Handel im Wandel: Durch die Woche mit Zelda Czok von Winkel van Sinkel.

von Kay Ulrike Treiß am 12.September 2018 in Fragebögen, Highlight, News

Zelda Czok (Copyright: Malte Dibbern)

Mit „Winkel van Sinkel“ hat Zelda Czok holländischen Lifestyle nach Hamburg geholt: Das historische Vorbild Winkel van Sinkel war das erste Kaufhaus von Holland. 1839 in Utrecht eröffnet, bot es fast alles zum Verkauf, was man wollte. Der Laden war in ganz Holland berühmt und hielt mehr als 50 Jahre. Zelda Czok ist Halb-Holländerin und hat mit ihren zwei Plant Stations in Hamburg, eine davon in einer denkmalgeschützten Tankstelle von 1953, grüne und wilde Urban Jungles aus Sukkulenten und Kakteen geschaffen. Ergänzt wird das Pflanzenparadies durch junge Marken aus Amsterdam aus den Bereichen Papeterie, Glas und Keramik sowie den holländischen Wacholderschnaps Genever und Gin. Vor ihrer Selbständigkeit war die 39-Jährige bei Lys Vintage tätig, einem Händler für Leuchten und Möbel aus Skandinavien, sowie später als Online Category Manager bei Blume 2000. Im Händler-Fragebogen von Location Insider verrät Zelda Czok, welche Stores sie bewundert und mit welcher Technologie ihre Mitarbeiter Fachfragen im Kundengespräch klären.

Location Insider: Wie würden Sie die momentane Situation des stationären Handels in einem Satz beschreiben?

Zelda Czok: Es gibt viel Platz für mutige, neue Konzepte. Und leider auch noch immer alte Denkweisen und dadurch bedingte Ratlosigkeit hinsichtlich der Herausforderungen, die ein verändertes Konsumverhalten mit sich bringt.

Location Insider: Welcher Tag der vergangenen Woche war der Beste aus Händlerperspektive und warum?

Zelda Czok: Dienstag – denn das Wetter wurde etwas kühler. Die sehr starke Hitze hat einen erheblichen Mehraufwand in der Pflanzenpflege bedeutet. So wird der Alltag für uns wieder etwas leichter.

Location Insider: Worüber haben Sie sich diese Woche besonders beim Einkaufen im Laden gefreut?

Zelda Czok: Freitag war toll – eine unserer Kundinnen, die schon Tage vorher über unseren Instagram-Account mit uns im Gespräch war, kam erstmalig in unserem Geschäft vorbei und war so glücklich, dass Sie uns direkt eine 5-Sterne Bewertung auf Facebook gegeben hat und sich zusätzlich in einer persönlichen Mail bedankt hat. Das ist ein Feedback, welches ich so sehr gerne umgehend ins Team gebe.

Location Insider: Und worüber haben Sie sich geärgert?

Zelda Czok: Das 24 Stunden am Tag nicht reichen um all meine Ideen umzusetzen. Aber das kann ich mittlerweile mit einem milderen Lächeln betrachten.

Location Insider: Mit wem wollen Sie nie an der Kasse stehen, wenn Sie Unterwäsche kaufen? Oder kaufen Sie diese deshalb nur online?

Zelda Czok: Mit meinem Partner, sonst kann ich ihn ja nicht überraschen 😉 Online Wäsche kaufen ist langweilig.

Location Insider: Tante Emma oder Supermarkt?

Zelda Czok: Das was auf dem Weg liegt… Von meiner inneren Haltung her gerne Tante Emma, leider siegt allzu häufig der Supermarkt.

Location Insider: Chatbots, Sprachassistenten, Virtual Reality, Internet der Dinge – Welche Technologie optimiert aus Ihrer Sicht das Einkaufserlebnis für Kunden?

Zelda Czok: Keines von diesen Dingen. Viele Kunden kommen sehr gut vorbereitet und mit viel Fachwissen in den Laden. Ein Verkäufer kann da manchmal kaum noch mithalten, da der Kunde sich über einen spezifischen Artikel bereits vorher intensiv informiert hat. Hier mit digitalen Tools die eigenen Mitarbeiter auf dem Smartphone zu unterstützen (BYOD) ist ein wichtiger Faktor für ein tolles Einkaufserlebnis. Wir selbst nutzen eine Art „Wiki“ in der Cloud, über das jeder Mitarbeiter auf seinem eigenen Smartphone Fachfragen direkt im Kundengespräch klären kann. Weiterhin können Schulungen darüber abgehalten werden (Lerntool). Nur wenn wir am POS mit Begeisterung und Kompetenz arbeiten, sind wir für den Kunden relevant. Ansonsten ist er weg.

Location Insider: Verraten Sie uns Ihr Vorbild im Stationärhandel und warum der alles richtig macht?

Zelda Czok: Für mich gibt es mich nicht das eine Idol. Viele Händler haben Stärken, die ich spannend finde. Stories in NY und Merci in Paris für den Mut und die Konsequenz, immer neue Themen darzustellen. B8ta für die Integration von digital in store. Die Liste ist lang. Ich bewundere aber immer kleine, konsequent und liebevoll gestaltete Stores, egal mit welchem Schwerpunkt.

Location Insider: Ist Ihr Job für Sie Beruf oder Berufung?

Zelda Czok: Berufung.

Location Insider: Welche Schlagzeile wollen Sie auf keinen Fall über sich im „Handelsblatt“ lesen?

Zelda Czok: Alles was unwahr ist.

Location Insider: Nehmen wir an, Sie hätten einen Wunsch frei: Wie sähe der stationäre Handel in fünf Jahren aus, wenn Sie es sich aussuchen könnten?

Zelda Czok: So leid es mir tut, für einige Branchen ist die augenblickliche Marktbereinigung heilsam. Es gibt zu viele Marken und Händler mit schwachen Konzepten, die um die Gunst des Kunden buhlen. Die Ladenmieten normalisieren sich wieder. Kurzfristige Mietverträge nehmen zu. Pop Up Stores und Nischenkonzepte haben wieder Chancen in höher frequentierten Lagen. Dadurch werden die Innenstädte wieder spannender und der Kunde begeistert! Handel und Medien gehen eine Symbiose ein, die es beiden ermöglicht mit wenig Arbeit alle relevanten Kanäle gut zu bespielen.

Location Insider: Vielen Dank für die spannenden Antworten!

Lesen Sie auch die vorherigen Fragebögen unserer Serie “Durch die Woche mit…”.


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