MyMuesli schließt eigene Filialen, Ford und Hermes probieren neue Zustellung, Lidl setzt auf Kundenservice via WhatsApp.

von Stephan Lamprecht am 12.Februar 2021 in News

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Berufspolitiker haben es nun wirklich nicht leicht. Wird ihnen doch gern von uns Bürgern und in den Medien vorgeworfen, dass ihre Entscheidungen viel zu selten etwas mit der Lebenswirklichkeit der von ihnen Regierten zu tun hat. Und wenn sie dann die Entscheidung treffen, dass Friseure noch vor dem Handel die Türen aufsperren dürfen, ist es auch wieder nicht recht. Apropos Friseur: Ich weiß nicht, wie es bei Ihnen aussieht, aber hier steht langsam die Entscheidung zwischen Kappe oder DIY-Bürstenschnitt an.

Damit zu unseren letzten News vor dem Wochenende.

Herzlichst Stephan Lamprecht

MyMuesli schließt eigene Filialen, Ford und Hermes probieren neue Zustellung

Den Aufbau eines eigenen Filialnetzes von MyMuesli haben wir an dieser Stelle viele Jahre begleitet. Insgesamt 23 Stores betreibt das Unternehmen. Doch nun hat die Coronakrise auch dieses Unternehmen erwischt. Da der Rückgang der Kundenfrequenzen deutlich zu spüren ist, müssen aus Kostengründen 20 Filialen in den kommenden 12 bis 24 Monaten schließen, was auch mit den Verlusten der Arbeitsplätze einhergeht. Lediglich die Ladengeschäfte in Passau, München und Geislingen werden weitergeführt. In diesem Jahr will sich das Unternehmen noch stärker auf den Online-Shop und die Individualisierung von Produkten fokussieren.

In London erproben Ford und der Paketdienst Hermes erstmals einen kombinierten Einsatz von Lieferfahrzeugen und Fußgängerkurieren, um die Zustellung von Sendungen schneller und nachhaltiger zu gestalten. Die Sendungsübergabe von Lieferfahrzeugen an Fußgängerkuriere wird über MoDe:Link koordiniert, eine von Ford entwickelte Logistiksoftware. Die Kuriere nutzen eine Smartphone-App, die den Standort des Transporters und die wirtschaftlichsten Routen anzeigt. Die App integriert sich in die Tracking-Systeme von Hermes. So können die Kund:innen jederzeit den jeweiligen Status ihrer Sendungen in Echtzeit einsehen.

Unitex will gegen Lockdown klagen, ein Store-Design zur Inspiration, Einkaufen im Voi Cube

Der Modehandelsverbund Unitex will gemeinsam mit mehreren Mitgliedern per Eilantrag rechtlich gegen den verlängerten Lockdown vorgehen. Dieser Eilantrag zur Wiedereröffnung der Läden in Bayern und weiteren Bundesländern werde derzeit erarbeitet. Der von Unitex beauftragte Anwalt sieht die Zwangsschließung der Bekleidungseinzelhändler nicht mehr als verhältnismäßig oder angemessen an. Ziel der Klage gegen die Bundesländer sei zudem ein Ausgleich des erlittenen finanziellen Schadens aufgrund der Betriebsschließungen.

Und damit ist es an der Zeit, sich mit positiven Dingen zu beschäftigen. Globetrotter betreibt in Berlin einen Flagship-Store, der den Besucher:innen viel bietet und optisch wirklich beeindruckt. Auf vier Etagen mit rund 4.000 Quadratmetern gibt es ein Outdoor-Erlebniscenter mit Reparatur-Werkstatt, ein Innovation-Lab als Ausstellungs- und Arbeitsfläche, Teststationen, eine Reisepraxis für Beratungen und ein Café, das den Einklang mit der Natur aufgreift. Ein Ansatz, der sich durch den gesamten Laden zieht. Für das Konzept ist Umdasch verantwortlich. Das Unternehmen bietet auf seiner Seite noch eine ganze Reihe von Fotos dieses inspirierenden Stores.

Über den begehbaren Verkaufsautomaten Voi Cube der Migros hatten wir hier bereits berichtet. Nun ist der Laden etwas weit von unserer Redaktion entfernt, um dort einmal testweise einzukaufen. Das hat dafür eine Mitarbeiterin der Schweizerischen Post erledigt und ihre Erfahrungen in einem Blogeintrag dokumentiert. In der Praxis scheint das Konzept gut zu funktionieren, wenn denn zum richtigen Zeitpunkt eingekauft wird.

Lidl setzt auf Kundenservice via WhatsApp, Aldi expandiert weiter in den USA, Coolblue will an die Börse

Lidl bietet einen Kundenservice via WhatsApp an. Die Anfragen werden direkt an einen freien Mitarbeiter weitergereicht. Sie werden es sich schon gedacht haben, aber es ist nicht von Deutschland die Rede. Fragen rund um Produkte können die Kund:innen auf diesem Weg in Irland stellen. Damit setzt der Discounter ein Projekt fort, das bereits im vergangenen Jahre gestartet war. Im März vergangenen Jahres hat ein Chatbot via WhatsApp die Frage nach weniger stark frequentierten Einkaufszeiten beantwortet.

Aldi Süd setzt seine Expansion in den USA fort. Nach einem guten Geschäft während der Pandemie will das Unternehmen in diesem Jahr insgesamt 100 Filialen eröffnen. Schwerpunkt werden der Nordosten, Arizona, Kalifornien und Florida sein. Bis zum kommenden Jahr will der Discounter in den Vereinigten Staaten bei der Zahl der Supermärkte zur Nummer drei hinter Kroger und Walmart aufsteigen. Auch Lidl hatte angekündigt, das Engagement in den USA auszubauen, liegt bei der Zahl der Filialen aber schon jetzt weit hinter Aldi.

Coolblue, Elektronikversender aus den Niederlanden, konnte vom Online-Wachstum im von Corona geprägten Jahr 2020 profitieren und seinen Umsatz um 34 Prozent auf 2 Mrd. Euro steigern. Besonders Produkte rund um die Ausstattung des Home Office waren bei den Kund:innen gefragt. Auch das Deutschlandgeschäft soll weiter ausgebaut werden. Zudem bestehen offenbar konkrete Pläne, das Unternehmen an die Börse zu bringen.

Interview-Tipps

“Ich bin überzeugt, dass der Handel so viel mehr kann, als nur verkaufen”, sagt Jürgen Zahn von der Konrad Knoblauch GmbH. Mit seinem #Büroladencafé liefert er ein spannendes Konzept, in dem die Bereiche Shop, Working und Living ineinanderfließen. Die Lösung dieses Workspaces mit einem integrieten Café mündete auch in die Idee, Handelsflächen mit unterschiedlichen Layern zu bespielen. Den Start machte in diesem Fall das Konzept EchtZeit Café, der als Pilot namens Stockwerk im Bekleidungshaus Stock in Melle. Mehr dazu im Trendakademie-Podcast #31.

Die Corona Krise hat die Textilindustrie hart getroffen und führt fortlaufend zu fehlenden Umsätzen für das Jahr 2021. Doch wie sieht das Jürgen Fleischmann von TIMEZONE, wirklich nur trübe Aussichten? Pünktlich zum Corona Start, hat Jürgen Fleischmann im März 2020 das Ruder bei dem Denim-Spezialisten übernommen und berichtet nun von einer nie dagewesene Herausforderung, aber auch von den großen Chancen. Chancen in einem Zeitalter, wo Endverbraucher online Produkte kaufen wollen, was vor Jahren nie denkbar war! Die Message von Jürgen Fleischmann ist klar: Eine harte Zeit, doch mit jeder Menge positiver Aussichten, insbesondere für die weitere Vernetzung innerhalb der Branche, hin zum Konsumenten. “Es gibt viele Möglichkeiten auf Plattformen den Handel und die Industrie, mit dem einzelnen Kunden und der Bedeutung des Händlers vor Ort, noch besser zu erreichen. Hier sehe ich große Chancen”. Mehr dazu im Video-Interview mit Mauricio Warchaftig von BETAFASHION.

Veranstaltungen

Lift Days (8.–12.2., online) +++ Category Management Basics (17.–24.2., online)

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