Interview: Dorothea Utzt von Streetspotr will mit ihrer Workforce weiter expandieren.

von Christian Bach am 19.März 2014 in Interviews

dorothea utzt - streetspotr II„Wir gehen einen Schritt weiter als andere Unternehmen aus dem Bereich Big Data/Data Mining: Wir erfassen genau die Informationen, die ein Auftraggeber gerade braucht – überall, jederzeit und in jedem Ausmaß“, sagt Dorothea Utzt, Mitgründerin und Geschäftsführerin von Streetspotr. Das 2011 gegründete Nürnberger Startup ist mit über 230.000 Anwendern Europas größte Smartphone-Workforce. Unternehmen können über die Plattform Mini-Jobs ausschreiben, die sie erledigt haben möchten. Das kann zum Beispiel das Überprüfen von Öffnungszeiten sein, das Abfotografieren einer Speisekarte oder das Testen von bestimmten Produkten. Nutzer können sich durch die Erledigung der Aufgaben den ein oder anderen Euro dazuverdienen.

Location Insider: Laut Huffington Post ist Streetspotr eine der Apps, die den Alltag grundlegend verändern werden. Wie genau wollt Ihr das schaffen?

Dorothea Utzt: Wir verändern die Art der weltweiten Datenerfassung, indem wir Fotos, Einblicke & Informationen direkt vor Ort erfassen, statt eine Masse an bereits vorhandenen, oftmals veralteten oder falschen, Daten zu analysieren. Somit gehen wir einen Schritt weiter als andere Unternehmen aus dem Bereich Big Data/Data Mining: Wir erfassen genau die Informationen, die ein Auftraggeber gerade braucht – überall, jederzeit und in jedem Ausmaß.

Location Insider: Welche Bedeutung hat der Standortbezug für die Streetspotr-App?

Dorothea Utzt: Eine sehr große! Da alle Aufträge bei uns ortsbezogen sind, kann sich der Auftraggeber darauf verlassen, dass die Informationen, die er erhält, immer tagesaktuell und richtig sind.

Location Insider: Ihr gebt unter anderem Verlage, Zeitungen und Einzelhändler als Kunden an. Welche Unternehmen (-sarten) sind besonders aktiv bei Streetspotr?

Dorothea Utzt: Das stimmt, unsere Auftraggeber kommen aus den unterschiedlichsten Branchen. Angefangen bei großen Handelsmarken, wie Microsoft, Sony oder Red Bull, über Lieferheld und BMW bis hin zu Gelbe-Seiten-Verlagen. So unterschiedlich die Branchen, so unterschiedlich auch die Anwendungsfälle: Für die Marken überprüfen wir, ob die Produkte richtig im Handel platziert sind, ob die bestellte Werbung vorhanden ist oder wie der Verkäufer die Produkte empfiehlt. Für Lieferheld fotografieren unsere Nutzer Speisekarten, für die Gelbe-Seiten-Verlage verifizieren sie Öffnungszeiten und Adressen lokaler Geschäfte.

Location Insider: Wie sehen die meisten Aufgaben für die mobile Workforce aus?

Dorothea Utzt: Wie gerade schon erwähnt, sind die Aufträge vielfältig. Das macht auch den Reiz aus, ein Streetspotr zu sein. Trotzdem gibt es Schwerpunkte: Neben den oft angebotenen „Store Checks“, also allem, was im Ladengeschäft vor Ort überprüft werden kann, haben wir oft lokale Umfragen im Angebot.

Location Insider: Was bekommen die Nutzer im Durchschnitt für ihre erledigten Aufgaben? Handelt es sich dabei um „Bares“ oder eher um Punkte?

Dorothea Utzt: Bei uns werden die Nutzer mit Barem entlohnt, angefangen bei einem Euro bis hin zu derzeit 30 Euro. Das ist auch nur recht so, denn der Auftraggeber spart sich ja sehr viel Zeit und Kosten, wenn er unseren Service nutzt. So entsteht eine Win-Win-Situation. Punkte gibt es bei uns auch, sie ranken die Nutzer je nach Anzahl der bereits gut erledigten Aufträge. Der Gamification- bzw. Schnitzeljagd-Faktor ist nicht zu unterschätzen: Für viele unserer Nutzer ist die „Jagd nach Spots“ schon zum Hobby geworden und das verdiente Geld in den Hintergrund gerutscht.

Location Insider: „Wir suchen die besten Streetspotr in der Nähe und benachrichtigen diese“, so Euer Versprechen an die Auftraggeber. Aber warum „nur“ die besten?

Dorothea Utzt: Für manche Aufträge, zum Beispiel längere Service-Tests, für die der einzelne Streetspotr auch schon einmal eine Stunde benötigt und 15-30 Euro erhalten kann, bevorzugen wir Nutzer, die bereits Erfahrung mit vielen Aufträgen haben und somit sowohl ein schnelleres als auch tendenziell besseres Ergebnis liefern können.

Location Insider: Wie viel aktive User nutzen die App? Sind die angegebenen 230.556 Streetspotr „nur“ angemeldet oder auch aktiv?

Dorothea Utzt: Gute Frage. Die Krux mit der „Aktivität“ bei uns ist: Die Nutzer sind dann aktiv, wenn es in ihrer Umgebung Aufträge gibt. Sie können sich per Mail oder Push-Nachricht benachrichtigen lassen, wenn es in ihrer bevorzugten Region Neues zu tun gibt. Da kommt es oft vor, dass jemand, der ein halbes Jahr nicht aktiv war, das wieder wird. Mit der Anzahl der Jobs in einer Region steigt auch die Aktivität der Nutzer. Durch soziale (unbezahlte) Aufträge, zum Beispiel das Mappen von rollstuhlgerechten Orten für wheelmap.org von den Sozialhelden, engagieren sich die Nutzer für eine gute Sache und sind auch dann aktiv, wenn es gerade keine bezahlten Jobs in ihrer Nähe gibt.

Location Insider: Wie genau werden die gesendeten Ergebnisse verifiziert?

Dorothea Utzt: Jedes abgeschickte Resultat landet in Echtzeit in unserem Kundenportal, wo es sowohl mit Plausibilitätstests als auch noch einmal manuell überprüft wird. Diese Verifizierung kann der Kunde selbst vornehmen oder an uns abgeben. Nur den vordefinierten Anforderungen genügende Ergebnisse müssen bezahlt werden.

Location Insider: „Unternehmen können die Crowd nutzen, um nahezu in Echtzeit von beliebigen Standorten Daten und Erkenntnisse zu erhalten“, heißt es auf Eurer Webseite. Wie könnt Ihr garantieren, dass die Crowd auf eine Anfrage auch in Echtzeit reagiert?

Dorothea Utzt: Das können wir nicht. Wir haben aber eine so gut verteilte und natürlich große Crowd, dass wir nahezu jede Anfrage 100%ig erfüllen. Ist Zeitdruck vorhanden, kann der Auftraggeber auch an der Stellschraube Incentivierung drehen und den Nutzern mehr Geld anbieten, was die schnellere Abarbeitung eines Auftrags garantiert.

Location Insider: Ihr seid bereits nach Großbritannien expandiert. Welche Unterschiede stellt Ihr bei der Nutzung von Location-based Services im Vergleich zu Deutschland fest?

Dorothea Utzt: Grundsätzlich ist in UK die Smartphone-Penetration natürlich höher als in Deutschland, was für uns eine im Verhältnis zur Bevölkerung höhere Zielgruppe auf Nutzerseite bedeutet. Allerdings sind wir dort noch in einem „Soft Launch“ mit Pilotkunden. Gerne können uns Auftraggeber nach Start-Rabatten für UK anfragen.

Location Insider: Welche ersten Erkenntnisse könnt Ihr aus den Pilotprojekten in Großbritannien schließen?

Dorothea Utzt: Ohne dass wir nutzerseitig einen Cent Marketingbudget in die Hand genommen haben, kamen die ersten paar hundert Streetspotr zu uns. Die Mundpropaganda scheint dort also sehr gut zu funktionieren. Außerdem scheinen wir einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht zu haben, so dass die Nutzer auf unsere Ankündigung, in ihr Land zu expandieren, warten.

Location Insider: Streetspotr soll weiter expandieren. Welche weiteren Länder stehen auf der Agenda?

Dorothea Utzt: Nach UK steht jetzt das weitere europäische Umland auf dem Plan: Durch unsere kürzlich geschlossene Finanzierungsrunde mit der KfW sowie der Steff Concepts GmH (Tobias Hiltl & Stefanie Rölz) als Investoren haben wir die nötige Unterstützung, um uns sowohl im heimischen als auch in Expansionsmärkten weiter zu verbreiten. Im vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten German-Silicon-Valley-Programm erkunden wir ab April erste Möglichkeiten in den USA. Wir halten euch auf dem Laufenden.

Location Insider: Vielen Dank für das Interview.

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