Gelingt Euronics der Durchbruch bei der On-/Offline-Verknüpfung?

von Matthias Hell am 25.März 2014 in Trends & Analysen

Bei Fachkonferenzen ist die Unterhaltungselektronik-Verbundgruppe Euronics mit ihrem Multichannel-System ein gerngesehener Gast – verknüpfen die Händler-Shops der Gruppe doch ein riesiges virtuelles Warenlager mit einer Online-Bestellmöglichkeit und sichern auch dem Fachhandel vor Ort seine Rolle in der Wertschöpfung. Aber das Multichannel-Konzept wird von den Euronics-Händlern nur zögerlich angenommen und generiert auch nach mehreren Jahren nur geringe Umsätze. Nun will Euronics mithilfe des neuen Multi-Channel-Retail-Konzepts MCR@Euronics.de noch einmal durchstarten.

Kernpunkt des neuen Konzepts ist die Einsicht, dass das bisherige System einer Vielzahl von Händler-Onlineshops wenig attraktiv ist, da diese für sich gesehen jeweils eher geringen Traffic generieren und den Kunden nur ein mittelgroßes Angebot bieten. Bis zum Jahresende 2014 sollen daher die Händler-Shops durch ein Marktplatzmodell unter Euronics.de abgelöst werden. Den Kunden wird dann ein sowohl breites wie auch tiefes Angebot von mehr als 50.000 Artikeln angeboten, die – für den Endkunden nicht unterscheidbar – entweder von den Händlern vor Ort oder aus dem zentralen Warenkatalog der Verbundgruppe stammen. Auf diese Weise soll sowohl der Traffic auf dem Onlineshop verstärkt werden, wie auch die Attraktivität des Angebots erhöht werden.

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Konsequente Lokalisierung

Euronics sieht sich allerdings weiterhin mit der Herausforderung konfrontiert, mit dem zentralen Onlineshop nicht ein Gegenmodell zu den mehr als 1.600 Händlern der Verbundgruppe aufzubauen, sondern diese in das E-Commerce-Modell miteinzubinden. Dies soll bei dem neuen Konzept durch eine konsequente Lokalisierung sichergestellt werden, die zum einen die Anzeige lokaler Verfügbarkeiten betrifft, zum anderen aber auch die Preisgestaltung: Besucher des Online-Marktplatzes unter Euronics.de werden lokalisiert und erhalten ausschließlich die Preise des Händlers vor Ort angezeigt.

Die Händler können dabei entscheiden, ob sie als Basic-Teilnehmer die Euronics-Webseite nur zur Weiterleitung an ihr stationäres Geschäft nutzen, als Advanced-Teilnehmer einen Onlineshop aus dem zentralen Warenangebot von Euronics konfigurieren oder als Premium-Teilnehmer eigene, lokale Warenbestände über den Online-Marktplatz anbieten.

Clevere Lösung – auch für die Kunden?

Angesichts der schwachen Umsatzentwicklung von Euronics in den vergangenen Jahren sollte der jetzige Zeitpunkt ideal sein, um Händler zur Teilnahme an dem Multichannel-Konzept zu bewegen. Kritischer ist dagegen die Frage, ob die Kunden bei dem lokalen Preismodell der Verbundgruppe mitspielen oder ob das Konzept nicht zu sehr der Preissensibilität der Onlineshopper (und Preisvergleichsseiten) zuwiderläuft. Mit MCR@Euronics.de macht die Verbundgruppe auf jeden Fall einen guten Schritt, um die internen Probleme bei der Multichannel-Aufstellung zu lösen – ob es auch eine Lösung für die Kunden ist, wird sich zeigen.


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