Lovoo: Ein Hausbesuch bei der Dating-App.

von Christian Bach am 12.März 2014 in Trends & Analysen
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Das Lovoo-Team arbeitet in Dresden.

Die Flirt-Plattform Lovoo hat ihren Hauptsitz in Dresden, direkt im Zentrum zwischen Hauptbahnhof und Frauenkirche. Dort soll er vorerst auch bleiben, selbst wenn das Startup Ende Februar ein Büro in der Berliner Backfabrik eröffnet hat. Von dort aus sollen Kreative und Strategen die Internationalisierung des standortbasierten Flirt-Netzwerks vorantreiben. „Da unser Team aber weiter wächst, beginnen im März die Arbeiten für die Erschließung einer zweiten Etage des Gebäudes in Dresden“ verrät Lovoo-Mitgründer Benjamin Bak. Dafür soll Lovoo durch die Decke gehen – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Decke des Gebäudes soll durchbrochen werden, um einen kurzen Weg über eine Wendeltreppe zu schaffen. Oben arbeitet dann das Support-Team, das sich um Kundenanfragen kümmert. Mit 8,5 Mio registrierten Nutzern und täglich rund 35.000 Neuanmeldungen gibt es besonders in diesem Bereich viel zu tun. Bisher mussten sich die rund 50 Mitarbeiter zwar noch nicht mit Baulärm herumärgern, doch der Großteil von Ihnen sitzt schon länger mit Kopfhörern in einem Großraumbüro in vier Reihen parallel zueinander.

Übung macht den Meister

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Lovoo-Mitgründer Benjamin Bak

Das Lovoo-Team sitzt nicht ohne Grund gemeinsam unter einem Dach mit einer Firmengruppe, aus der das Online-Portal Dampfer.net, der SMS-Gateway-Anbieter Smstrade.eu und Die Kapitäne media GmbH hervorgegangen sind. Benjamin Bak hat Dampfer.net 2004 bereits im zarten Alter von 16 Jahren zusammen mit seinem Bruder Björn und dem damaligen Mitschüler David Wolter gegründet. Das soziale Netzwerk gibt es zwar noch, besonders aktiv sind die wenigen Nutzer aber nicht mehr. „Danach wollten wir eigentlich eine Art Geocaching-Game namens Neuland starten. Daraus ist aber nichts geworden, weil das Projekt ein bisschen zu ambitioniert war“, gibt Bak zu, der gern nach dem Prinzip „Trial and Error“ arbeitet.

Aus dem Spiel wurde vor zwei Jahren letztlich eine Dating App. Die wurde von einem achtköpfigen Team erschaffen und per Bootstrap-Finanzierung aufgebaut. Zu diesem Team gehören unter anderem auch Alexander Friede und Tobias Börner. Alle Beteiligten hatten bereits vorher Startup-Erfahrung. Trotz dieses Know Hows machte ein bekannter Berliner Radiosender ihnen bei der Namenswahl einen Strich durch die Rechnung. Nach dem Rechtsstreit hieß Kiss2go dann Lovoo. Die Marke musste binnen kürzester Zeit aufgebaut werden. Über diesen Umstand kann Benjamin Bak jetzt nur noch lachen: „Wir sind aus heutiger Perspektive unglaublich froh über unsere Namensänderung.“

Nutzer-Boom

LovooMit täglich 1,25 Mio aktiven Nutzern in der DACH-Region hat er auch gut lachen. Im Februar ist Lovoo nach Italien und Brasilien expandiert, zudem laufen bereits erste Tests in den USA. Lovoo hat in allen Märkten bereits Nachahmer gefunden – die Konkurrenz wächst. „Wenn wir in einen neuen Markt eintreten, müssen wir dies zu 100 Prozent tun und alle Kanäle bespielen, um eine kritische Masse zu erreichen. Denn wer möchte schon eine Plattform nutzen, wo sich sonst niemand aufhält“, erklärt Benjamin Bak. Eins haben alle Länder, in denen Lovoo aktiv ist, gemeinsam: Der Großteil der Nutzer konzentriert sich auf städtisches Gebiet. Angezeigt werden diese in einem patentierten Live-Radar mit einer ungefähren Entfernungsübersicht. Die App zeigt Nutzer in unmittelbarer Umgebung an. Das von Lovoo patentierte Live-Radar gibt die Entfernung der Nutzer zueinander an. Mit dieser Funktion soll die Privatsphäre der Singles gesichert werden. Das ist nur ein Aspekt, wie Lovoo Nutzer-Vertrauen schaffen will. Sharing-Funktionen sind zwar möglich, Nutzer werden aber zuvor explizit darauf hingewiesen, dass sie gerade im Begriff sind Inhalte zu teilen.

Das achtköpfige Gründungsteam musste Lektionen – wie man Vertrauen gewinnt oder in einen Markt eintritt – erst nach und nach lernen. Noch im Oktober 2012 lag die Nutzerzahl bei rund 350.000, bevor sie förmlich explodierte. Genau zum 31. Dezember 2012 waren plötzlich 1 Mio User bei Lovoo angemeldet. Zu diesem Zeitpunkt hatten Bak und Co. die Plattform bereits mehrfach nachgebessert. Die letzte große Änderung war das Redesign Mitte 2013. Derzeit arbeitet das Team an einem responsiven Webportal, damit auch Nutzer ohne Smartphone auf den Location-based Service zugreifen können.

Außenstehende fragen sich bestimmt, wer ein solches Portal überhaupt nutzt? „Das durchschnittliche Lovoo-Mitglied ist rund 24 Jahre alt. Unsere Kernzielgruppe liegt zwischen 18 und 35 Jahren, aber es melden sich auch Senioren an“, sagt Benjamin Bak. Nur beim Jugendschutz muss das Startup aufpassen. Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren dürfen sich zwar anmelden, aber nur über ein doppelt gesichertes Verfahren und sie dürfen ausschließlich mit Gleichaltrigen kommunizieren. Außerdem dürfen sie nicht auf sämtliche Funktionen zugreifen. Auch hier gilt für Lovoo: Die Nutzer müssen dem Portal vertrauen, damit es weiter wächst.


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