PSD2 – Worauf Online-Händler jetzt achten müssen.

von Gastautor am 04.September 2019 in Highlight, News, Payment, Shoptech, Trends & Analysen

Mit der zweiten europäische Zahlungsdienstrichtlinie „PSD2“ soll es gelingen, den digitalen Zahlungsverkehr in der EU nachhaltiger zu regulieren und vor allem Kunden mehr Schutz und Transparenz beim Zahlungsverkehr zu bieten. Gastautor Ferry Hötzel, Country Product Manager Germany bei Shopify erklärt, worauf sich Online-Händler nun vorbereiten müssen und was sie von der neuen EU-Richtlinie erwarten können.

Händler, die im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) verkaufen, haben aller Wahrscheinlichkeit nach bereits von der überarbeiteten Zahlungsdienstrichtlinie PSD2 gehört. Es handelt sich hierbei um eine behördliche Vorschrift, die den Betrugsschutz bei Onlinekäufen erhöhen soll. Die neue Richtlinie wird sich auf europäische Einzelhändler aller Größen auswirken und sorgt daher für große Unsicherheiten bei allen Betroffenen. Doch es besteht kein Grund zur Panik, denn mit der richtigen Vorbereitung, lassen sich auch diese relativ komplexen behördlichen Vorgaben einfach verstehen und umsetzen.

Kundenschutz wird nachhaltig gestärkt

Bereits zum 13. Januar 2018 trat ein Teil der EU-Richtlinie in Kraft. Damals wurde unter anderem die Haftungsobergrenze auf 50 Euro bei Kartenmissbrauch gesenkt, zusätzliche Gebühren beim Bezahlen mit den meisten Kreditkarten wurden abgeschafft und der Anwendungsbereich auf Zahlungen mit Staaten außerhalb der EU und in Fremdwährungen erweitert. Eine der größten Änderung, die ursprünglich im September 2019 in Kraft treten sollte, ist der nochmals erhöhte Schutz der Kunden, die mit Kreditkarten oder anderen Zahlungsmethoden online einkaufen. Online-Händler müssen dann sicherstellen, dass ihr Bezahlprozess einer besonderen Form der 2-Faktoren-Authentisierung, der sogenannten Strong Customer Authentication (SCA), entspricht. Für die Abwicklung von Kreditkartenzahlungen räumte die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) allerdings kürzlich einen indirekten Aufschub ein. So haben Zahlungsdienstleister und Onlinehändler ein wenig mehr Zeit gewonnen. Wie lange, bleibt abzusehen.

Da diese Fristverlängerung erst einmal nur die Zahlung mit Kreditkarte betrifft, müssen alle anderen Zahlungsverfahren wie Online-Kartenzahlungen, Sofort-Überweisung, Giropay und Paydirekt (indirekt über die Bank) sowie die Anbieter von Zahlungskonten wie Paypal, Amazon Pay oder Klarna (nur Kartenzahlungen, keine Rechnung, Lastschrift oder Teilzahlung) die Vorgaben der PSD2 ab 14. September 2019 erfüllen.

Konkret bedeutet dies, dass ein Kunde in Zukunft online bei Zahlungsvorgängen mit seiner Karte oder anderen Zahlungsmitteln wie z.B. PayPal gemäß SCA zwei Arten der Authentisierung erbringen muss. Diese erfolgt anschließend nur, wenn der Kunde sich über zwei der drei definierten Merkmale identifiziert. Diese Merkmale müssen aus den Bereichen Wissen (Passwort, Pin), Besitz (Kontokarte, Smartphone, Token) und Inhärenz (Irisscan, Fingerabdruck, Stimme, Bewegungsmuster) stammen. Die geläufigste SCA ist für viele vermutlich die Kombination von Kontokarte und Pin. Kunden sollen so beweisen, dass ausschließlich sie selbst hinter der Zahlung stecken.

Reibungsloser Übergang

Die gute Nachricht gleich vorweg: in der Regel müssen die Zahlungsdienstleister den Prozess der SCA bereitstellen. Trotzdem sollten Händler sicherheitshalber prüfen, ob ihr Bezahlsystem tatsächlich mit der neuen Richtlinie konform ist, um Kunden einen reibungslosen Einkauf zu ermöglichen.

Im Vorteil sind hier Shopbesitzer, die Bezahlsysteme wie Shopify Payments nutzen. Ihr Shop wird rechtzeitig zum Stichtag am 14. September 2019 die Regeln erfüllen, da die verwendeten Bezahlmethoden und -vorgänge bereits an die PSD2 angepasst sind. Darunter fallen insbesondere lokale Zahlungsmethoden an die bestimmte Kundengruppen bereits gewöhnt sind und denen sie vertrauen. Doch Achtung: Dies gilt bisher lediglich für Händler, die Shopify Payments in Deutschland, Irland, den Niederlanden, Spanien oder im Vereinigten Königreich benutzen. Für alle anderen gilt, genau zu überprüfen, ob die verwendeten Shop- und Bezahlsysteme tatsächlich die Vorgaben der PSD2 erfüllen. In solchen Fällen schaffen Bezahlmethoden wie Pay Now und Pay Later Abhilfe. Sie werden sofort einsatzbereit sein, da sie bereits die SCA beinhalten, was den Checkout erheblich beschleunigt.

Die technischen Voraussetzungen, die Händler erfüllen müssen, sind somit gering. Sie sollten lediglich sicherstellen, dass sie ein Portal für mögliche Beschwerden zur Verfügung stellen.

Das Potential der PSD2

Weder Händler noch Kunden sollten sich von der neuen Richtlinie abschrecken lassen. Der Online-Handel erhält durch die PSD2 eine allgemeingültige und rechtskräftige Grundlage. Insbesondere die verbesserten Sicherheitsstandards haben das Potenzial, die Zweifel mancher Skeptiker zu beseitigen und die Attraktivität des Online-Handels zu steigern.

Es ist nicht auszuschließen, dass es mit der Einführung der PSD2 zu vereinzelten Startschwierigkeiten kommt. Schwer vorauszusehen ist, wie Kunden auf die Änderungen im Bezahlprozess reagieren. Der erfolgreiche Online-Handel lebt vom positiven, unkomplizierten Kundenerlebnis. Daher sollten potenzielle Kaufabbrüche aufgrund langatmiger Zahlungsabwicklungen unbedingt vermieden werden. Die Beseitigung solcher Hürden im Vorfeld ist also für ein erfolgreiches Geschäft essentiell und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich Kunden umstandslos und schnell an die doppelte Authentisierung gewöhnen werden.

Unternehmen wie Shopify sind allerdings schon jetzt gut auf die Umstellung vorbereitet und arbeiten eng mit ihren Partnern zusammen, um sicherzustellen, dass dieser Übergang so reibungslos wie möglich verläuft. Das positive Einkaufserlebnis des Kunden ist dabei oberstes Ziel.

Über den Autor:

Ferry Hötzel ist Country Product Manager Germany bei Shopify, der führenden cloudbasierten Multichannel-Commerce-Plattform für Existenzgründer und Online-Shopbesitzer. In dieser Rolle ist er federführend an der Strategieentwicklung für den deutschsprachigen Markt beteiligt und verantwortet die Produktentwicklung und -anpassung.

Bevor er zu Shopify kam, arbeitete Hötzel bei Inventorum, einem All-in-One iPad-Kassensystem für Einzelhändler mit eigenem Online-Shop und gründete das Unternehmen Paydroid im Jahr 2010, welches neben einem Kassensystem auch eigens entwickelte Apple-Zubehörprodukte verkauft. Er besitzt durch seine jahrelange Tätigkeit im E-Commerce-Sektor weitreichendes Expertenwissen in den Bereichen Online-Handel, Kassensysteme sowie Produktentwicklung.

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