Lidl sucht Mitbringer, Shitstorm für Adidas, Sensation bei Luxusuhren.

von Stephan Lamprecht am 30.März 2020 in News

Liebe Leserinnen und Leser,

der Handel versucht nach wie vor, die Auswirkungen der Coronakrise zu meistern. Was übers Wochenende passiert ist und was noch wichtig ist, fassen wir für Sie zusammen.

Mitglieder von Risikogruppen sollten sich möglichst keinem Infektionsrisiko aussetzen. Älteren Menschen, besonders wenn sie kein Auto besitzen, bleibt aber oft nichts anderes übrig, als mehrmals in der Woche in den Supermarkt zu gehen. Lidl appelliert an seine Kunden, zum „#LidlMitbringer“ zu werden. Dazu steht auf der Website ein Vordruck für eine Einkaufsliste parat. Die können die Kunden dann in den Briefkasten von bedürftigen Personen stecken, um für sie einzukaufen.

Adidas geriet am Wochenende in einen ordentlichen Shitstorm nach der Ankündigung, die Mieten für seine Läden nicht mehr zahlen zu wollen. Das populistische Feindbild war schnell konstruiert. Hier der kleine Bäcker an der Ecke, der trotz Ladenschließung weiter Miete zahlen muss, dort der Konzern mit Milliardengewinn, der sich drückt. Vorstandschef Kasper Rorsted hat inzwischen klargestellt, dass das Unternehmen mit seinen institutionellen Vermietern einen Dialog führt, um eine Stundung zu erreichen. Lediglich vier Vermieter sind demnach Privatpersonen. An diese will Adidas die Miete für den April pünktlich zahlen. Den gleichen Schritt gehen auch weitere Unternehmen, dazu gehören Puma, Deichmann und H&M.

Der Lockdown trifft auch Juweliere und Anbieter von Luxuswaren. Bisher weigerte sich der Traditionshersteller Patek Philippe, seine Uhren über das Internet zu verkaufen. Die Corona-Krise sorgt jetzt für eine regelrechte Sensation. Denn wie das Unternehmen bereits bestätigt hat, gilt die Beschränkung auf den stationären Vertrieb nicht länger. Zumindest „vorübergehend“ bieten Händler die Luxuszeitmesser auch online an.

In der vom Coronavirus besonders betroffenen Region Heinsberg testen DHL und Rewe eine Kooperation. Über vorher von der Post verteilte und wieder abgeholte Bestellscheine können die Kunden dort aus einem begrenzten Sortiment von Lebensmitteln und Haushaltswaren ihre Einkäufe zusammenstellen. Regionale Filialen bearbeiten die Bestellung und DHL liefert am Folgetag. Im Angebot befinden sich nur Produkte, die keine Kühlung erfordern.

Eine neue Online-Plattform trägt den Namen lokalos.de. Kostenlos können Händler dort Informationen über Lieferdienste und andere Services hinterlegen, damit die Kunden wissen, wer in ihrer Region überhaupt noch verkauft. Entwickelt wurde die Plattform von der Internetagentur Webandmore.

Die beiden Ketten MediaMarkt und Saturn befinden sich ja seit einiger Zeit im Dauerkrisenmodus. Da kommt der Lockdown zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Insofern ist es konsequent, dass die Mutter Ceconomy sich um eine KfW-Förderung bemühen will, um zu retten, was zu retten ist. Im Raum stehen 2 Mrd. Euro.

Für Insider ebenfalls wenig überraschend: Die Modemarke Esprit sieht sich aufgrund der aktuellen Ereignisse jetzt gezwungen, ein Schutzschirmverfahren nach deutschem Insolvenzrecht für mehrere ihrer deutschen Gesellschaften zu eröffnen. In Eigenverwaltung will das Unternehmen einen Restrukturierungsplan erarbeiten.

Schneller zum Online-Shop

Stationäre Händler, die in der Vergangenheit einen großen Bogen um das Thema Onlinevertrieb machten, betrifft der Lockdown besonders. Ein Projekt der Landeshauptstadt München, der Redi School of Digital Integration und dem Innovationszentrum Unternehmertum der TU München soll ab 1. April 2020 starten. Es verspricht, Firmen mit weniger als 15 Beschäftigten kostenlos binnen 24 Stunden online zu bringen. Die Unternehmen dürfen aus den Branchen Einzelhandel, Dienstleistungen und Gastronomie stammen.

Das Berliner Unternehmen AppYourself unterstützt ebenfalls den stationären Handel. Es bietet die Entwicklung einer Shopping App als Progressive Web App. Anders als für die jeweilige Plattform entwickelte native Apps sind diese Anwendungen sofort online. Per einfacher CSV-Datei landen die Produkte in der App. Das Angebot richtet sich ausschließlich an Einzelhändler. Für die ersten sechs Monate zahlen die Händler dafür nichts. Unter https://appyourself.net/de/shop-app/ gibt es weitere Informationen.

Kunden wenden sich Marktplätzen zu

Wenn der Händler um die Ecke seinen Laden schließen muss, wenden sich die Kunden den Online-Alternativen zu. Das gilt auch für Österreich. Hier betreibt die Post AG den Marktplatz „shöpping.at“. Bisher hatte das Projekt einen eher überschaubaren Erfolg. Doch seit Ausbruch der Corona-Krise haben sich Zugriffszahlen und Umsätze auf der Plattform vervierfacht.

Ähnliches vermeldet der Marktplatz Lozuka für die Stadt Siegen. Die angeschlossenen Händler erwirtschafteten über die Plattform in diesem Jahr bereits 300.000 Euro Umsatz. Bis zum Jahresende erwarten die Betreiber eine Verdreifachung der Summe. Mit knapp 43 Prozent ist der Anteil von Lebensmitteln am durchschnittlichen Warenkorb recht hoch.

Was sonst noch wichtig ist

Die Schweiz ist für Zalando nach Deutschland der zweitwichtigste Markt. Der Anteil am Gesamtumsatz liegt im niedrigen zweistelligen Prozentbereich. Das dürften 10,3 Prozent sein, wie Thomas Lang vorrechnet. Er kommt für das Jahr 2019 auf einen Umsatz von 920 Mio. Franken. Seiner Ansicht nach haben die großen Modehändler des Landes dem Angebot von Zalando zu wenig entgegenzusetzen.

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