Regionale Einkaufsportale: Gut gedacht, schlecht gemacht?

von Matthias Hell am 03.Dezember 2013 in Trends & Analysen

Mit „Kaufhaus Mitte“ startet in diesen Tagen ein weiteres regionales Einkaufsportal, diesmal in Thüringen. So begrüßenswert die Idee ist, dem lokalen Einzelhandel durch einen gebündelten Auftritt eine starke Online-Präsenz zu ermöglichen – betrachtet man die Plattform im Detail, ergeben sich jedoch noch einige Mankos.

Auf den ersten Blick spricht dabei einiges für „Kaufhaus Mitte“ und andere regionale Einkaufsportale: Die Seite ist handwerklich gut gemacht und bietet ein zeitgemäßes Layout. Nutzer können das Angebot entweder nach Kategorien durchsuchen oder sich die einzelnen auf der Seite vertretenen Händler und ihr Warenangebot anzeigen lassen. Mit gut einem Dutzend Anbieter ist die Teilnehmerzahl noch recht überschaubar, allerdings verfügt „Kaufhaus Mitte“ bereits beim Start über ein recht ausgewogenes Produktangebot, das von Kunsthandwerk über Mode bis hin zu Spiel- und Genusswaren reicht. Ebenfalls eine gute Idee ist es, den Händlersortimenten einen hier „Magazin“ genannten Blog an die Seite zu stellen, der über regionale Einkaufsthemen informiert.

Kaufhaus-Mitte

Problematisch wird es erst, wenn man in die auf dem Portal angebotenen Produkte und den daran anschließenden Bestellprozess hineingeht. Verfügbarkeitsinformationen wie „Lieferzeit ca. 2 Werktage“ oder „Der Artikel wird in 14 Tagen zur Lieferung bereit stehen“ klingen eher nach Onlineshop-Mauerblümchen als nach einem Internet-Schaufenster für den lokalen Einzelhandel. In der Tat bietet „Kaufhaus Mitte“ weder stationäre Warenverfügbarkeiten, noch die Möglichkeit, Artikel zur Abholung zu reservieren. Die beteiligten Einzelhändler versenden die Waren standardmäßig, der Kunde kann lediglich zwischen verschiedenen Bezahloptionen wählen.

Das regionale Einkaufsportal wird damit zu lediglich einem weiteren Standard-Onlineshop. Ob die Waren von Amazon geliefert werden oder ob hinter dem Versand ein lokaler Einzelhändler steckt, macht aus Kundensicht wenig Unterschied – höchstens lassen sich auf diese Weise regionale Zugehörigkeitsgefühle befriedigen. Würden die Produkt- und Händlerinformationen dagegen den Kunden eine direkte Verbindung zwischen Online und Offline bieten – wie z.B. die Abfrage von Verfügbarkeiten, die Reservierung zur Abholung oder die Vereinbarung von Beratungs- und Anprobeterminen –, würden sich echte Mehrwerte erzielen lassen. Aber diese Potenziale verschenkt „Kaufhaus Mitte“ in der nun an den Start gegangenen Portalversion.

Immerhin steht „Kaufhaus Mitte“ mit diesen Mankos nicht alleine: Auch andere Portale wie z.B. der Emsdetten-Shop, Einkaufen-Wetterau oder Mux.de geizen mit relevanten lokalen Infos. Ein Grund dafür könnte sein, dass ähnlich wie das von der Zeitungsgruppe Thüringen betriebene „Kaufhaus Mitte“ viele regionale Shopping-Plattformen eng mit ortsansässigen Medienhäusern verbunden sind. Bekanntlich ringen diese zumeist selbst um Antworten auf die voranschreitende Digitalisierung und verstehen unter dem Begriff „Kunden“ weiterhin eher die lokale Werbewirtschaft als die Leser. Und genau dieses fehlende Verständnis von Kundenorientierung vermisst man derzeit auch bei vielen regionalen Einkaufsportalen.


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