Lokales Einkaufsportal Simply-Local nimmt neuen Anlauf.

von Matthias Hell am 20.Mai 2015 in Trends & Analysen

Simply-Local unterstreicht, dass auch große Namen kein Garant für einen Selbstläufer sind: Hinter der Einkaufsplattform stehen über Media-Saturn der Handelskonzern Metro sowie Medienhäuser wie der Weser-Kurier und die Rhein-Main-Verlagsgruppe. Dennoch hat es mit der für 2014 geplanten nationalen Abdeckung nicht geklappt. Nun nimmt Simply-Local mit einer veränderten Expansionsstrategie und einem angepassten Konzept einen neuen Anlauf.

Xplace-Chef Michael Volland ist auch Geschäftsführer von Simply-Local

Xplace-Chef Michael Volland ist auch Geschäftsführer von Simply-Local

Mit dem ursprünglichen Konzept wirkte Simply-Local wie der gesetzte Game-Changer unter den lokalen Einkaufsportalen: nationale Ketten, lokale Geschäfte, Click & Collect, Same-Day-Delivery – unter dem Claim „Alle Geschäfte einer Stadt“ sollte die Plattform alles kundenfreundlich unter einen Hut bringen. Während der über Media-Saturn zur Metro Group gehörende Dienstleister Xplace für die technische Kompetenz sorgen sollte, waren große Verlagshäuser als regionale Vertriebspartner vorgesehen und sollten die Partnerschaft mit einem Digitalkonzern die nötige Medienreichweite garantieren. Dabei war der bundesweite Start bereits für Juli 2014 vorgesehen.

Soweit der Plan. In der Realität blieb die große Reichweitenkooperation aus. Dafür schloss Simply-Local erst einmal Partnerschaften mit insgesamt fünf Medienhäusern – u.a. dem Weser-Kurier, der Rhein-Main-Verlagsgruppe und der Oldenburger Nordwestzeitung – und ging in den betreffenden Regionen in einer Betaversion an den Start. „Wir sind bisher bewusst unter dem Radar geflogen“, erklärt dazu Geschäftsführer Michael Volland im Gespräch mit Location Insider. Das Feedback der Einzelhändler und der eigenen Vertriebsmitarbeiter habe viele Hausaufgaben gegeben, die Simply-Local in den letzten Monaten abgearbeitet habe. Nun habe man viele Funktionen aus- und umgebaut sowie die hinter der Plattform stehende Software-Lösung ausgetauscht und sei damit bereit für den zweiten Start.

Angebot in den Modellregionen soll Überzeugungsarbeit leisten

In Bremen und vier weiteren Regionen geht Simply-Local zuerst an den Start

In Bremen und vier weiteren Regionen geht Simply-Local zuerst an den Start

Dabei hat Simply-Local nicht nur sein Konzept angepasst, sondern auch seine Expansionsstrategie verändert. Anstelle eines bundesweiten Starts will die Plattform ab Anfang Juni zunächst mit dem Angebot in den fünf Modellregionen rund um Bremen, Münster, Oldenburg, Mainz und Wilhelmshaven punkten. „Wir wissen, dass wir nicht mit einem Konzept auf Papier gewinnen können, sondern erst den Proof of Concept im Live-Betrieb erbringen müssen“, erklärt dazu Michael Volland. Weiterhin betrachtet die Einkaufsplattform die Kooperation mit regionalen Medienhäusern als geeignete Strategie, um die Verankerung beim lokalen Handel zu erzielen. „Die Verlagshäuser haben über Jahrzehnte einen Kontakt zum Handel aufgebaut. Dass die bisher erzielten Quoten bei der Einbindung von lokalen Händlern noch besser waren als erwartet, bestärkt uns in dieser Strategie“, so Volland.

Mehr als 8.000 Geschäfte hat Simply-Local inzwischen an seine Plattform angeschlossen. Bei einem Großteil davon handelt es sich allerdings um nationale Ketten. Dagegen sind es rund 450 lokale Geschäfte, die das Unternehmen bisher in den fünf Startregionen überzeugen konnte. „Zum Beispiel in Mainz haben wir bereits eine recht relevante Anzahl von Longtail-Händlern“, berichtet Michael Volland. Der Geschäftsführer von Simply-Local räumt aber auch ein: „Klar muss das weiter ausgebaut werden. Der richtige Mix aus großen Ketten und den Händlern der jeweiligen Stadt wird für unseren Erfolg entscheidend sein.“

Daneben steht bei Simply-Local auch die Zusammenarbeit mit einem großen nationalen Reichweitenpartner weiter auf dem Plan. Diese sei auf jeden Fall „mittelfristig wichtig“ und man befinde sich diesbezüglich bereits „in guten Gesprächen“. „Dass wir ein Unternehmen wie Media-Saturn und die Metro Group im Rücken haben, liefert uns hier gute Unterstützung“, so Michael Volland.

Start mit reduziertem Service-Angebot

Zu der Orientierung an den Händlerwünschen gehört auch das überarbeitete Backend von Simply-Local

Zu der Orientierung an den Händlerwünschen gehört auch das überarbeitete Backend von Simply-Local

Was das Konzept von Simply-Local betrifft, setzt man inzwischen auf eine etwas abgespeckte Lösung und will zumindest vorläufig auf Features wie Click & Collect und Same-Day-Delivery verzichten. „Wir gehen mit der Möglichkeit, Artikel zu reservieren und abzuholen an den Start. Die Mehrheit der Longtail-Händler ist mit dieser Funktion vollkommen zufrieden. Wir wollen die Händler nicht überfordern, sondern lieber zusammen mit ihnen Schritt für Schritt vorangehen“, erklärt Volland. Das gelte auch für Same-Day-Delivery, das viel stärker noch ein Medienthema sei, als dass es die Händler vor Ort bereits konkret interessiere. Die Vorarbeiten mit Logistik- und Payment-Dienstleistern habe Simply-Local aber bereits erledigt, so dass die entsprechenden Funktionen später eingeführt werden könnten. Ebenfalls nicht mehr für dieses Jahr geplant sind App-Versionen von Simply-Local. Zunächst soll die Plattform als mobile-optimierte Webseite an den Start gehen.

Die Verbindung zwischen Simply-Local und dem auf digitale Instore-Lösungen spezialisierten Mutterunternehmen Xplace will Michael Volland nutzen, um das Einkaufsportal auch in einem stationären Umfeld zu etablieren. Unter dem Namen Connected Store existiert bereits ein Konzept, das die Integration von Simply-Local in Ladengeschäfte z.B. durch Schaufenster-Displays oder POS-Terminals ermöglichen soll. Dem Gedanken der digitalen Regalverlängerung entsprechend, würde die lokale Produktkompetenz von Simply-Local so auch stationären Kunden einen Mehrwert bieten. Auch beim zweiten Versuch verfolgt die Einkaufsplattform also weiter ein ambitioniertes Konzept. Entscheidend wird sein, wie gut es Simply-Local gelingen wird, weitere Partnerschaften zu knüpfen und mit wie viel Commitment die bereits bestehenden Partner die Local-Shopping-Lösung vorantreiben.


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