Mensch, Maschine und das Bargeld – so war das GLORY Innovation Forum.

von Stephan Lamprecht am 06.September 2019 in News, Payment, Trends & Analysen

Der knuffige Pepper führte teilweise durch die Veranstaltung des GLORY Innovation Forums. (Foto: Marc Holstein, GLORY)

Es ist keinesfalls eine Abwertung gegenüber den anderen Referenten, wenn man den Vortrag von Ranga Yogeshwar, nicht zuletzt bekannt als Wissenschaftsjournalist aus dem Fernsehen, als Höhepunkt des diesjährigen GLORY Innovation Forums bezeichnet. In seinem mitreißenden Vortrag plädierte der dafür, die Zukunft zu umarmen. Was die meisten Menschen daran hindere, sei schlicht die Angst vor dem Loslassen von althergebrachten Dingen.

Loslassen und neue Herausforderungen rund um das Thema Bargeld hatten vorher die Vorträge und Diskussionen der eineinhalb Tage des Forums bestimmt.

Die Deutschen lassen das Bargeld los, aber langsam.

Naturgemäß haben die Pressestellen und PR-Agenturen von Kreditkartenunternehmen und Paymentanbietern die aktuellsten Zahlen zum Zahlungsverhalten der Deutschen in ihrer Richtung interpretiert. Erstmals haben die Konsumenten am POS mehr per Karte als mit Bargeld bezahlt.

Wie Frau Jelena Stapf von der Bundesbank bestätigen konnte, stimmt das, zumindest was den Umsatz betrifft. Hier liegt das unbare Bezahlen hauchdünn vor dem „altmodischen“ Bargeld. Das Bild dreht sich hingegen vollständig, werden die Transaktionen betrachtet. Drei von vier Bezahlvorgängen am POS erfolgen hier nämlich nach wie vor mit Bargeld. Nur das wäre natürlich keine so gute Schlagzeile.

Wie Frau Stapf aus einer noch nicht veröffentlichten Studie der Bundesbank zitiert, unterscheidet sich das Zahlungsverhalten der Konsumenten an dieser Stelle nur marginal zwischen Stadt und Land. Der coole Hipster aus der Großstadt, der lediglich per Karte oder Smartphone bezahlt, ist eine Legende. Das mobile Bezahlen ist aktuell noch eine Randerscheinung.

Trotzdem: Der Einsatz von Bargeld, er nimmt ab. Diese Tatsache ist nicht zu bestreiten. Aber es ist noch so viel Bargeld im Umlauf, dass es für Lösungsanbieter wie GLORY und Werttransportunternehmen auf absehbare Zeit noch mehr als genug zu tun gibt.

Für Banken und Handel bleiben damit die Problemfelder der Bargeldversorgung und Bargeldentsorgung akut.

Kartenakzeptanz ist ein Muss für den Handel.

Einen noch tieferen Einblick vermittelte Ulrich Binnebößel vom HDE. In seinem Vortrag ging es nicht allein um Volumina und Transaktionen, sondern um die Verteilung der Bezahlverfahren am POS.

Das Bild ist auch hier eindeutig. Der Anteil der Bargeldzahlungen geht zurück. Dabei ist der große Gewinner unter den bargeldlosen Verfahren die Girocard, von vielen Kunden nach wie vor als EC-Karte bezeichnet. Im 1. Halbjahr 2019 konnte hier im Vorjahresvergleich eine Steigerung bei den Transaktionen um über 20 Prozent verzeichnet werden, bei den Umsätzen sind es über 15 Prozent.

So prägte er einen Satz, den Händler sich ins Stammbuch schreiben sollten. „Fehlende Kartenakzeptanz kostet Umsatz“.

Nun könnte man meinen, dass solche Sätze in einer Veranstaltung eines Bargeldspezialisten wie GLORY allgemeines Entsetzen auslöst. Doch davon war nichts zu spüren. Denn keiner der Teilnehmer rechnet mit einem vollständigen Verschwinden von Münzen und Scheinen (Stichwort Finanzielle Inklusion). Und je seltener an den Kassen des Handels mit Bargeld bezahlt werden wird, umso wichtiger wird, damit effizient und kostensparend umzugehen.

Der Rückzug der Banken ist die Chance für den Handel

Ein vollständiges Verschwinden des Bargelds: Davon gehen die Experten auf der Veranstaltung nichts aus. Zumal dies nicht im Sinne der Kunden wäre. Denn immer wieder bekräftigen die Konsumenten in Umfragen, dass sie sich ein Ende des Bargelds nicht vorstellen können. Und es gibt ja durchaus handfeste Gründe, die für das Bargeld sprechen. Es ist einfach in der Handhabung, es kann von jedem genutzt werden, es ist ausfallsicher und letztlich auch anonym zu verwenden. Gerade im Zeitalter der Datenskandale und umfassender Kundenanalysen kein von der Hand zu weisendes Argument.

Aktuell ist Bargeld noch in riesigen Mengen im Umlauf. Und derzeit zahlen die meisten Kunden noch bar. Allein, sie haben es immer schwerer, sich damit auch zu versorgen. 2018 gab es in Deutschland über 2.000 Filialschließungen von Banken. Der Kostendruck lässt vielen Instituten keine andere Wahl, als den Kunden den Rücken zu kehren. Aber wer soll an ihre Stelle treten?

Das könnte der Handel sein. So berichtete Dennis Werth von der Postbank über den Erfolg der Retail Cash Solutions seines Instituts. Die Bank kommt in den Tankstellen der Shell direkt zu den Kunden, die dann vor Ort ohne Mindestumsatz einfach Geld abheben können. Und das tue die Postbank auch aus ganz naheliegenden Gründen. Denn die „Digitalisierung sei bei den Kunden noch nicht so angekommen, wie die Fachpresse meine“. Als Beispiel nannte Werth, dass von 5 Mio Girokonten der Postbank erst 1 Mio per App geführt würden. Und dies, obwohl das Institut das App-Banking durchaus kräftig bewerbe.

Der Rückzug der Banken bietet dem Handel viele Chancen. So die Meinung auf dem Podium. (Foto: Marc Holstein, GLORY)

In diesem Zusammenhang wies Sebastian Seifert, einer der Gründer von Barzahlen, darauf hin, dass viele Menschen aus den verschiedensten Gründen von elektronischen Bezahlverfahren ausgeschlossen sind. Zum Beispiel junge Leute, die ihr Einkommen (Taschengeld, Ferienjobs) in erster Linie in bar erhalten, aber keine Kreditkarte angeboten bekommen. Und auch Menschen mit geringeren Einkommen fielen durch das Raster vieler Paymentanbieter. Je kleiner das verfügbare Einkommen, umso höher sei der Bargeldanteil bei Zahlungen. Mit der Lösung von Barzahlen, die auf die an den Kassen ohnehin vorhandene Technologie aufsetze, könnten diese Kundengruppen ihre Finanzgeschäfte vor Ort beim Händler erledigen.

Damit sind die Sichtweisen bereits beschrieben, die im Rahmen einer Podiumsdiskussion aufeinandertrafen.

Einigkeit herrschte hier bei der Notwendigkeit, die Effizienz bei der Bargeldver- und Bargeldentsorgung zu steigern. Dabei seien längst nicht alle Potentiale ausgeschöpft. Hier sollte auch über die Lockerung regulatorischer Vorschriften nachgedacht werden. Kooperationen zwischen Banken und Handel jedenfalls bieten beiden Seiten Vorteile. Selbst wenn die Institute einem Händler vor Ort für die Bargeldversorgung eine monatliche Gebühr zahlten, lägen diese Kosten mit Sicherheit noch unter denen für den Unterhalt eines Geldautomaten und Kleinstfiliale. Der Händler könne sich im Rahmen solcher Kooperationen noch stärker als Partner seiner Kunden präsentieren oder erhalte auf diesen Weg erst neue Kundenkontakte. Und das ist in Zeiten, in denen viel über den Kundenzugang diskutiert wird, mit Sicherheit nicht zu vernachlässigen.

Und so präsentierte sich das Bargeld doch auf dem GLORY Innovation Forum doch noch sehr quicklebendig.

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