„Online light“ rettet die Zukunft des Einzelhandels nicht.

von Matthias Hell am 13.Januar 2014 in Trends & Analysen

Für unsere Artikelserie Local Heroes sprachen wir kürzlich mit Christoph Baak, Mitinhaber der Werbeagentur „Frau Lönne und Herr Baak“ und erster Vorsitzender des City Management Oldenburg (CMO). Wie nicht nur die zusammen mit PayPal aufgezogene QR-Shopping-Kampagne des CMO zeigt, ist der Werbefachmann mit den aktuellen Trends im Handel bestens vertraut. Gerade deshalb verdient es eine Aussage von Baak, noch einmal genauer unter die Lupe genommen zu werden:

„Im Unterschied zu regionalen Einkaufsportalen, die zwar einzelne lokale Händler integrieren, insgesamt aber vor allem den Online-Handel begünstigen, handelt es sich bei dem QR-Shopping-Konzept um eine Lösung, welche die einzelnen stationären Geschäfte und auch die gesamte Oldenburger Innenstadt stärkt.“

Baak begründete damit, warum das CMO zwar mit PayPal zusammenarbeitet, sich aber eine Kooperation mit echten Online-Warenverzeichnissen oder regionalen Shopping-Portalen nicht vorstellen kann: Plattformen, die das Warenangebot des lokalen Handels ins Netz bringen, nützen höchstens dem einzelnen Händler etwas, schwächen aber in der Summe die lokale Handelslandschaft und verstärken den Trend zum Einkauf über das Internet. Aus dieser Perspektive können neue digitale Instrumente für den Einzelhandel nur dann implementiert werden, wenn der von ihnen gelieferte Mehrwert so begrenzt ist, dass daraus für den Kunden keine Alternative zum stationären Einkauf entsteht.

Die verhängnisvolle Angst der Stationären vor der Online-Transparenz

Zu wenig, zu spät: Etagenpläne alleine werden die Zukunft der Shopping-Center nicht retten

Zu wenig, zu spät: Etagenpläne allein werden die Zukunft der Shopping-Centers nicht retten

Diese Sichtweise ist nicht nur bei Stadtmanagern beliebt, sondern auch bei den Betreibern von Einkaufscentern verbreitet, wie die aktuelle Meldung über eine Initiative des Hofgarten Solingen einmal mehr zeigt: Das Shopping-Center hat eine eigene App veröffentlicht, die es neben Etagenpläne und Ladenlisten auch ermöglicht, das eigene Auto im Parkhaus treffsicher wiederzufinden. Nicht zu finden sind allerdings Prospekte der in dem Center vertretenen Händler oder konkrete Angebote – wie auch gleich die erste Kundenrezension der App treffend bemängelt.

Natürlich wäre es aufwändiger, Prospekte, Angebote oder gar Warenverfügbarkeiten in die App aufzunehmen, doch dürfte das nicht der ausschlaggebende Grund sein. Vielmehr sollen die Kunden gar nicht so genau über das Angebot der einzelnen Geschäfte informiert werden, da sie sonst vielleicht nicht in das Einkaufszentrum „gelockt“ werden würden, so die Denke der Center-Betreiber.

Egal ob Oldenburg oder Solingen: mittelfristig dürfte sich zeigen, wie verkehrt diese Sichtweise ist. Denn indem man darauf verzichtet, Warenangebote ins Netz zu bringen, beraubt man sich des wirksamsten Hebels, den der stationäre Handel besitzt. Kunden, die online nach bestimmten Produkten suchen, kaufen dann eben weiterhin zu 100 Prozent bei reinen Internethändlern.


Artikel teilen




Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter von Location Insider. Wir liefern darin täglich gegen 11 Uhr business-relevante Hintergründe zur Digitalisierung des Handels.

Hiermit akzeptiere ich die Datenschutzbestimmungen.