Interview: Bernhard Webler von MicroStrategy will „Shop of the Future“ um Mobile Payment erweitern.

von Christian Bach am 16.Juli 2014 in Interviews

S„Kunden können Produkte durch das Scannen einer Werbung oder über einen Touchscreen im Laden direkt in die eigene App-Wunschliste hinzufügen“, erläutert Bernhard Webler, Vice President des Softwareherstellers MicroStrategy Deutschland, das mobile Ladenmanagement-Konzept „Shop of the Future“. Dieses System wird bereits von Gucci und Guess eingesetzt und kann auch auf andere Händler ausgeweitet werden. Das Konzept basiert unter anderem auf dem dem Übertragungsstandard Bluetooth. Noch setzt das Wiener Unternehmen also nicht auf die erweiterte Übertragungstechnologie Bluetooth Low Energy bzw. die Beacon-Technologie. Bisher können „Store-Manager eine interaktive App zum Ladenmanagement nutzen“, so Webler. Bei der Verwendung von Kunden-Daten muss MicroStrategy jedoch auf die strengen datenschutzrechtlichen Vorgaben achten. Denn die Nutzung von persönlichen Daten und Informationen unterliegt in Deutschland strikten Regeln. Dennoch kann sich Webler die Integration einer Mobile-Payment-Lösung vorstellen: „Denkbar ist auch die Erweiterung der App für das Verkaufspersonal um finale Zahlungstransaktionen für den Kunden.“

Location Insider: Wie genau funktioniert Ihr mobiles Ladenmanagement-Konzept „Shop of the Future“, das von Gucci und Guess eingesetzt wird?

MicroStrategy Guess AppBernhard Webler: Mit „Shop of the Future“ beschreibt MicroStrategy, wie Kunden schon jetzt Mobile Analytics auf den unterschiedlichsten Ebenen einsetzen. Store-Manager können etwa interaktive Apps einsetzen, um das Ladenmanagement effizienter zu gestalten, wie das Beispiel von Gucci und Guess bereits zeigt. Beide Marken führen auch eigene Filialen in Deutschland. Kunden-Apps wiederum ermöglichen es dem Konsumenten, mit der Marke kontinuierlich zu interagieren. Beispielsweise kann der Kunde dank einer App in Zeitungsanzeigen beworbene Produkte durch den Snapshot dieser Anzeige abrufen. Die Kunden-App erlaubt es, sogenannte Wishlists wireless in die App zu übertragen – etwa durch Aufruf von Produktlisten interaktiver Screens, auf denen Videos von Modeschauen gezeigt werden. Diese Wunschliste kann an den Verkäufer im Ladengeschäft übermittelt werden, um eine gezieltere Beratung des Kunden zu ermöglichen.

Location Insider: Ist das System hierzulande verfügbar? Falls nicht, wann können wir damit (auch bei anderen Händlern) rechnen?

Bernhard Webler: Die Lösungen, die MicroStrategy beschreibt, sind ein Blueprint aus der Zusammenarbeit mit den unterschiedlichsten Händlern. Selbstverständlich lässt sich diese Erfahrung multiplizieren und bei weiteren Händlern, entsprechend den individuellen Anforderungen, anpassen und weiterentwickeln.

Location Insider: Zudem erhalten Store-Mitarbeiter über „Shop of the Future“ ein Profil des Kunden, sobald dieser einen QR-Code eines Produkts im Laden scannt. Um ehrlich zu sein habe ich diese Konzepte noch nie in einem Geschäft gesehen. Warum setzen nicht viel mehr Händler auf diese oder ähnliche Konzepte?

Bernhard Webler: Die Nutzung von persönlichen Daten und Informationen obliegt in Deutschland strikten Regeln, die es zu beachten gilt. Zudem ist für einen ähnlichen Anwendungsfall eine nahezu 1:1-Relation der Anzahl-Kunden zu der Anzahl des Verkaufspersonals im Laden notwendig, was in Deutschland jedoch nur in Ausnahmefällen im Handel gegeben ist. Stattdessen setzen Händler zurzeit eher auf maßgeschneiderte Angebote, die auf individuellen Terminals vom Konsumenten abrufbar sind. Trotzdem beachten Händler diesen Case als Benchmark für eigene Konzepte und Applikationen. Denkbar ist auch die Erweiterung der App für das Verkaufspersonal um finale Zahlungstransaktionen für den Kunden, sodass Schlange stehen an der Kasse entfällt.

Location Insider: In Ihrem Konzept erhalten App-User Produktinformationen per Bluetooth angezeigt, wenn sie sich einer Ware nähern. Basiert dieses Konzept auf Bluetooth-Low-Energy?

Bernhard Webler: Hier ist Bluetooth eingesetzt worden, jedoch nicht die Apple iBeacon Technology, da diese zum Zeitpunkt des Konzeptes noch nicht zur Verfügung stand.

Location Insider: Planen Sie den Einsatz von Beacons?

Bernhard Webler: Prinzipiell unterstützt MicroStrategy alle technischen Standard-Features, die mobile Endgeräte der führenden Systeme von Hause aus mitbringen. Dazu gehören auch Bluetooth und iBeacons.

Location Insider: Außerdem bieten Sie mit Usher eine Identitäts-Plattform mithilfe von PINs, Stimmen- und Gesichts-Erkennung sowie per Geodaten. Damit können Nutzer per App zum Beispiel Türen öffnen, ihre Identität nachweisen, Geräte standortbasiert verriegeln uvm. Wo kommt dieses System bereits zum Einsatz und wo ist es in Planung?

Bernhard Webler: Hier gibt es das Projekt „FirstNet Network“ von MicroStrategy in Zusammenarbeit mit Northrop Grumman. Konkret handelt es sich um ein Kommunikationsnetz, um Einsatzkräfte in Notfallsituationen, etwa Feuerwehr, Polizei oder Rettungskräfte, über eine mobile App, basierend auf MicroStrategy Usher, zu koordinieren. In Notfallsituationen ist ein schnelles und abgestimmtes Vorgehen von Helfern vor Ort, Leitstellen und regionaler Administration entscheidend. Die Einsatzleitung muss in der Lage sein, die Personen mit den richtigen Fähigkeiten auszuwählen, dem Einsatz zuzuordnen sowie den Verlauf des Einsatzes zu überblicken. Am Einsatzort ist es wichtig, dass sich die Kräfte gegenseitig schnell finden und andere in der Nähe befindliche Unterstützung hinzuziehen können. Um genau dies unkompliziert zu ermöglichen, wurde eine mobile App entwickelt, mit der andere Einsatzkräfte sich gegenseitig orten und miteinander kommunizieren können. „FirstNet Network“ schafft also Transparenz sowohl für Einsatzleitung als auch für die Einsatzkräfte.

Location Insider: Es ist schwer in die Zukunft zu blicken, aber wann wird die Digitalisierung flächendeckend den Handel erfasst haben, sodass wir zum Beispiel Lebensmittel oder andere Produkte einfach bestellen und an einer Pick-up-Station auf dem Heimweg nach der Arbeit abholen können?

Bernhard Webler: In Frankreich ist dieses Angebot schon sehr weit verbreitet, Rewe entwickelt oder bietet bereits in Ballungszentren einen ähnlichen Service und Amazon rüstet ebenfalls auf. Wir können wohl davon ausgehen, dass spätestens in fünf Jahren die Online-Bestellung samt Anlieferung, oder wahlweise zur Abholung bereitgestellte, fertig kommissionierte Ware, zum Standard geworden ist. Interessant ist im Übrigen, dass hier Logistik-Unternehmen ein berechtigtes Interesse an der Entwicklung haben und in Konkurrenz zum etablierten Handel treten könnten.

Location Insider: Können Sie uns zumindest einige konkreten Ziele oder Produktneuheiten von MicroStrategy für dieses Jahr verraten?

Bernhard Webler: Ganz konkret haben wir auf unserer Konferenz „MicroStrategy World“, die gerade in Barcelona stattfand, angekündigt, dass wir unsere Produkte und deren Preisstruktur vereinfacht haben. Damit machen wir es Kunden einfacher, die gesamte Leistungsfähigkeit der MicroStrategy-Plattform unternehmensweit zu nutzen.

Location Insider: Vielen Dank für das Interview.

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