Handel im Wandel: Matthias Steinforth von Durst.

von Kay Ulrike Treiß am 08.August 2018 in Fragebögen, News

„Ich würde mir wünschen, dass es mehr innovative, experimentierfreudige Händler gibt“, sagt Matthias Steinforth, Gründer von Durst. Sein Geschäftsmodell passt ideal zu den aktuellen tropischen Temperaturen: ganz ohne schweißtreibendes Kisten schleppen und nerviges Warten am Pfandautomaten können Endkunden über die Durst-App Getränke online bei lokalen Händlern bestellen. Bereits während seiner Schulzeit gründete Matthias Steinforth gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Simon Biela, beide Jahrgang 1980, die Digitalagentur kernpunkt. Nach über 17 Jahren im Agenturgeschäft widmet sich Matthias Steinforth nun mit seinem neuen Startup Durststrecke GmbH der Herausforderung Digitalisierung im Getränkehandel. Im Händler-Fragebogen von Location Insider verrät Steinforth,  warum ihn ausgerechnet eine Metzgerei in Sydney beeindruckt hat.

Location Insider: Wie würden Sie die momentane Situation des stationären Handels in einem Satz beschreiben?

Matthias Steinforth: Ich beschäftige mich aktuell intensiv mit dem Getränkehandel und dieser unterliegt einem umfassenden Wandel: Zum einen findet derzeit eine Konsolidierung statt, die Zahl der Getränkeabholmärkte ist rückläufig und auf Seiten der Großhändlern bilden sich neue Allianzen. Vor allem beschäftigt aktuell das Thema Digitalisierung die Branche: Von digitalen Bestellprozessen, über bessere Logistik- und Warenwirtschaftsprozesse bis hin zu Online-Marketing und CRM sehen wir viele Initiativen in der Getränke-Branche. Hinzu kommen verschiedene neue Online-Händler und Online-Aktivitäten der LEH, die den stationären Handel unter Druck setzen.

Location Insider: Welcher Tag der vergangenen Woche war der Beste aus Händlerperspektive und warum?

Matthias Steinforth: Für den Getränkehandel vermutlich jeder: Aktuell erleben wir in Deutschland mal wieder eine Hitzewelle. Daher wird viel getrunken und der Getränkehandel hat viel zu tun. In den Medien liest man über fehlendes Leergut und Überstunden im Getränkehandel. Und: Hohe Temperaturen bedeuten viel Umsatz.

Location Insider: Worüber haben Sie sich diese Woche besonders beim Einkaufen im Laden gefreut?

Matthias Steinforth: Ich kaufe kaum noch im Laden, daher war wohl der Kauf meiner Brötchen am Wochenende beim lokalen Bäcker mein einziger stationärer Einkauf. Dieser war bei einer neuen Premium Bäckerei-Kette mit dem Namen „Zeit für Brot“. Diese bietet ein spannendes Gegenmodell zu den Brötchen-SB-Discountern und zeigt, dass man zumindest in Großstädten auch Geld mit Backwaren verdienen kann.

Location Insider: Und worüber haben Sie sich geärgert?

Matthias Steinforth: Über den Haufen Werbeprospekte vor meiner Haustüre.

Location Insider: Mit wem wollen Sie nie an der Kasse stehen, wenn Sie Unterwäsche kaufen? Oder kaufen Sie diese deshalb nur online?

Matthias Steinforth: Hinter jemanden, der einen Haufen Retouren an der Kasse vor mir umtauschen möchte – ein stationärer Prozess, den ich als nachfolgender, wartender Kunde für unnötig halte. Dies lässt sich heute besser lösen. Aber meist kaufe ich wirklich meine Unterwäsche online, wobei ich mir hier eigentlich ein Abo-Modell für Klamotten-Basics wünschen würde.

Location Insider: Tante Emma oder Supermarkt?

Matthias Steinforth: Picnic. Aber die gibt es leider noch nicht in Köln. Daher wohl der Online-Supermarkt mit den roten Buchstaben.

Location Insider: Chatbots, Sprachassistenten, Virtual Reality, Internet der Dinge – Welche Technologie optimiert aus Ihrer Sicht das Einkaufserlebnis für Kunden?

Matthias Steinforth: Sprachassistenten halte ich für sehr spannend. Seit gut zwei Wochen bin ich Besitzer eines HomePods. Allerdings überzeugt mich die Technologie – abseits der Soundqualität – noch nicht. Hier ist noch viel Luft nach oben. Doch, wenn ich den aktuellen HomePod mit einem iPhone 1 vergleiche, dann freue ich mich auf die Technologie, die es in 4-5 Jahren geben wird.

Location Insider: Verraten Sie uns Ihr Vorbild im Stationärhandel und warum der alles richtig macht?

Matthias Steinforth: Mir fällt leider kein Vorbild ein. Es gibt sicher viele gute stationäre Händler, aber überragenden Service kann aus meiner Sicht nur noch ein Premium-Segment bieten. Ich kann mich als Kunde heute binnen Minuten über jedes Produkt informieren – eine vergleichbare Beratung bietet kaum ein stationärer Händler, den ich kenne. Am Ende läuft es dann auf Services hinaus, die eine Differenzierung zum Online-Handel erlauben. Und diese kosten einfach Geld…

Location Insider: Ist Ihr Job für Sie Beruf oder Berufung?

Matthias Steinforth: Sowohl als auch. Vor allem aber bin ich Unternehmer und habe den Luxus eines Jobs, der mir Spaß macht und mir viel Gestaltungsmöglichkeit bietet.

Location Insider: Welche Schlagzeile wollen Sie auf keinen Fall über sich im „Handelsblatt“ lesen?

Matthias Steinforth: „Durststrecke am Ende“ – wobei diese zweideutig sein könnte: Mit meinem aktuellen Start-Up, der Durststrecke GmbH, sind wir dabei eine Plattform für den Online-Getränkehandel zu entwickeln. Und wir hoffen, dass noch eine lange, spannende Strecke vor uns liegt.

Location Insider: Nehmen wir an, Sie hätten einen Wunsch frei: Wie sähe der stationäre Handel in fünf Jahren aus, wenn Sie es sich aussuchen könnten?

Matthias Steinforth: Ich würde mir wünschen, dass es mehr innovative, experimentierfreudige Händler gibt. Ich war vor einigen Jahr einmal in Sydney in einer Metzgerei mit dem Namen Victor Churchill. Diese hat mich fasziniert, weil sie etwas Alltägliches zu etwas Besonderem gemacht hat. Solche Konzepte wünsche ich mir für den stationären Handel.

Location Insider: Vielen Dank für die spannenden Antworten!

Lesen Sie auch die vorherigen Fragebögen unserer Serie “Durch die Woche mit…”.


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