Smart Retail: So treibt Tencent den Einzelhandel in China voran.

von Florian Treiß am 25.Juli 2019 in News, Trends & Analysen

Denkt man an China und die Umzählungen im Handel, so kommt man an zwei Unternehmen nicht vorbei: Alibaba und Tencent. Während wir uns hier schon häufiger mit dem New-Retail-Konzept von Alibaba beschäftigt haben, lohnt auch ein genauerer Blick auf Tencent. Zum einen, weil dessen Super-App WeChat längst zur zentralen Marketing- und Payment-Plattform für Händler in China geworden ist. Und zum anderen, weil der Geschäftsbereich Tencent Cloud spannende Lösungen für den „Smart Retail“ am Start hat. Und so kommt auch kaum ein westlicher Händler mehr beim Markteintritt in China an Tencent vorbei: so soll auch Aldi bei seinen ersten beiden Stores in Shanghai auf Tencent-Technologie setzen.

Smart Shopping Mall von Wanda und Tencent

Gemeinsam mit dem chinesischen Immobilien- und Handelskonzern Wanda hat Tencent im Mai im Pekinger Fengtai-Wissenschaftspark eine Shopping Mall eröffnet, die ein vollständig „digitalisiertes“ Einkaufserlebnis durch die Nutzung von Big Data und diverser anderer Technologien von Tencent ermöglichen soll. Einige der futuristischen Installationen umfassen eine VR-betriebene Spielzone, holografische Anzeigen und ein Zahlungssystem mit Gesichtserkennung.

Tencent Cloud

Tencent bietet Händlern einen Cloud-Service an, der Anwendungen des „Smart Retail“ in stationären Läden möglich macht. Damit gemeint sind letztlich unbemannte Läden ohne menschlichen Kassierer, die u.a. mit Gesichtserkennung, QR-Codes, RFID-Chips und WeChat Pay (siehe unten) funktionieren. Für solche unbemannten Läden, aber auch für klassische Läden, positioniert sich Tencent als innovativer Cloud-Hosting-Partner mit einer hochverfügbaren und einfach zu implementierendem Cloud. Das ist schon daher wichtig für westliche Unternehmen, weil sie in China üblicherweise nicht auf eigene Faust starten dürfen, sonst nur mit einem chinesischen Partner. Zudem hat Tencent Cloud mittlerweile auch in Deutschland und anderen europäischen Ländern eigene Standorte, um europäischen Einzelhändlern die gleichen Technologien zur Verfügung zu stellen wie seinen chinesischen Kunden.

WeChat Pay

Auch jenseits von futuristischen Shopping-Malls und unbemannten Läden hat sich WeChat Pay in nur wenigen Jahren zu einem zentralen Zahlungssystem im stationären Handel und auch an Automaten entwickelt, wie das folgende Video zeigt. Beim chinesischen Schmuckhändler Chow Tai Fook findet der Verkauf längst nicht mehr nur durch Menschen in der Filiale statt. Vielmehr gibt es gleich im Eingang auch einen Verkaufsautomaten, über den modischer Schmuck von Line Friends gekauft werden kann. Bezahlt werden kann per WeChat Pay:

Mini-Programme innerhalb von WeChat

Mini-Programme innerhalb der Super-App WeChat werden für stationäre Händler immer mehr zum beliebten Marketing-Tool: So nutzt Meiyijia, eine der größten Supermarktketten in China, WeChat u.a., um wöchentliche Angebote und Rabattcoupons zu vertreiben. Das spart Kosten und schafft mehr Reichweite. Basierend auf den Benutzerdaten untersucht Meiyijia auch das Zusammenspiel zwischen Online-Traffic und stationärem Laden. Beispielsweise kann ein Kunde, der häufig Joghurt kauft, weitere Gutscheine für den Kauf von Joghurt erhalten. Dadurch gelingt es den stationären Läden von Meiyijia , Kunden gezielt anzusprechen. Weiterhin nutzt Meiyijia WeChat auch dafür, Essensbestellungen entgegenzunehmen, die dann bei Take-Away-Schaltern in den Läden abgeholt werden können, was für Pendler für mehr Bequemlichkeit sorgt.

So sieht die Angebotskommunikation von Meiyijia in WeChat aus

 


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