Gastampel für Gastronomie und Handel, Decathlon pusht „Scan & Go“, 3,8 Mio für Bring-App.

von Stephan Lamprecht am 13.Mai 2020 in News

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

es gibt in diesen Tagen so Sätze, die einen ratlos zurücklassen: „Viele Kunden haben in dieser Zeit gelernt, was online alles möglich ist“, so Dietrich Lahrs, Chef der Modekette S. Oliver, in einem Artikel des Spiegels zur aktuellen Situation. Nicht nur wir von Location Insider haben in den vergangenen Jahren immer wieder dazu aufgefordert, die Chancen der Digitalisierung und des Onlineverkaufs zu ergreifen. Doch viele Händler, und nicht nur die kleineren, betonten, dass die Beratung vor Ort und der lokale Bezug den Kunden wichtig sind. Nun weiß jeder Konsument, dass die Qualität der Beratung vor Ort sehr stark vom Verkäufer abhängig ist. Und der regionale Bezug? Die Kunden bedauern öffentlich, wenn mal wieder ein Laden aufgegeben musste. Sie kaufen aber nicht aus Mitleid oder Loyalität. Die Coronavirus-Krise hat die Schwächen des Konzepts „Laden“ gnadenlos offengelegt. Es wäre gerade für kleinere Händler Zeit zu akzeptieren, dass die über Nacht aus dem Boden gestampften Lieferservices und Online-Beratungen nicht Provisorien der Krise sind, sondern jetzt professionalisiert werden sollten.

Und damit zu unseren News des Tages.

Tschüss bis zur nächsten Ausgabe,
Ihr Stephan Lamprecht

Decathlon trommelt für Scan & Go, Gastampel für Händler und Gastronomen, Philips bietet ebenfalls Zählsystem für Kunden

Nach dem offenbar erfolgreichen Piloten (wir berichteten) darf sich Anbieter MishiPay über einen neuen Kunden für sein kontaktloses Verfahren „Scan & Go“ freuen. Die Sportartikelkette Decathlon führt das System in ihren Häusern in Plochingen, Berlin-Hauptbahnhof, Ludwigshafen, Schwetzingen, Köln-Marsdorf, München-Connect, München-Mona und Wallau ein. Das System von MishiPay funktioniert im Browser und via App. Eine Installation ist nicht zwingend. Der Kunde scannt seine Waren selbst und bezahlt kontaktlos. Der Bezahlvorgang deaktiviert dann auch die Warensicherung.

Mit der Gastampel bieten die Unternehmen Devguard und Socialwave ein neues System für Gastronomie und Handel, das bei der Einhaltung der Kundenbeschränkungen im Laden unterstützen soll. Die Ampel wird via App gesteuert und überwacht. Ein Sensor zählt die ein- und ausgehenden Kunden und schaltet das Licht je nach Kundenanzahl im Laden auf Rot oder Grün. Knapp 360 Euro kostet das System.

Der Abstand zu anderen Menschen ist ein Schlüssel, um das Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus zu reduzieren. Somit lautet die Vorgabe für den Handel, Warteschlangen zu vermeiden. Und das betrifft ja nicht nur den Eingangsbereich, sondern auch Umkleidekabinen oder die Erfrischungsräume für Kunden. Philips Professional Display Solutions stellt mit seinem System „People Count“ eine Lösung vor, die sowohl im Eingangsbereich als auch anderen Stellen funktioniert. Dies funktioniert auf Basis des Android-Systems, das Philips in seinen Produkten für das Digital Signage einsetzt. Der niederländische Ladenbauer Kersten Retail Techniek verbaut die Lösung bereits in den ersten Filialen großer Einzelhändler.

3,8 Mio für Bring, Galeria-Karstadt-Kaufhof bereitet auf Schließungen vor, Online-Probiermesse

Es gibt sie noch, die positiven Nachrichten in Coronazeiten. Denn die Entwickler der Shopping-App „Bring!“ aus der Schweiz dürfen sich über eine erfolgreich abgeschlossene Finanzierungsrunde freuen. 3,8 Mio Euro stecken die Investoren in das Konzept. Das Geld stammt u. a. von der Schweizer Post, G+J Digital Ventures und Dominique Locher, der Gründer des Online-Supermarkts LeShop. Das frisch eingeworbene Geld soll in die weitere Expansion in Deutschland und der Schweiz gesteckt werden.

“Wenn wir es richtig machen, sehe ich nicht, dass wir noch einmal in umfassende Beschränkungen müssen.“

Gesundheitsminister Jens Spahn versucht im Digital Talk der Initiative „Händler helfen Händlern“ die Befürchtungen vor einem zweiten Lockdown zu zerstreuen. Betont aber auch die (aktuelle) Notwendigkeit, Masken im öffentlichen Raum zu tragen. Das gelte eben auch für Geschäfte. Allerdings ist er auch der Meinung, dass im Laufe der Zeit sicher kreative Lösungen gefunden werden, die den gleichen Schutz in Innenräumen bieten können.

Noch ist nicht klar, wie viele Häuser von Galeria Karstadt Kaufhof geschlossen werden müssen. Im Rahmen des Sanierungskonzepts, das vom Unternehmen im Rahmen des Schutzschirmverfahrens vorgelegt werden muss, werden Einsparungen durch Schließungen und Mitarbeiterabbau eine wesentliche Rolle spielen. Die Mitarbeitervertretungen befürchten, dass 60 der 170 Häuser aktuell auf der Kippe stehen. Die Geschäftsführung hat die Mitarbeiter in einem Rundschreiben jedenfalls auf drohende Schließungen vorbereitet. Bisher belaufen sich die Umsatzverluste, die sich durch den Lockdown ergeben haben, auf eine halbe Milliarde Euro.

Am 15. Mai veranstaltet der Online-Probiermarkt Utry.me eine Live-Messe zu neuen Produkten, siehe auch Vorab-Pressemitteilung. Während der Veranstaltung können die Kunden nicht nur ihren Warenkorb mit neuen und noch wenig bekannten Produkten füllen. Das Präsentationsprogramm wird auch durch Live-Schaltungen zu Influencern oder Herstellern aufgelockert.

Asda bietet Lebensmittelbox, Colruyt lässt Nachbarn Bestellungen zustellen, wie eine chinesische Kette Covid-19 meistert

Eine Box mit 31 essentiellen Lebensmitteln für den eigenen Vorratsschrank bringt die Kette Asda in Großbritannien heraus. Die Box kostet 30 Pfund und enthält Trockenlebensmittel. Zugestellt wird sie mittels Logistikern wie DPD. Damit belasten die Bestellungen nicht die Kapazitäten des eigenen Lieferservice.

Im belgischen Halle testet Colruyt einen neuen Ansatz, um Lebensmittelbestellungen der Kunden zuzustellen. Die Kunden stellen sich die gewünschten Waren im Online-Shop zusammen. Die werden dann in der Filiale vor Ort zusammengestellt. Abweichend vom bisherigen Click & Collect muss die Bestellung aber nicht persönlich abgeholt werden. Das Unternehmen setzt auf Freiwillige aus der Nachbarschaft, die somit etwa Ältere unterstützen wollen. Der Lieferfahrer erhält vom Besteller 7 Euro als Liefergebühr.

Für Händler aus Deutschland ist das Konzept der Warenhauskette Intime so nicht direkt umsetzbar. Wie der chinesische Händler die Coronakrise überstanden hat, ist trotzdem beeindruckend. Eine wichtige Maßnahme bestand in Livestreams auf Taobao, die dann direkt zum Online-Shop der Kette führten. Und bei seinen Onlineaktivitäten setzt das Unternehmen weiterhin auf eine hohe Schlagzahl. Und mit Erfolg. Woche für Woche steigern sich jetzt auch wieder die Besuchszahlen in den über 60 Filialen der Kette.

Lievestreams haben aber auch in Deutschland das Zeug dazu, das neue Teleshopping zu werden: Gestern Abend hat der Modehändler Orsay erstmals einen Livestream für ein digitales Shopping-Event genutzt. Den Mitschnitt kann man sich hier nochmal anschauen.

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