Interview mit Wikitude-CMO Andy Gstoll: „2014 wird das Jahr der Augmented-Reality-Wearables“.

von Christian Bach am 14.April 2014 in Interviews

AndyGstollGlassWikitude bereitet „derzeit eine weitere Finanzierungsrunde vor, die zur Umsetzung der Expansionspläne beitragen wird“, verrät CMO Andy Gstoll im exklusiven Interview mit Location Insider. Das Salzburger Unternehmen ist auf Augmented Reality (AR) spezialisiert und will neues Geld in die Forschung der erweiterten Realität stecken. „Neben ‚Location-‚ oder auch ‚Geo‘-Augmented-Reality ist die Bild- und Objekterkennung immer wichtiger für uns und unsere SDK-Kunden“, sagt Gstoll. Das Software Development Kit (SDK) von Wikitude ermöglicht die Erstellung von AR-Projekten – auch ohne Programmierkenntnisse. Für 2014 verspricht Gstoll, dass es „das Jahr der ersten im Markt verfügbaren AR-Wearables“ wird.

Location Insider: Wikitude nutzt in dem eigenen mobilen Augmented-Reality-Browser auch die Location der 26 Mio Nutzer. Mithilfe welcher Sensoren wird der Standort festgestellt?

Andy Gstoll: Wir nutzen GPS-Updates, Wlan und die Ortung des Handys via Empfangsmasten.

Location Insider: Mit welcher Genauigkeit werden die Ergebnisse angezeigt und wie kann diese erhöht werden?

Andy Gstoll: Die Genauigkeit ist sehr unterschiedlich, im besten Fall ist sie auf den Meter genau. Wir sind aber auf die Signale der vorhandenen Sensoren in den jeweiligen Geräten angewiesen, die immer wieder Störungen ausgesetzt sind, wie magnetische Einflüsse durch Bahngleise oder andere metallische Objekte. Aber selbst die Stärke der Bewölkung oder hohe Gebäude in der direkten Umgebung können sich negativ auf den GPS Empfang auswirken und somit die Ergebnisse beeinträchtigen.

Location Insider: Der Browser bietet viele Ergebnisse in Städten – auch aufgrund vieler Sehenswürdigkeiten. Inwiefern funktioniert Wikitude im ländlichen Gebiet?

Andy Gstoll: In ländlichen Gebieten sind weniger Ergebnisse zu erwarten. Trotzdem ist dies sehr abhängig davon wo man sich gerade befindet. Es gibt auch Content Provider, die in ausgewählten Ländern auch in stadtfernen Gebieten sehr gute und relevante Ergebnisse liefern.

Location Insider: Google Glass ist noch nicht für die Öffentlichkeit „freigegeben“. Inwiefern taugen die Augmented-Reality-Brillen für den Alltag?

Andy Gstoll: Wir sind hier ganz am Anfang, aber die Weichen wurden definitiv in den letzten Monaten gestellt. Fakt ist, dass es neben Google ca. ein Dutzend weiterer AR-Glasses-Anbieter gibt, die sich für die alltägliche Nutzung von AR positionieren. Dazu gehören z.B. Epson mit ihrer Moverio BT-200 und Vuzix mit der M100.

Location Insider: Ist Augmented Reality auch für stationäre Händler nutzbar?

Andy Gstoll: Ja, absolut. Viele Produktverpackungen lassen sich schon heute mit zusätzlichen digitalen Inhalten erweitern. Somit kann man z.B. ein Spielzeug, das sich in einer Box verbirgt, mit Hilfe eines animierten 3D-Models zum Leben erwecken. Somit bekommt man ein reales Gefühl für das Produkt mit dem man ggf. auch gleich interagieren kann. Es ist möglich ein Produkt in verschiedenen Farben anzuzeigen, es zu konfigurieren oder aber auch nur ein Produktvideo abzuspielen, um mehr darüber zu erfahren.

Location Insider: Es gibt erste Ansätze mit virtuellen und interaktiven Promotern im Schaufenster – zum Beispiel von Ameria. Wann werden diese Piloten flächendeckend einsetzbar sein?

Andy Gstoll: Theoretisch ist dies schon heute möglich, die erforderlichen Technologien und Endgeräte sind bereits vorhanden. Wichtig ist, dass diese Konzepte Resultate liefern, wie zum Beispiel Lead Generierung oder direkte Verkäufe. Wenn es ein „Gimmick“ bleibt, bei dem ich vielleicht 5 Minuten vor einem Schaufenster verbringe, aber keine Möglichkeit habe das Produkt zu kaufen, weil das Geschäft geschlossen hat, bringt es niemanden etwas. Wenn ich aber die Interaktion über mein persönliches Smartphone starte, z.B. durch das Scannen des Schaufensters, kann ich mit Hilfe von Augmented Reality Mehrwert liefern und Kundenprofile sammeln oder sogar im mobilen Online-Shop Verkäufe generieren.

Location Insider: Arbeiten Sie mit Partnern für die Integration von Events, Restaurants und Bewertungen zusammen? Wenn ja, mit welchen?

Andy Gstoll: Ja, wir haben bilaterale Vereinbarungen mit z.B. Yelp und Tripadvisor. Last.fm und Zooners sind Beispiele für aktive Anbieter aus dem Event-Bereich.

Location Insider: Wie genau funktioniert die Suche nach Coupons und Rabatten bei Wikitude?

Andy Gstoll: Das ist sehr unterschiedlich und liegt in der Verantwortung unserer Partner, wir stellen lediglich die Technologie-Plattform zur Verfügung. Yelp z.B. zeigt seine „Deals“ in Form von besonderen Icons in einer Augmented-Reality-Ansicht an, die der Wikitude-Nutzer auswählen kann.

Location Insider: Wenn ich auch nach Restaurants und Geschäften suchen kann, worin unterscheidet sich ein AR-Browser von Google Maps, Yelp oder Foursquare?

Andy Gstoll: Wikitude aggregiert den Content dieser genannten Anbieter. Wir verstehen uns als eine Technologie-Plattform, nicht als eine „Content“ generierende App bzw. Firma. Neben der Wikitude-App hat übrigens unser Wikitude-SDK einen viel höheren Stellenwert in unserem Produktportfolio. Auf Basis dieses Wikitude-SDKs sind derzeit ca. 1.000 Apps im Google Play and App Store veröffentlicht. Wir machen es somit App-Entwicklern- die eine AR-App oder eine App mit einer AR-Komponente entwickeln wollen, sehr leicht ihr Ziel schnell und effizient zu erreichen.

Location Insider: Wikitude sucht derzeit nach Investoren. Hat sich beim Mobile World Congress in Barcelona bereits eine Finanzierung ergeben, welche Sie bekannt geben können?

Andy Gstoll: Ja, wir bereiten derzeit eine weitere Finanzierungsrunde vor, die zur Umsetzung unserer Expansionspläne beitragen wird. Details dazu werden wir bald verkünden.

Location Insider: Wofür genau soll das Geld verwendet werden?

Andy Gstoll: Neben den genannten Expansionsplänen wird ein großer Teil in den Bereich Forschung gehen, insbesondere mit dem Ziel unsere Computer-Vision-Algorithmen weiter zu entwickeln. Neben „Location-“ oder auch „Geo-„Augmented-Reality ist die Bild- und Objekterkennung immer wichtiger für uns und unsere SDK-Kunden. Die Weiterentwicklung unseres AR-Creation und Content-Management-Tools ist ein weiterer Fokus. Wikitude Studio erlaubt es schon jetzt AR-Projekte ohne jegliche Programmierkenntnisse in kürzester Zeit zu erstellen.

Location Insider: Welche Innovationen – zum Beispiel im Bereich Wearables – können wir von Wikitude dieses Jahr noch erwarten?

Andy Gstoll: Was ich sagen kann ist, dass es sehr spannend bleibt und das Thema AR-Glasses bzw. -Wearables einen enorm hohen Stellenwert bei uns hat. 2014 wird das Jahr der ersten im Markt verfügbaren Wearables und wir sind schon jetzt soweit aufgestellt, dass wir optimierte Augmented-Reality-SDKs für Google Glass, Epson Moverio und Vuzix M-100 anbieten können.

Location Insider: Vielen Dank für das Interview.

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