Hugendubel profitiert von online angezeigten Filialverfügbarkeiten.

von Matthias Hell am 29.November 2013 in Local Heroes

Wer die Produkte ins Netz bringt, lockt die Online-Shopper in den stationären Handel – die Erfahrungen der Buchkette Hugendubel bestätigt dieses Motto. Denn schließlich ist die Verfügbarkeitsanzeige von Buchtiteln nicht nur besonders gut umsetzbar, sondern es lässt sich damit auch trefflich gegen Amazon und Co. punkten.

Als Mitte der Siebziger Jahre die ersten Buch-Warenhäuser in Deutschland aufkamen, sorgte das im Buchhandel für eine willkommene Frischluftzufuhr. Zum einen wurde der Buchkauf aus übermäßig intellektuell aufgeladenen Zwängen befreit und ein zeitgemäß-lockeres Einkaufserlebnis ermöglicht. Zum anderen boten die Buch-Kaufhäuser ein in seiner Breite bisher nicht gekanntes Angebot, das bei Lesewürmern für Begeisterung sorgte. Zu den Vorreitern dieser Entwicklung gehörte der Filialist Hugendubel, der in seinem 1979 eröffneten Haus am Münchner Marienplatz mit Selbstbedienungsregalen, Büchertischen und „Lese-Inseln“ die Blaupause für die Großflächen der Buchketten lieferte.

Amazon sorgt für verschärften Wettbewerb

Thomas Forstpointner leitet Hugendubel.de in der Verlagsguppe Weltbild

Thomas Forstpointner leitet Hugendubel.de in der Verlagsgruppe Weltbild

Doch mit dem Aufstieg des Online-Buchhandels und der Dominanz von Amazon wurde vieles von dem, wofür die Filialisten standen, obsolet. Auf einmal erkannte man, dass die Buch-Warenhäuser zwar vieles hatten, aber oft dasjenige Buch nicht, das man im Moment gerade suchte. Die Alternative, sich den gewünschten Titel zur Abholung oder nach Hause zu bestellen, überzeugte auch nicht – liefert Amazon doch ebenfalls jedes Buch innerhalb von 24 Stunden kostenfrei an die Haustür. Ein Szenario, bei dem die Buchketten ihre stationären Vorteile ausspielen könnten, wäre es allerdings, die stationären Bestände ins Netz zu bringen.

Genau das macht Hugendubel seit gut drei Jahren auf seiner Webseite. „Nachdem wir im Internet zunächst nur mit einem Info-Portal für die Filialen mit angeschlossener Bestellfunktion unterwegs waren, haben wir damals beschlossen, mehr Power in den Onlineshop zu bringen und uns so vom klassischen Filialisten zu einem Multichannel-Händler gewandelt“, berichtet Thomas Forstpointner, der innerhalb der zusammen mit Weltbild betriebenen Firmengruppe DBH für das Online-Angebot von Hugendubel.de verantwortlich ist. Eine wichtige Rolle nimmt dabei die stationäre Abholung von Internet-Bestellungen ein, die bei Hugendubel jeweils für rund 15 bis 18 Prozent der Online-Umsätze verantwortlich ist.

Verfügbarkeitsdaten treffen auf hohes Interesse

Mit einem Ampel-System visualisiert Hugendubel lokale Verfügbarkeiten

Mit einem Ampel-System visualisiert Hugendubel lokale Verfügbarkeiten

Noch einen Schritt weiter auf dem Weg zu einer echten Verzahnung von Online und Offline geht Hugendubel mit der Anzeige von stationären Warenverfügbarkeiten. Kunden, die sich für ein bestimmtes Buch interessieren, können online abfragen, in welchen Filialen das Buch vorrätig ist. Dabei hat sich der Buchhändler bewusst dafür entschieden, anstelle von konkreten Stückzahlen Richtwerte anzuzeigen: Sind mehr als 5 Exemplare eines Titels in einer Hugendubel-Filiale vorhanden, wird dies durch eine grüne Ampel verdeutlicht. Bis zu fünf Exemplare werden mit Gelb angezeigt, ist der Titel nicht lokal vorrätig, wird alternativ die Buchbestellung angeboten. „Da es immer eine gewisse Unschärfe in der Warenwirtschaft gibt, zum Beispiel wenn ein Kunde ein Buch zum Stöbern mit auf die Lese-Insel nimmt, haben wir uns für dieses Modell entschieden“, erklärt Forstpointner. Ansonsten handele es sich bei den Online-Informationen aber um „fast stundenaktuelle“ Daten, die mehrmals täglich abgeglichen würden.

Wie der Online-Chef von Hugendubel berichtet, wird der Service von den Kunden gut angenommen. So rufen rund 10 Prozent der Webseiten-Nutzer die Abfrage stationärer Verfügbarkeiten auf. Wird der Hugendubel-Onlineshop von einem mobilen Endgerät aus besucht, ist dieser Wert noch einmal deutlich höher. Dies gilt besonders in größeren Städten, in welchen es mehrere Hugendubel-Filialen gibt und so Nutzer mobil abfragen können, welche der umliegenden Buchhandlungen sie für einen gewünschten Titel ansteuern sollen. Nach Ansicht von Forstpointner schätzen Benutzer der Funktion nicht nur den so herstellbaren unmittelbaren Weg zum gewünschten Buch, sondern nutzten auch gerne die in der Filiale gebotene haptische Einkaufsmöglichkeit und Beratungsangebote. Für die Buchkette stellt die so herstellbare Verbindung zwischen Online und lokalem Angebot damit ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal gegen die Übermacht von Amazon im Online-Buchhandel dar.

Weitere Ausbaustufen geplant

Wenn - wie in München - mehrere Hugendubel-Filialen in Laufweite beieinander liegen, macht die mobile Verfügbarkeitsabfrage besonders viel Sinn

Wenn – wie in München – mehrere Hugendubel-Filialen in Laufweite beieinander liegen, macht die mobile Verfügbarkeitsabfrage besonders viel Sinn

Technisch sei die Einbindung der Filialverfügbarkeiten in den Onlineshop recht einfach umzusetzen gewesen, berichtet Forstpointner. Denn Hugendubel habe ohnehin bereits über ein eigenes, untereinander vernetztes Warenwirtschaftssystem verfügt, das in der Lage sei, die Bestände sämtlicher Filialen mit Stückzahlen abzubilden. „Der Aufwand, das in unser Online-System einzubinden, hielt sich in Grenzen.“ Allerdings gibt es bei dem Feature noch eine – vergleichsweise wichtige – blinde Stelle: Nutzer können einen lokal verfügbaren Titel nicht unmittelbar zur Abholung reservieren. „Die Reservierung zur Abholung ist bisher nur über unseren Online-Bestellprozess möglich und nicht über die stationäre Filialwarenwirtschaft“, erklärt Forstpointner. Doch ist man bei Hugendubel entschlossen, die dabei bestehenden „zwei, drei technischen Hürden“ mittelfristig zu überwinden.

Die Echtzeit-Anzeige von Filialverfügbarkeiten ist ein Anknüpfungspunkt, den Hugendubel auch für seinen im Weihnachtsgeschäft 2012 gemeinsam mit dem Same-Day-Delivery-Spezialisten Tiramizoo erprobten Expresslieferdienst nutzte. Allerdings kam die Buchkette dabei zu dem Schluss, dass für einen entsprechenden Service im Endkundengeschäft bislang noch recht wenig Bedarf herrscht und verzichtet daher im diesjährigen Jahresendgeschäft auf die Same-Day-Delivery. Stattdessen setzt Hugendubel auf die Einbindung der eigenen Verfügbarkeitsdaten in lokale Einkaufsplattformen wie aktuell bereits dem Hamburg-Portal von Atalanda und plant auch Tests mit dem Local Shopping Anbieter My-xplace („Alles in meiner Nähe“).


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