Payment-Regulierung kann den Online-Handel 57 Mrd. Euro kosten.

von Gastautor am 20.August 2019 in News, Payment, Trends & Analysen

Mit dem entspannten Online-Kauf könnte es wegen der SCA bald vorbei sein, wenn Händler nichts unternehmen. (Foto:Stripe)

Von Olivier Godement, Product Manager bei Stripe

Gerade einmal drei Wochen sind es noch bis zur Umstellung – und doch war das Thema lange sehr wenig präsent in den Medien. Am 14. September 2019 tritt die “Starke Kundenauthentifizierung” (SCA – Strong Customer Authentication) in Kraft, und Verbraucher müssen bei den meisten Online-Einkäufen eine Zwei-Faktor-Verifizierung vornehmen, wenn sie bezahlen wollen. Auch wenn aktuell über eine Verschiebung diskutiert wird, ist es keine Option für Händler, bis zum Stichtag untätig zu bleiben – denn in Onlineshops, die über keine SCA-Lösung verfügen, werden Kunden schon bald eventuell nicht mehr bezahlen können.

Der Bezahlvorgang für Online-Käufe ändert sich nach der Umstellung auf SCA signifikant: Zwei von drei der folgenden Elemente müssen dann bei den meisten Online-Transaktionen nachgewiesen werden. Etwas, das der Käufer kennt (z. B. ein Passwort); ein Objekt, das er besitzt (z. B. ein Smartphone oder ein anderes Device zum Empfangen eines Bestätigungscodes); oder ein Merkmal seiner Identität (also eine biometrische Identifizierung, z. B. durch einen Fingerabdruck oder Gesichtsmerkmale).

Die Umstellung ist besonders für kleine und mittlere Unternehmen, die sich aufgrund begrenzter Ressourcen oftmals eher spät damit befassen, schwierig. Drei von fünf Unternehmen mit weniger als 100 Angestellten haben noch nie von SCA gehört, wissen nicht, wann sie richtlinienkonforme Strukturen schaffen können, oder planen dies vorerst gar nicht ein. Gerade einmal acht Prozent fühlen sich “extrem gut vorbereitet.”

Weitreichende Auswirkungen der Starken Kundenauthentifizierung

Diese Zahlen stammen aus einer von Stripe in Auftrag gegebenen und von 451 Research im Juni 2019 veröffentlichten Studie. Die Ergebnisse basieren auf Umfragen mit 500 qualifizierten Zahlungsexperten aus Online-Unternehmen und 1.000 Verbrauchern in Großbritannien, Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und Spanien. Die Studie enthält noch weitere alarmierende Zahlen bezüglich der Vorbereitung auf SCA:

73 Prozent der Käufer sind sich der Umstellung noch nicht bewusst, was in der Umstellungsphase zu erhöhten Kaufabbrüchen führen wird.
Dies führt zu wirtschaftlichen Einbußen, die dem europäischen Online-Handel durch sinkende Konversionsraten bevorstehen: bis zu 57 Milliarden Euro in den ersten zwölf Monaten.
Und nicht einmal jedes zweite Unternehmen erwartet, dass es bis zum 14. September alle Anforderungen der neuen Regulierung überhaupt umgesetzt haben wird.

Wie können sich Online-Händler auf SCA vorbereiten?

Um das zu vermeiden, müssen sich Händler bereits jetzt auf die Umstellung vorbereiten. Eine eigene Zahlungsinfrastruktur für Onlinekäufe zu entwickeln, birgt hohe rechtliche, technische, personelle und vor allem finanzielle Herausforderungen. Diese Option ist besonders komplex, da die Vorschriften und Ausnahmen für alle potenziellen Zahlungen aus allen EU-Ländern von unterschiedlichen Banken, Kunden und Zahlungsmitteln berücksichtigt werden müssten. Alternativen bestehen die folgenden zwei Möglichkeiten:

Mit einem Zahlungsdienstleister zusammenzuarbeiten, der sich mit Gesetzen, Ausnahmen und unterschiedlichen Auslegungen auseinander gesetzt hat. Nur wenige Zahlungsdienstleister bieten jedoch umfassende SCA-kompatible Zahlungslösungen, die den Konversionsrückgang auf ein Minimum reduzieren.
3D Secure 2 (3DS2) systematisch zu integrieren und anzuwenden, wozu ein technischer Partner benötigt wird. Doch ob alle Banken 3DS2 bis zur Einführung der neuen Regulierung unterstützen werden, ist fragwürdig. Sollte das nicht der Fall sein, müssten Händler auf 3DS1 setzen, was laut Visa einen Umsatzrückgang von 11 Prozent zur Folge haben könnte, da hier ebenfalls Konversionseinbußen lauern.

Um zu vermeiden, dass Kunden ihre Waren nach der Umstellung auf SCA im Warenkorb liegen lassen, müssen Händler ihre Bezahlprozesse vor Inkrafttreten der Richtlinie umstellen. Jetzt ist es Zeit zu handeln, bevor unnötige Kaufabbrüche entstehen!

Über den Autor

Olivier Godement ist Product Manager Payment Flows bei Stripe, wo er zuvor bereits für Operations and Growth zuständig war. Vor seiner Zeit bei Stripe gründete er eine Fundraising-Plattform, deren Anteile er 2014 verkaufte. Er studierte Chinese Studies und Public Affairs und absolvierte einen Master in Management.


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