Google investiert 550 Mio Dollar in JD.com: Drei Fragen an den Chinaexperten Olaf Rotax.

von Florian Treiß am 19.Juni 2018 in Interviews, News

Olaf Rotax

Strategische Allianz: Google investiert stolze 550 Millionen Dollar in JD.com, den zweitgrößten E-Commerce-Konzern aus China hinter Alibaba. Auch wenn die Zahl groß klingt: Für die Summe erhält Google weniger als 1 Prozent der Anteile an JD.com, denn das Unternehmen wird an der Börse mit 62 Milliarden Dollar bewertet. Dennoch hat das Bündnis das Potenzial, für Umwälzungen im weltweiten Handel zu sorgen. Wir haben dem Retail- und Chinaexperten Olaf Rotax, Gründer und Geschäftsführer der seit 2016 zu Accenture gehörenden dgroup, dazu drei Fragen gestellt.

Location Insider: Google investiert stolze 550 Millionen Dollar in JD.com. Wie überraschend finden Sie diesen Schritt?

Olaf Rotax: Der Schritt ergibt für beide Seiten Sinn und ist daher nachvollziehbar. Google verbessert seinen Marktzugang in China und JD.com seine internationale Aufstellung. Insbesondere Google dürfte in der Bewertung profitieren. Beide Unternehmen stehen im Rahmen weiterer internationaler Konsolidierung noch stärker da.

Location Insider: Ist das aus Ihrer Sicht eine Kampfansage an Amazon?

Olaf Rotax: Der Schritt ist keine Kampfansage, sondern ein logischer Schritt für Google im Ausbau des Plattformgeschäftsmodells zum Eco-System. Die chinesischen Eco-Systeme von BAT (Baidu, Alibaba und Tencent) sind hier in der Zusammenführung von Social Media, Suche und Shopping schon viel weiter als die noch relativ isoliert arbeitenden Player von GAFA (Google, Amazon, Facebook und Apple). Mit dem Schritt stellt sich Google zudem noch internationaler auf, indem es einen aktiven Fuß im chinesischen Markt hat.

Location Insider: Was bedeutet dieser Schritt für Händler in Deutschland und Europa?

Olaf Rotax: Es ist noch zu früh, dazu etwas Konkretes zu sagen bzw. es liegen mir nicht genug verlässliche Informationen vor. Es ist aber zu erwarten, dass JD.com vom guten Marktzugang von Google in Deuschland und Europa profitieren möchte, um im Internationalisierungsvergleich mit Alibaba zu profitieren. Umgekehrt könnten deutsche Unternehmen bei entsprechender Kollaboration ihr Angebot noch leichter in China platzieren. Die Konkretisierung bleibt aber abzuwarten.

Location Insider: Vielen Dank für Ihre Einschätzung!


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