Lidl veranstaltet keine Reisen mehr, Fedex interessiert sich für Hermes, Douglas spürt Coronakrise deutlich.

von Stephan Lamprecht am 28.Mai 2020 in News

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

es wäre endlich an der Zeit, dass auch der lokale Handel kooperativ die letzte Meile besetzt, um die Kundschaft vor Ort zu beliefern und Amazon einmal etwas entgegenzusetzen. Dieser schöne Satz stammt leider nicht von mir. Gesagt hat ihn der Tausendsassa für Handelsprognosen Gerrit Heinemann. Der hat dem Börsenblatt ein lesenswertes Interview gegeben. Darin bescheinigt er dem Buchhandel in vielen Dingen viel weiter als andere Branchen zu sein, zeichnet aber ein eher trübes, aus meiner Sicht aber sehr realistisches Bild zur Lage des stationären Handels. Und erklärt die u.a. vom HDE geforderten Corona-Schecks als das, was sie auch meiner Ansicht nach sind: Mumpitz. Damit zu unseren News des Tages.

Tschüss und bis zur nächsten Ausgabe
Ihr Stephan Lamprecht

Lidl veranstaltet keine Reisen mehr, Fedex interessiert sich für Hermes, Amazon stellt Pantry ein

Discounter Lidl will keine Reisen mehr veranstalten. Zu Ende Oktober wird der Geschäftsbetrieb von Lidl Holidays und JT Touristik eingestellt. Für 120 Mitarbeiter muss somit eine Lösung gefunden werden. Das von Lidl betriebene Reiseportal soll allerdings weiter bestehen bleiben. Dort werden die Kunden dann aber nur noch Veranstaltungen von Partnerunternehmen buchen können. Als Begründung muss allerdings nicht die Coronavirus-Krise herhalten. Vielmehr sollen die Ressourcen im Online-Geschäft gebündelt werden.

Die Otto-Gruppe möchte noch in diesem Jahr einen Teil ihrer Logistik-Tochter Hermes verkaufen. Dabei wäre sogar vorstellbar, die Mehrheit am Unternehmen aufzugeben. Nach Informationen des Handelsblatts soll sich der US-Konzern Fedex für das Deutschlandgeschäft interessieren. Fedex ist in Europa nur sehr mäßig aufgestellt, daran änderte auch die vor vier Jahren erfolgt Übernahme des niederländischen Unternehmens TNT nichts. Somit wäre der Kauf von Hermes für das US-Unternehmen von strategischer Bedeutung.

Wenn Sie selbst dort schon einmal bestellt haben, wissen Sie es durch einen Newsletter bereits. Amazon stellt zu Ende Juni sein Programm Amazon Pantry ein. Pantry war vor Einführung von Amazon Fresh der erstaunlich wenige beworbene Einstieg von Amazon in den Online-Vertrieb von ungekühlten Lebensmitteln. Das Produktangebot von Pantry soll im Gesamtsortiment von Amazon aufgehen. Während des Lockdowns kam es zu dem durchaus bemerkenswerten Umstand, dass bei Fresh die stark nachgefragten Nudeln und Reis nicht erhältlich waren, sich bei Pantry aber in Hülle und Fülle bestellen ließen. Anders als bei Fresh musste sich der Kunde bei Pantry nicht für einen Liefertermin entscheiden.

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Otto mit aktuellen Zahlen, Douglas spürt Corona-Krise deutlich, Mister Spex beschleunigt Expansion

Das Ende Februar abgelaufene Geschäftsjahr verlief für die Otto Group ganz erfreulich. Der Umsatz der Gruppe kletterte um 4,8 Prozent auf 14,3 Mrd. Euro. Die reinen Online-Umsätze konnten sogar um 6,2 Prozent zulegen und lagen bei 8,1 Mrd. Euro. Der Jahresüberschuss stieg von 177 auf 214 Mio. Euro. Allerdings rechnet auch Otto aufgrund der Coronavirus-Krise für das seit März laufende neue Geschäftsjahr mit Einbußen. Konkrete Zahlen oder Prognosen wollte Chef Alexander Birken zwar nicht abgeben. Er sieht die Gruppe aber insgesamt gut aufgestellt, so dass diese möglicherweise sogar gestärkt aus der Krise gehen könnte. Einen klaren Fokus legt Otto auf die Entwicklung von Plattformen und Ökosystemen. Bei Otto ist geplant, noch in diesem Jahr rund 1.000 Partner auf die Plattform zu holen. Dabei stünde das Thema Wohnen im Fokus.

Wie kaum anders zu erwarten, hat der Lockdown auch Douglas hart getroffen. Der Umsatz der Parfümeriekette brach im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2019/20 um 9,9 Prozent auf 656 Mio. Euro ein. Das bedeutet einen Verlust von 51 Mio. Euro. Das Unternehmen geht aktuell davon aus, dass auch das dritte Quartal weiter von der Coronavirus-Krise betroffen sein wird. Wie das Unternehmen ebenfalls mitteilte, befand sich die Kette in Gesprächen mit der KfW über finanzielle Hilfen. Allerdings seien die aufgestellten Forderungen der Bank schwer zu erfüllen gewesen. Deswegen pausieren die Verhandlungen aktuell. Finanzchef Matthias Born geht davon aus, dass es das Unternehmen auch ohne Hilfen bis zum Weihnachtsgeschäft schaffe.

Die Optikerkette Mister Spex setzt nach Ende einer von der Pandemie verursachten Pause wieder stark auf stationäre Expansion. Gleich drei neue Stores werden aktuell eröffnet. Die befinden sich in Gießen, Mönchengladbach und Düsseldorf. Damit kommt der ehemalige reine Onlineanbieter auf 27 Ladengeschäfte in Deutschland. Die erste stationäre Filiale war gerade einmal vor vier Jahren eröffnet worden. Ziel des Unternehmens ist es, bis Ende des Jahres 40 Standorte zu betreiben.

Online-Handel in der Schweiz wächst kräftig, Käufe per Stimme bestätigen, Whitepaper zur ersten und letzten Meile

Der April war der erste Monat, der für den stationären Handel in der Schweiz vollständig von den Auswirkungen der Pandemie geprägt war. Und die aktuellen Zahlen der GfK in Zusammenarbeit mit der Schweizer Post und dem VSV zeigen, dass auch die Schweizer Konsumenten auf den Online-Handel ausgewichen sind. Im Vergleich zum Vorjahr legte das Online-Segment um fast 70 Prozent (68,6%) zu. In den ersten vier Monaten konnte der Online- bzw. Versandhandel kumuliert um 32,1 Prozent wachsen.

Mit dem Google Assistant einkaufen: Das war bereits kein Problem. Bevor die Bestellung ausgeführt werden konnte, war allerdings ein Zwischenschritt notwendig. Bei diesem klassischen Medienbruch musste der Nutzer die Transaktion händisch verifizieren. Jetzt bietet Google offenbar auch die Bestätigung per Stimme an. Dazu wird die Funktion „Voice Match” genutzt, die sukzessive ausgerollt wird. Die Aktivierung des Features erfolgt in einem eigenen Bereich der Einstellungen des Assistant. Dabei ist die Eingabe des Google-Passworts notwendig. Einmal aktiviert, ist die Bestätigung anschließend rein sprachbasiert möglich.

Aktuell deutet ja nichts darauf hin, dass die Konsumenten das während des Lockdown gezeigte Verhalten ändern werden. Viele Einkäufe werden also weiterhin ausschließlich online erfolgen und dann bis an die Haustür geliefert. Effizienz bei der Zustellung bleibt für Händler also ein wichtiges Thema. Der Spezialist Zetes hat ein neues Whitepaper aufgelegt, das sich den Herausforderungen sowohl auf der ersten und letzten Meile des Prozesses widmet. Der Report kann kostenlos gegen Registrierung geladen werden.

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