Orsay macht 79 Läden dicht, Expansionsstrategie von Kaufland, Liefer-App Karla gestartet.

von Florian Treiß am 24.Februar 2022 in News

Liebe Leserinnen & Leser,

„Im modernen Management investiert man und will damit sofort Geld verdienen. Das ist falsch, das Beispiel Tesla zeigt, wie lange die Phase ohne Gewinn mitunter dauern kann“, sagt Wolfgang Kirsch. Der ehemalige Boss von MediaMarktSaturn hat diese Woche auf der Moonova Deutschlands Handelskonzerne für ihr Zögern bei Investitionen in das Online-Geschäft kritisiert. Aktuell sieht Kirsch starke Parallelen zwischen etablierten Autoherstellern, die Tesla lange ignoriert haben, und Lebensmittelhändlern, die nun Express-Dienste wie Gorillas nicht Ernst nehmen. Allerdings expandieren solche Dienste auch mit Wildwest-Methoden und werden zunehmend in ihre Schranken gewiesen, siehe unsere News von heute.

Herzliche Grüße, Ihr Florian Treiß

Redaktion: Fritz Ramisch

Orsay macht 79 Läden dicht, Städte verbieten Warenlager von Gorillas & Co, Fressnapf plant Videosprechstunde

Orsay macht in Deutschland 79 seiner insgesamt 197 Filialen dicht, berichtet Textilwirtschaft. In mehreren Städten sind gleich zwei Standorte betroffen. Der Modehändler befindet sich seit Ende 2021 im Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung und hat schwer an den Folgen der Corona-Krise zu knabbern. In Folge der nun angekündigten Ladenschließungen verlieren über 200 Mitarbeitende ihre Jobs.

Lieferdiensten wie Gorillas, Flink und Co droht neuer Ärger. Erste Städte schieben den explosionsartig ansteigenden Warenlagern in Wohngebieten einen Riegel vor. Amsterdam und Rotterdam gehen voran und verbieten neue Warendepots. Weitere niederländische Städte ziehen nach. Viel Lieferverkehr, lange Arbeitszeiten und Ärger zwischen Fahrern und Anwohnern führen zu Stress im Kiez und reihenweise Beschwerden. Warendepot-Zonen sollen das Problem langfristig lösen. Auch in Berlin beobachten Behörden bereits „eine übermäßige Nutzung von Gehwegen zum Abstellen von Fahrrädern als Lagerfläche für Waren“, so der Senat. New York nimmt Arbeitsbedingungen und den Preiswettbewerb bei Gorillas unter die Lupe.

Fressnapf hat von der Corona-Krise profitiert und ist wie berichtet zuletzt kräftig gewachsen. Das Onlinegeschäft ist trotz Plus von 54 Prozent und 245 Mio Euro Umsatz im Vergleich zur Konkurrenz noch ein sehr zartes Pflänzchen, soll aber ausgebaut werden. Der Händler für Tierbedarf plant nun digitale Zusatzservices wie eine Videosprechstunde mit Tierärzten und mehr Kooperationen mit Startups, die von einer neuen Abteilung namens FNX aus gesteuert werden. In den kommenden drei Jahren plant Fressnapf neben der Online-Expansion auch die Eröffnung von europaweit 400 neuen Läden.

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Expansionsstrategie von Kaufland, weltweite Top 10 des Handels, eBay verliert Kund*innen

Kaufland geht in die Offensive und arbeitet erfolgreich gegen den Trend der kleinflächigen Nahversorger-Supermärkte, analysiert das „Handelsblatt“. Der Supermarkt-Riese möchte 128 Real-Standorte übernehmen und hat dafür die Australien-Expansion abgesagt. Die Real-Läden werden im Eiltempo umgebaut und eröffnen oft schon nach dreitägigem Umbau wieder unter neuer Flagge. Die neuen Filialen spülen mindestens 2 Mrd Umsatz pro Jahr in die Kassen der Supermarktkette. Marktforscher Edgy by Ascential schätzt, dass sich der Bruttoumsatz im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf 19,5 Mrd Euro erhöht hat und rechnet für 2022 mit einem Umsatzplus von 10 Prozent auf 21,45 Mrd Euro.

Die Kaufland- und Lidl-Mutter Schwarz Gruppe (Platz 4) sowie Aldi (Platz 8) können ihre Position in dem jährlichen Ranking „Global Powers of Retailing 2022“ von Deloitte unter den weltweit zehn größten Einzelhändler behaupten. Walmart, Amazon und Costco belegen Rang 1 bis 3. Die Supermarktketten Edeka und Rewe, der Elektronikhändler Ceconomy, Media Markt Saturn, Otto, dm und Rossmann schaffen es unter die Top 100. Zusammen erwirtschaften die Top 250 Einzelhändler im Jahr 2021 über 4,5 Billionen Euro, ein Umsatzplus von 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Wachstumstreiber sind Amazon (+34%) und die Supermarktketten.

eBay meldet für das Weihnachtsquartal und das Gesamtjahr 2021 zwar steigende Umsätze durch Transaktionsgebühren und Werbung, verliert aber rund 15 Mio aktive Kund*innen im Vergleich zum Vorjahr. Auch das Handelsvolumen sinkt deutlich. Der Online-Boom während Corona war wohl nur ein Strohfeuer war. Der trübe Ausblick bestätigt die sinkende Relevanz des Online-Marktplatzes im Handel.

Liefer-App Karla gestartet, Mindestlohn von 12 Euro kommt, Konsumklima sinkt wieder

Unter dem Namen Karla geht heute ein neues Startup aus Berlin an den Start, dass es sich zur Mission gemacht hat, Lieferprozesse zu optimieren und endlich Transparenz bei Onlinebestellungen herzustellen. Nutzer*innen haben mit der Karla-App zudem die Möglichkeit einzusehen, wo genau sich ihre Onlinebestellungen im Zustellungsprozess befinden, und können darüber hinaus Lieferdetails und Zeitfenster einfach anpassen. Die Gründer Frederik Schröder und Philippe Padrock haben als Anschubfinanzierung 3,4 Millionen Euro eingesammelt. Das Geld kommt von 468 Capital, La Famiglia und Business Angels wie Jochen Engert (CEO, Flix Mobility), Michael Wax (CEO, Forto) oder Oliver Merkel (CEO, Flink).

Der Mindestlohn steigt auf 12,00 Euro, was gerade auch viele Ungelernte und Aushilfen im Einzelhandel betreffen dürfte. Das hat das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen und damit eines der zentralen Wahlversprechen von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) eingelöst. Die neue Lohnuntergrenze gilt ab dem 1. Oktober 2022, ist die zweithöchste in der EU und soll nach Berechnungen der Bundesregierung etwa 6,2 Millionen Beschäftigten eine Gehaltserhöhung. Auch die Verdienstgrenzen für Mini-Jobs erhöhen sich von 450 auf 520 Euro. Arbeitgeber kritisieren die Erhöhung u.a. als Angriff auf die Tarifautonomie. Aktuell gilt noch ein Mindestlohn von 9,82 Euro, der in einem Zwischenschritt am 1. Juli bereits auf 10,45 Euro steigt.

Die Verbraucherstimmung kippt im März und der GfK-Konsumklimaindex sinkt um 1,4 Zähler auf minus 8,1 Punkte. Nach leichtem Optimismus im Februar trübt sich die Kauflust im März wieder ein. Omikron, Inflation und auch die Ukraine-Krise verhageln Verbrauchern die Konsumlust. GfK-Konsumexperte Rolf Bürkl macht vor allem die nicht erfüllten Hoffnungen auf eine Entspannung bei der Preisentwicklung für den Dämpfer verantwortlich.

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