Hermes stellt Liefery ein, _blaenk eröffnet erfolgreich in Köln, Monoprix hegt Europa-Ambitionen.

von Stephan Lamprecht am 30.November 2020 in News

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

es ist schon erstaunlich. Ob an dieser Stelle oder auch in anderen Fachmedien steht regelmäßig, dass es bisher kein regionaler Marktplatz geschafft hat, nennenswerte Reichweiten aufzubauen, geschweige denn den Händlern zu überzeugenden Umsätzen zu verhelfen. Offenbar lesen Kommunalpolitiker, Wirtschaftsförderer und City-Manager solche Berichte nicht. Soll man es jetzt Beratungsresistenz oder unverbesserlichen Optimismus nennen, wenn nach wie vor jede Woche gleich mehrere Meldungen zu weiteren Projekten auftauchen? Jüngstes Beispiel ist Dormagen. Dort soll “bald” die Plattform “Nahwerte.de” starten. 12 Anbieter sind beim Start dabei und auch der lokale Energieversorger mischt mit. Wir wünschen zwar gutes Gelingen, aber warum es gerade Dormagen schaffen sollte, erscheint zweifelhaft.

Herzlichst Ihr Stephan Lamprecht

Unsere News des Tages:

Hermes zieht bei Liefery den Stecker, Müller versendet

Auch wenn die Pressemitteilung die bisherigen Leistungen von Liefery betont, bleibt es im Kern doch eine Hinrichtung. Weil taggleiche Lieferungen nicht zur Strategie von Hermes passen, sondern sich das Unternehmen auf Next-Day-Lieferungen fokussieren wolle, wird Liefery seinen Betrieb bereits im Februar kommenden Jahres einstellen. Das dürfte Kunden wie Rewe, Hellofresh, Nespresso, Apple, Würth oder Zalando nicht besonders gefallen, die sich auf die Leistungen des Unternehmens verlassen haben. Und Asos nutzt Liefery exklusiv, wir hatten an dieser Stelle bereits über das ambitionierte Projekt der Auslieferung mit E-Fahrzeugen berichtet. Wie es aussieht, hat Hermes offenbar Liefery zunehmend als lästige Konkurrenz aus dem eigenen Haus empfunden.

Drogeriekette Müller will die Kunden jetzt nicht mehr nur ihre online bestellten Waren in den Filialen abholen lassen. Voraussichtlich noch im Dezember können die Kunden dann auch Produkte zur Lieferung nach Hause bestellen. Allerdings nicht aus allen Kategorien. Der Versand soll sich zunächst auf Parfümerie-, Spielwaren- und Haushaltswaren beschränken. Immerhin. Außerdem optimiert die Kette das Bestandsmanagement seiner Filialen künftig mit einer Softwarelösung des finnischen Anbieters Relex Solutions. Damit soll die Produktverfügbarkeit optimiert und zu große Bestände in den Filialen gesenkt werden.

Shopify-Händler und der Black Friday, Eröffnung von _blaenk in Köln

Die Händler auf Shopify können einen Rekord am Black Friday vermelden. Gegenüber dem Vorjahr gab es eine Steigerung vom Umsatz um 75 Prozent, wobei sicherlich das GMV gemeint sein dürfte. 75 Euro betrug im Durchschnitt die Größe der Warenkörbe in Deutschland, wobei die Berliner besonders viel eingekauft haben. Zur Frage, wie es in Deutschland auf der Fläche so lief, gibt es aktuell eher wenig optimistische Angaben. Zwar zeigten sich durchaus Schlangen vor den Geschäften, das geht aufgrund der Abstandsregeln nun aber auch schneller. So soll die Frequenz um bis zu 30 Prozent unter dem Vorjahr gelegen haben. Dafür ging online, wenig überraschend, die Post ab. Das passt dann zum Gesamtbild, wie es sich auch in den USA zeigt. Auf der Fläche Rückgang der Umsätze um bis zu 52 Prozent, dafür eine Steigerung in den Online-Stores um 22 Prozent.

Mit Spannung wurde die Eröffnung der Filiale von _blaenk mit seinem Retail as a Service in der Kölner Schildergasse erwartet. Im Erlebnisstore auf 450 Quadratmetern können die Kunden sich inspirieren lassen und rund 40 Marken erleben. Die Fläche erinnert von der Gestaltung an ein Appartment und findet so eine gute Verbindung zu den Lifestyleprodukten. Via QR-Codes lassen sich jederzeit Produktinformationen abrufen, die Produkte können online bestellt werden oder per Self-Checkout auch im Store. Und wie Wolf-Jochen Schulte-Hillen in seinem Posting berichtet, kam das Konzept auch bei den Kunden am Eröffnungstag gut an.

Monoprix hegt Deutschland-Ambitionen, Millionenstrafe für Carrefour

Am Montparnasse in Paris hat Monoprix einen neuen Flagship-Store mit einer Gesamtfläche von 5.000 Quadratmetern Fläche eröffnet. Zum Konzept gehört nicht nur der Einsatz modernster Retail-Technologien, wie beispielsweise smarter Einkaufwagen. Der regionale Bezug beim Sortiment spielt ebenfalls eine wichtige Rolle. Aus der Region für die Region lautet das Motto: So erhalten die Kunden Einblick in die im Markt integrierte Bäckerei, können also verfolgen, wie frische Backwaren direkt vor Ort entstehen. Bei Obst und Gemüse wird auf saisonale Bioprodukte aus der Region gesetzt. Mit diesem Konzept will Monoprix nun auch innerhalb von Europa expandieren. Durch die Zusammenarbeit mit lokalen Investoren und Franchisepartern soll das Konzept auch in Skandinavien, Deutschland, Belgien, den Niederlanden, Portugal und Spanien ausgerollt werden.

Veraltete Kundendaten werden für Carrefour teuer. Die französische Datenschutzbehörde CNIL hat gegen die Supermarktkette ein Bußgeld in Höhe von 3 Mio. Euro verhängt. Den größten Teil der Strafe soll der Mutterkonzern mit 2,25 Mio. Euro tragen, das Tochterunternehmen “Carrefour Banque” wurde mit einer Buße von 800.000 Euro bedacht. Konkret geht es um Verstöße aus dem vergangenen Jahr. Nach Ansicht der Behörde hatte Carrefour veraltete Daten im Rahmen eines Kundenbindungsprogramms genutzt. Dabei wurden Daten von Kunden verwendet, die schon lange nicht mehr aktiv an dem Programm teilgenommen hatten. Somit ist das Unternehmen nicht der in der DSGVO geforderten Verpflichtung zur Löschung der Daten nachgekommen. Die Höhe des Bußgelds erklärt sich nicht nur aus diesem Vergehen. Die Behörde bemängelt noch eine Reihe weiterer Verstöße in diesem Zusammenhang.

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