Mobile Payment: Mit Apple auch in Deutschland zum Erfolg?

von Gastautor am 29.April 2015 in Trends & Analysen

Olaf Taupitz - CEO CashcloudVon Olaf Taupitz

Das mobile Bezahlsystem von Apple ist in den USA erfolgreich gestartet und die Vorbereitungen für die weitere Expansion laufen bereits auf Hochtouren: Ende des Jahres soll Apple Pay in Kanada verfügbar sein; in Großbritannien wird derzeit noch verhandelt. Wann es in Europa richtig losgeht, ist weiterhin offen, auch wenn Tim Cook auf einen Start im nächsten Jahr hofft. Einige Experten prognostizieren bereits, dass Apple Pay auch hierzulande einen Boom des mobilen Bezahlens mit NFC auslösen kann. Doch ob der Technologieriese es tatsächlich auch in Deutschland schafft, Mobile Payment aus der Nische zu holen, darf bezweifelt werden. Besonders im Handel sind die Hürden hoch.

Nachdem Apple im Oktober 2014 seinen Bezahldienst Pay der Weltöffentlichkeit vorstellte, war von vielen Seiten ein erleichtertes Aufatmen zu hören. Die Fragmentierung des Marktes und die geringe Verbreitung der einzelnen Mobile-Payment-Systeme schien nicht länger ein Problem zu sein, da Apple nun endlich einen einheitlichen Standard etablieren würde. Doch ist dem wirklich so? Weshalb wagt Apple ebenso wie der größte Konkurrent Samsung noch nicht den Schritt nach Europa und speziell Deutschland?

Banken und Handel als Hindernisse

Dass Apple Pay ausschließlich mit dem iPhone 6 und der Apple Watch funktioniert, ist natürlich eine Einschränkung – aber nicht das größte Problem. Ebenso wie Samsungs Pendent ist Apple Pay de facto kein neuer Zahlungsanbieter, sondern schlicht ein Hardware- und Betriebssoftware-Lieferant. Zugespitzt könnte man sagen, dass es um nichts Weiteres als neue Formen von Kreditkarten geht. Vorhandene Zahlungsmethoden werden in Zusammenarbeit mit den drei US-amerikanischen Anbietern VISA, MasterCard und American Express demnach lediglich „digitalisiert“. Bestmögliche Sicherheitsstandards werden mit benutzerfreundlichen Elementen kombiniert – aber am Ende verpackt das System eigentlich nur das Stück Plastik in eine modernere „Hülle“. Apple Pay wickelt die Transaktionen demnach nicht selbst ab; stattdessen werden diese weiter vom sogenannten „4-Parteien-System“ gemanagt. Ohne die Zustimmung und Einbindung der Banken als Herausgeber der Kreditkarten funktioniert das System somit auch nicht. In Deutschland führt dies für Apple zu massiven Problemen, denn gerade hierzulande wollen die Banken nicht, dass Technologieunternehmen in ihrem Revier wildern.

Doch auch der Handel macht es Apple – ebenso wie den anderen Mobile-Payment-Anbietern – schwer, das mobile Bezahlen in Deutschland zum Erfolg zu führen. Obwohl MasterCard und VISA angekündigt haben, ihre Kassensysteme für die NFC-Technologie auszustatten, bleibt Mobile Payment für viele Kunden weiterhin ein uneingelöstes Versprechen. Die mangelnde Infrastruktur an Akzeptanzstellen verschreckt die Nutzer und zu häufig wird selbst dort der Dienst nicht unterstützt, wo er online oder im Kassenbereich ausgewiesen ist. Wer einmal verzweifelt versucht hat, mit seinem Handy zu bezahlen und dabei durch fehlende Technik oder unwissende Kassenangestellte enttäuscht wurde, wird sich wahrscheinlich nicht so schnell noch einmal mit dem Thema befassen. Dabei profitieren nicht nur die Kunden vom Mobile Payment als zuverlässiger Bezahllösung, die schnell und einfach einsetzbar ist. Ein beschleunigter Checkout bedeutet, dass mehr Kunden in der gleichen Zeit bedient werden können. Die Transaktionsgebühren für den Handel sind niedrig, die Personalkosten gering und die Geldübermittlung sicher. Langfristig können Händler auf die Aufbewahrung von Bargeld verzichten, ebenso wie auf das Wechseln, das Zählen, das Transportieren und Lagern. Darüber hinaus können Mobile-Payment-Dienste kaufentscheidende Zusatznutzen bieten: Über Applikationen können Kaufempfehlungen, Coupons oder Cashback-Aktionen den Gang zum Händler entscheidend anstoßen. Werden die eWallets zur All-in-One-Lösung, die überall und jederzeit funktioniert, wird auch in Deutschland das Interesse am mobilen Bezahlen von Kundenseite zunehmen – und den Handel unter Druck setzen.

Bis es soweit ist, müssen die Mobile-Payment-Anbieter weiter kämpfen, um in Deutschland Nutzer für sich zu gewinnen. Apple scheint die Lage ähnlich einzuschätzen, sonst wäre das US-Unternehmen auch hierzulande längst an den Start gegangen. Doch neben Apple, Google, PayPal oder Samsung wollen nicht zuletzt dutzende kleinere FinTechs ihre Zahlungssysteme als Standard etablieren. Dass die NFC-Technik sich durchsetzt, wird dank Apple kaum jemand noch ernsthaft bezweifeln; doch welcher Anbieter am Ende die Nase vorn haben und Deutschland ebenfalls zu einem Land des Mobile Payment machen wird, muss vorerst offen bleiben. Wichtig wird langfristig nur sein, wer den Kunden einen echten Mehrwert bietet. Mobile eWallets scheinen hier die besten Karten zu haben.

Über Olaf Taupitz

Olaf Taupitz bringt mehr als 20 Jahre Erfahrung in der Prepaid-Branche aus dem Telekommunikations- und Zahlungssystem-Sektor mit. Er gründete und leitete eine Reihe von Projekten als Business Development Manager, Country Manager und Marketing Direktor im Bereich der Festnetz-Telekommunikation, Mobilfunk-Telekommunikation, MVNO und Prepaid-Karten. Es ist seine Leidenschaft, neue Produkte, Vertriebs- und Marketingaktivitäten zu gestalten und zum Erfolg zu führen. Er ist ein Digital Native und 24/7 als Head of Product and Innovation für cashcloud engagiert.


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