den Lockdown keine Umsätze erzielen. Genth macht sich für eine gesetzliche Regelung stark, die eine Mietminderung von 50 Prozent für die Dauer von 3 Monaten erlauben soll.

Edeka Nord hält eine Mietkürzung oder Stundung für unnötig. Das Unternehmen widerspricht damit einer Darstellung in der WamS. Das Unternehmen stehe fest an der Seite der Vermieter.

Es geht auch anders herum. Coop Denmark bietet seinen 190 Mietern in Dänemark an, die Mietzahlungen wegen des Coronavirus um drei Monate zu verschieben.

Finanzielle Hilfen und längere Zahlungsziele

Der Mittelstand ist der Motor der deutschen Wirtschaft. So heißt es ja immer wieder. Bisher fühlten sich mittelständische Unternehmen bei den vielen Finanzhilfen übergangen. Jetzt legt die Bundesregierung nach. Die KfW-Schnellkredite wenden sich an kleinere und mittlere Firmen und Betriebe, die jetzt Unterstützung benötigen. Maximal 800.000 Euro gibt es für drei Prozent bei einer Laufzeit von 10 Jahren. Wichtig für die Vergabe: Die Bank erhält eine Haftungsfreistellung in Höhe von 100% durch die KfW.

Am Samstag kam ich an unserem Baumarkt am Ort vorbei. Es war sonnig und der Parkplatz so voll, wie er an einem sonnigen Frühlingstag nur sein kann. Ob da nun wirklich weniger Umsatz als gewöhnlich herauskam? Wie dem auch sei. OBI informiert seine Lieferanten darüber, eigenmächtig die Zahlungsziele der Rechnungen um 30 Tage zu verlängern. Damit will das Unternehmen seine Liquidität sicherstellen, fragt indes wenig nach der Liquidität seiner Partner. Die fühlen sich überrumpelt. Hagebau möchte diesen Schritt ebenfalls gehen, bittet vorab bei seinen Geschäftspartner um Zustimmung.

Auch Online-Handel leidet, Omnichannel bleibt wichtig, mit Epages und Payone schneller zum Shop

Sind die Läden geschlossen, geht es dem Online-Handel prächtig. Diese These trifft allerdings nicht zu. Bei Lebensmitteln, Drogeriewaren, Medikamenten und DIY-Produkten gab es einen deutlichen Zuwachs. Insgesamt ist der E-Commerce im März um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr eingebrochen. Der digitale Handel ist eben nur ein Vertriebskanal. Sind die Verbraucher nicht in Stimmung, dann kaufen sie auch dort nicht ein.

“Amazon ist für etablierte Marken nur eine Steuer. In einem Webshop kann ich die Kunden in die Welt der Marke entführen. Das geht auf Amazon gar nicht.“

Im OMR-Podcast glaubt E-Commerce-Urgestein Stephan Schambach an die Zukunft des D2C-Vertriebs, sieht auf reine Wiederverkäufer schwere Zeiten zukommen und prognostiziert das Verschwinden von Galeria-Karstadt-Kaufhof. Fairerweise muss erwähnt werden, dass das Gespräch vor dem Ausbruch der Coronavirus-Krise stattfand.

Payone (Joint Venture der Ingenico Group und des Deutschen Sparkassenverlags) und Epages kooperieren, um stationären Händlern, die ihr Geschäft vorübergehend schließen mussten, einen Onlineshop kostenlos einzurichten. Bis Ende Juni zahlen die Händler keine laufenden Gebühren. Sollten die Einschränkungen länger bestehen bleiben, verlängert sich das kostenlose Angebot entsprechend. Ziel ist es, dass die Händler binnen 24 Stunden über einen neuen Shop einsetzen können.

Was sonst noch wichtig ist

Haniel übernimmt die Mehrheit am Frankfurter Matratzen-Startup Emma. Das Startup ging 2013 an den Start. Das Familienunternehmen Haniel aus Duisburg übernimmt 50,1 Prozent der Anteile. Es will damit sein Portfolio weiter diversifizieren. Die beiden Gründer Manuel Müller und Dennis Schmoltzi bleiben mit jeweils 24,95 Prozent am Unternehmen beteiligt und werden es weiterhin leiten.

Offen gestanden fanden wir das Geschäftsmodell von Influencern schon immer recht mutig. Die Corovirus-Krise schlägt auch bei diesen Solo-Selbstständigen durch. Eine Studie der Agentur KMB Creative Network zeigt, dass 84 Prozent der befragten Influencer in der Coronavirus-Krise eine existenzielle Bedrohung sehen.

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