Galeria-Staatskredit als Kapitulation vor René Benko, Lidl Pay sorgt für Irritationen, dm weitet Express-Lieferung aus.

von Florian Treiß am 27.Januar 2022 in News

Liebe Leserinnen & Leser,

vor einem Jahr hatte der ehemalige MediaSaturn-Boss Wolfgang Kirsch echte Veränderungen im Handel gefordert – und nun attestiert er: der Handel bewegt sich doch! In seinen vier Gedanken zum neuen Jahr 2022 stellt er fest, dass sich zum Beispiel die großen Baumarkt-Ketten sich nicht allein auf den Erfolgen aus der Pandemie ausgeruht haben, sondern ihre digitalen Angebote massiv ausbauen. Auch sonst sind es erhellende Worte, die Kirsch in seinem LinkedIn-Beitrag liefert: So warnt er Startups, mit stationären Händlern zu kooperieren, und kritisiert Rewe und Edeka für ihr halbherziges Engagement bei Flink bzw. Picnic.

Herzliche Grüße, Ihr Florian Treiß

Bund kapituliert bei Galeria vor René Benko, Signa Sports United mit 24 Prozent Plus, Irritationen bei Lidl Pay

Die Kritik an dem neuen Staatskredit für die Warenhausgruppe Galeria des österreichischen Investors René Benko reißt nicht ab. „Der Bund hat vor Galeria-Eigner Benko kapituliert“, schlagzeilt die „Wirtschaftswoche“ in einem Kommentar. Statt erstmal den Schuldenberg von 460 Millionen Euro aus dem vergangenen Jahr beim Steuerzahler abzutragen, hatte Galeria im Dezember „mit bemerkenswerter Chuzpe“ weitere 220 Millionen Euro Kredit eingefordert – und diese nun auch bekommen. Kommentator Henryk Hielscher meint: „Bevor der Staat einspringt, steht Eigentümer René Benko in der Pflicht. Seine Immobilienfirma Signa ist nach eigner Darstellung bisher glänzend durch die Coronakrise gekommen. Glaubt Benko also noch an die Zukunft der Warenhäuser? Dann sollte er seine große Wette auch selbst bezahlen.“

Und nochmal René Benko: Wenige Wochen nach dem Börsengang hat sein Unternehmen Signa Sports United frische Geschäftszahlen vorgelegt. Der Betreiber von Online-Sportshops wie fahrrad.de oder Tennispoint konnte seinen Umsatz im nun abgeschlossenen Geschäftsjahr um 24 Prozent auf 872 Millionen Euro steigern. Rechnet man die im Dezember finalisierten Zukäufe Wiggle und Tennis Express noch hinzu, so betrug der Umsatz 1,36 Milliarden Euro. Für das laufende Geschäftsjahr plant Signa Sports United keine allzu großen Sprünge, was neben den Lieferproblemen bei E-Bikes vor allem daran liegt, dass es sich mit dem Fahrrad-Spezialisten Wiggle einen ziemlichen Klotz ans Bein gebunden hat, wie Exciting Commerce analysiert.

Neue Nutzer*innen von Lidl Pay müssen seit einiger Zeit ihr Konto verifizieren lassen. Denn zuvor war es zu mehreren Betrugsfällen gekommen, bei dem Kriminelle Kontodaten von Unbeteiligten für die Registrierung bei Lidl Pay verwendet hatten, um damit einzukaufen. Doch das neue Registrierungsverfahren sorgt für Irritationen: Teilweise wird bei dem Online-Verifizierungsprozess der Kontostand der jeweiligen Nutzer*in abgerufen. Lidl und sein Technologie-Partner dafür, die schwedische Open-Banking-Plattform Tink, beteuern ihrerseits, den Kontostand nicht zu nutzen. Lidl erhält nach eigenen Angaben zu keiner Zeit Einblick ins jeweilige Konto. Tink teilt mit, es handele sich um „ungewollte“ Daten, die Tink ignoriere und umgehend wieder lösche. Hintergrund sei, dass manche Bank über die genutzte Schnittstelle (API) nicht ermögliche, nur spezifische Datenpunkte zu übermitteln.

dm weitet Express-Lieferung aus, Remira und Roqqio fusionieren, Amazon Go kommt in US-Vororte

Nach einem erfolgreichen Testlauf in Karlsruhe weitet die Drogeriekette dm ihren Service für Express-Lieferungen aus. Ab sofort können ihn auch Kund*innen in den Berliner Stadtteilen Friedrichshain, Prenzlauer Berg und Mitte sowie in den Stadtzentren von München und Wien nutzen. Bei einer Bestellung bis 18 Uhr erhalten Kund*innen die Ware am gleichen Tag zwischen 18 und 21 Uhr per Lastenrad. Geht ein Auftrag nach 18 Uhr ein, erfolgt die Auslieferung am nächsten Werktag. Ab einem Bestellwert von 49 Euro und für Inhaber eines „Mein dm-Kontos“ kostet der Service 3 Euro. Für Bestellungen ohne Kundenkonto oder unterhalb des genannten Bestellwertes betragen die Versandkosten 7,95 Euro. Projektpartner ist das Startup Pickshare.

Fusion im Bereich Retail-Software: Der Supply-Chain-Spezialist Remira und der der Omnichannel-Softwareanbieter Roqqio schließen sich unter dem Namen Remira zusammen. Durch die Fusion der Lösungswelten Supply Chain Solutions und Omnichannel Commerce soll eine End-to-End-Lösung für Unified Commerce entstehen, die sich vollständig auf das Verhalten des Endkunden und des Marktes fokussiert. „Von der optimierten Absatzplanung über den Einkauf und belastbare Prognosen bis hin zur Kundenzentrierung über alle Verkaufskanäle hinweg schaffen wir vollständige Konnektivität“, sagt Remira-Chef Stephan Unser. Zu den Remira-Kunden zählen u.a. Rewe Systems, Fressnapf und Olymp, zu denen von Roqqio u.a. Intersport und Expert.

Bislang hat Amazon seine autonomen Convience Stores namens Amazon Go vor allem in US-Metropolen wie New York oder San Francisco betrieben. Doch nun will der Konzern das Konzept auch in die „Suburbs“ bringen, also in kleinere Vororte in der Nähe von Großstädten. Der erste Amazon Go dieser Art sol demnächst in Mill Creek eröffnen, einem 18.000-Seelen-Städtchen in der Nähe von Seattle (Sitz der Amazon-Zentrale). Ein weiterer Go-Store soll in einem Vorort von Los Angeles entstehen. „Wir glauben, dass Anwohner und Pendler die Leichtigkeit unseres Just Walk Out Shopping genießen werden, um schnell und bequem einzukaufen“, zitiert die „USA Today“ ein Amazon-Statement.

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E-Commerce wächst um 19 Prozent, Paketaufkommen zu Black Friday

Der Onlinehandel in Deutschland hat auch im zweiten Corona-Jahr kräftig zugelegt. Um 19 Prozent auf 99,1 Milliarden Euro sind die Brutto-Umsätze mit Waren im E-Commerce im vergangenen Jahr gestiegen, meldet der Branchenverband BEVH. Nimmt man noch übers Netz verkaufte Dienstleistungen wie etwa Tickets oder Reisen hinzu, so war der E-Commerce-Markt sogar 107 Milliarden Euro schwer (auch wenn das Dienstleistungsgeschäft Corona-bedingt eingebrochen ist). Auch abseits großer Plattformen wie Amazon steigen die Umsätze, vor allem die Sozialen Netzwerke sind auf dem Vormarsch. Manch ein deutscher Mittelständler kooperiert bereits mit Tiktok, wie die „Welt“ in einer Marktanalyse berichtet.

Parcel Perform, eine Plattform für Delivery Experience im E-Commerce, hat Sendungsverfolgungsdaten rund um den Black Friday und Cyber Monday (BFCM) aus Europa und den USA ausgewertet. Die Analyse liefert einen deutlichen Beleg für die rückgängige Verbrauchernachfrage im Kontext der E-Commerce-Events. So lag das Paketaufkommen in der BFCM-Zeit in Europa vergangenes Jahr nur noch 70 Prozent über dem Jahresdurchschnitt, 2020 lag dieser Wert noch bei 94 Prozent. In den USA lag das Paketaufkommen nur noch 43 Prozent über dem Jahresdurchschnitt, nach 71 Prozent im Vorjahr. Vielleicht lag es daran, dass Onlinehändler sowieso das ganze Jahr über diverse Rabatt-Aktionen angeboten haben?

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