Flip4New stößt weiter ins stationäre Umfeld vor.

von Matthias Hell am 19.Mai 2015 in Local Heroes

Selbst will der Re-Commerce-Anbieter Flip4New zwar nicht im stationären Handel tätig werden. Doch arbeitet das Unternehmen mit einer steigenden Anzahl an Ankaufpartnern vor Ort zusammen. Für Elektronikhändler bietet die Online-Offline-Kooperation spannende Impulse.

Michael Sauer ist Co-Geschäftsführer und Mitgründer von Flip4New

Michael Sauer ist Co-Geschäftsführer und Mitgründer von Flip4New

Wir geben Ihren Kunden zusätzliches Geld in die Hand – welcher Einzelhändler könnte der Firmenphilosophie von Flip4New widerstehen? Das Re-Commerce-Unternehmen kauft von den Nutzern gebrauchte Elektrogeräte zu Festpreisen an, um diese generalüberholt auf eBay wieder zu verkaufen. Richtig spannend wird das Geschäftsmodell für den Handel, wenn der Ankaufservice von Flip4New direkt in einem Shop-Umfeld stattfindet. Das kann einen Online-Shop betreffen, aber auch eine steigende Zahl stationärer Ankaufpartner. „Wir können nämlich nur wachsen, wenn wir auch mehr ankaufen“, erläutert Geschäftsführer Michael Sauer. Die steigende Anzahl an Re-Commerce-Anbietern mache den diesbezüglichen Wettbewerb im Netz immer härter. Eine gute Ergänzung bieten da stationäre Partner, die gleichzeitig die Reichweite der Marke Flip4New über das Internet hinaus vergrößern.

„In den letzten zwei Jahren haben wir deshalb das Partnergeschäft viel stärker in den Fokus genommen und die Anzahl der Partner in den deutlich zweistelligen Bereich geführt“, berichtet Michael Sauer. Neben Media Markt und Saturn – die Media-Saturn Holding ist seit 2012 auch mit einem 16-prozentigen Investment an Flip4New beteiligt – seien dies heute Ketten wie unter anderem Gravis, Mobilcom-Debitel und Telepoint. Auch im Verbundgruppen-Umfeld fasst der Re-Commerce-Anbieter zunehmend Fuß. So arbeitet Flip4New seit Mitte 2011 mit der Kooperation für Apple-Fachhändler CPN zusammen und bieten auch erste Expert-Märkte den Ankaufservice an.

Bereits 1.500 stationäre Ankaufstellen

Saturn zählt zu den stationären Ankaufpartnern von Flip4New

Saturn zählt zu den stationären Ankaufpartnern von Flip4New

Ein weiterer Bestandteil der Strategie zur Ausweitung der Beschaffungsquellen ist für Flip4New die Internationalisierung des Geschäfts. So ist das Unternehmen inzwischen in acht europäischen Ländern auf dem Markt vertreten und arbeitet auch dort mit stationären Partnern zusammen. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Auslandsfilialen von Media Markt und Saturn, aber auch um nationale Ketten wie die niederländische BAS-Group, die mit iCentre die größte Apple-Kette des Landes betreibt. Insgesamt bietet Flip4New seinen Ankaufservice mittlerweile europaweit in mehr als 1.500 stationären Geschäften an.

Bei den ersten Vorstößen in das stationäre Umfeld experimentierte Flip4New zwar nicht mit eigenen Stores, aber doch mit eigenem Service-Personal, das den Ankauf in den Partnergeschäften abwickeln sollte. Ein entsprechendes Pilotprojekt wurde allerdings Anfang 2014 eingestellt. „Wir haben festgestellt, dass die Betreuung durch eigene Mitarbeiter wirtschaftlich betrachtet, aber auch vom Kundenerlebnis her keine wesentlichen Vorteile gegenüber dem Ankauf durch das Verkaufspersonal in den Stores mit sich brachte“, berichtet Michael Sauer. Die Instore-Plattform von Flip4New biete hier zusammen mit dezidierten Mitarbeiterschulungen bereits eine ausreichend hohe Service-Qualität. Zudem mache es auch handelsseitig Sinn, den Ankauf in die Hände der Verkaufsmitarbeiter zu legen: „Der Altgeräteankauf fließt hier oft in die Kaufberatung für ein neues Gerät ein. Deshalb ist dieser Schritt im Prinzip bei den Marktmitarbeitern besser positioniert.“

Parallel zu den stationären Partnerschaften hat Flip4New in den letzten Jahren das Online-Geschäft weiter ausgebaut. So wurde das Endkunden-Portal des Unternehmens für die neuen Auslandsmärkte erweitert. Nach ersten positiven Erfahrungen wurde zudem der von Flip4New umgesetzte „eBay Elektronik-Ankauf“ weiter verbessert. „Wir haben Ende 2014 das Frontend neu gelauncht und verzeichnen seitdem weiter steigende Zahlen“, so Unternehmenschef Sauer. „eBay hat sich damit in den letzten Jahren für uns vom primären Verkaufskanal auch zu einer sehr relevanten Ankaufstelle entwickelt.“

Kanalübergreifende Services sollen ausgebaut werden

Am Point of Sale kann die Integration von Flip4New zusätzliche Anreize schaffen

Am Point of Sale kann die Integration von Flip4New zusätzliche Anreize schaffen

Rückenwind verleihen Flip4New zudem die Elektronikhersteller. Bei der Markteinführung von neuen Flagship-Produkten wie dem Samsung Galaxy oder einem Apple iPhone seien diese immer mehr dazu bereit, den Absatz der neuen Geräte durch einen attraktiven Altgeräteankauf anzuheizen. In Summe blickt Michael Sauer dadurch auf ein weiter an Volumen zunehmendes Geschäft, so dass der Flip4New-Gründer zuversichtlich ist, im Laufe des Jahres 2015 wie anvisiert erstmals die Gewinnzone zu erreichen.

Ein Bereich, den Sauer weiter ausbauen will, sind kanalübergreifende Services. Eigentlich liegen diese für das online und offline gleichermaßen aktive Unternehmen ja nahe, werden bislang aber noch kaum umgesetzt. Eine Click & Collect-ähnliche Funktion, bei der Kunden auf der Webseite von Flip4New den Ankauf eines Geräts vereinbaren und dieses dann beim nächsten stationären Partner des Re-Commerce-Anbieters abgeben können, ist nach Angabe des Firmengründers angedacht. „Das ist für uns ein hochrelevantes Thema“, so Sauer. Ebenfalls geplant ist es, die Filialen von Multichannel-Händlern, die bereits mit Flip4New zusammenarbeiten, stärker in die Wertschöpfung miteinzubeziehen. Bisher bieten Unternehmen wie zum Beispiel Cyberport den Ankaufservice nämlich nur in ihrem Online-Shop an.

Bereits in einem Pilotstadium ist zudem die Instore-Integration von Flip4New auf Kundenterminals. „In Schweden können Kunden bei Media Markt auf Terminals überprüfen, wie viel sie für ihr Altgerät erhalten und werden so dazu verführt, unseren Ankaufservice zu nutzen“, berichtet Michael Sauer. Flip4New baut also nicht nur die Zusammenarbeit mit dem stationären Handel weiter aus, sondern ist auf dem besten Weg, selbst zu einem Omnichannel-Anbieter zu werden.


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