Karstadt und sein digitales Kaufhaus.

von Andre Schreiber am 12.Juni 2018 in News

Erstmals seit Jahren eröffnet Karstadt wieder neue Filialen. Beide entstehen in Berlin und beide sollen nach eigener Aussage das umsetzen, was das Unternehmen in den vergangenen Jahren in der digitalen Welt gelernt hat. Beim genaueren Hinsehen sind das für andere Multichannel-Händler schon fast wieder alte Hüte.

Im Berliner Stadtteil Tegel wird Karstadt Ankermieter des neuen „Tegel-Centers“. Mit 9.000 Quadratmetern auf vier Etagen will Karstadt ein einzigartiges Einkaufserlebnis eines vernetzten Marktplatzes schaffen. Ein individuell auf den Standort zugeschnittenes Angebot präsentieren, bei dem Filiale und Online-Angebot eng zusammenwachsen.

Das klingt zunächst einmal überaus positiv und innovativ. Aber was bedeutet das konkret?

Die Kunden können in der neuen Filiale die Produkte nicht nur anschauen, ausprobieren und kaufen. Sondern es steht die gesamte Warenwelt von Karstadt und Partnern seines Marktplatzes zur Verfügung. Dahinter verbergen sich dann allerdings die bereits erwähnten „alten Hüte“.

Zum einen wird für den Online-Shop „Click&Collect“ angeboten. Versandkostenfrei landen also die online bestellten Artikel zur Abholung in der Filiale. Das ist nun wahrlich nicht wirklich innovativ. Zum anderen wird es auch „Click&Reserve“ geben. Findet der Kunde also online ein Produkt, das ihm gefällt, informiert er sich über die Warenverfügbarkeit in der Filiale und holt diese dann vor Ort ab. Auch das wird inzwischen von immer mehr Händlern angeboten. Die große Frage ist dabei nur, ob man die klassischen Kunden von Karstadt auch zu Onlinern erziehen kann.

Schließlich sollen die Verkäufer in der Lage sein, im Haus nicht verfügbare Produkte für den Kunden zu bestellen, damit diese an den Wunschort geliefert werden. Das klingt sehr positiv, der Erfolg hängt letztlich aber davon ab, wie das umgesetzt wird.

Deswegen kommt wohl auch der Schulung der Mitarbeiter eine besondere Bedeutung zu. Denn noch weht in vielen Karstadt-Häusern dem Kunden noch der kalte Wind ins Gesicht, als der Kunde eher als notwendiges Übel gesehen wurde. So beispielsweise in der vergangenen Woche beim Versuch, eine Armbanduhr in der Filiale im Hamburger Stadtteil Wandsbek kaufen zu wollen. Die Mitarbeiter eines Servicepunkts für Reparaturen und Batteriewechsel erklärten sich für nicht zuständig. Die einzige Verkäuferin sah sich leider nicht in der Lage, die Vitrine zu öffnen, weil sie gerade mit ihrer Kasse beschäftigt war. In Zukunft hätte sie dann vielleicht auf den Online-Shop verwiesen. Nur warum sollte der Kunden dann noch Produkte vor Ort „ausprobieren“?

Etwas früher als in Berlin Tegel soll ein ähnliches Warenhaus bereits im Oktober 2018 am ehemaligen Kaufhof-Standort in den Gropius Passagen entstehen, auf etwa 7900 Quadratmetern Verkaufsfläche über drei Etagen.

Auf der „Agenda 2021“, die sich der Konzern selbst gesetzt hat, steht auch, dass alle übrigen 79 Standorte nach den Berliner Vorbildern schrittweise zu digitalen Marktplätzen umzubauen. Damit hätte Karstadt auch bundesweit 81 zusätzliche Lagerflächen, um darüber online bestellte Waren auszuliefern. Ob die Kunden diese Strategie annehmen, wird sich erst zeigen müssen.

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