Verleiht Apple der Instore-Navigation neuen Schwung?

von Stephan Lamprecht am 03.Februar 2020 in News, Trends & Analysen

Mit UWB-Tags will Apple Dinge des Alltags orten lassen. Das wäre auch eine Lösung für den Handel. (Foto: MacRumors)

Bestimmt ist es Ihnen auch bereits aufgefallen, aber wir haben an dieser Stelle schon längere Zeit nichts über Beacons geschrieben. Das liegt schlicht daran, dass es insgesamt recht ruhig rund um die Technologie geworden ist. Und schon die letzten Installationen, die uns per Pressemitteilungen vorgestellt wurden, waren eher nette Marketingspielereien, weniger Nutzwert für den stationären Handel. Dabei sind dessen Grundprobleme gleich geblieben. Denn einerseits interessiert er sich im Rahmen von Retail-Analytics, wohin sich die Kunden in den Läden eigentlich bewegen. Zum anderen müssen Mitarbeiter und Konsumenten möglichst schnell zum passenden Regal geführt werden. Zwei kaum beachtete Neuerungen in Apple-Produkten eröffnen zumindest das Potential, beiden Themen neue Schwungkraft zu geben.

Zum Einsatz könnte hier die Ultra-Breitband-Technologie (UWB) kommen. Die ist nicht neu und wird beispielsweise in der Industrie für die Navigation von Robotern und autonomen Fahrzeugen verwendet. Die Position kann sehr präzise bestimmt (Abweichung von 20 cm) und im Millisekundenbereich aktualisiert werden.

Beacons versprachen hier eine preiswertere Alternative zu sein. Die Systeme arbeiten mit Bluetooth, eine technische Komponente, die selbst in preiswerten Smartphones vorhanden ist. Es mussten also nur die passenden Geräte im Raum verteilt werden, um den Kunden den Weg zu weisen oder seinen Laufweg zu ermitteln.

Das Problem bei der Sache. Je mehr Personen, sprich Bluetooth-Einheiten, sich im gleichen Raum befinden, desto höher werden die Abweichungen bei der Positionsbestimmung. Es ist eben etwas anderes, eine App im Smartphone zu öffnen, wenn sich der Nutzer mit seinem Smartphone direkt vor einem Beacon befindet, als seine Position in einem Raum exakt zu definieren. In der Praxis können sich dann schon mal schnell Abweichungen von mehr als einem Meter ergeben. Zu viel, um den Kunden im Baumarkt exakt zum Regal mit den gesuchten Schrauben zu führen. Und in einem Supermarkt ergäbe das eben nur eine ungefähre Position, mit der sich nicht sagen ließe, wo der Kunde nun tatsächlich gemäß Planogramm zugegriffen hat.

Viel präziser würden sich Kundenbewegungen natürlich mittels Kameras ermitteln lassen. Allerdings eine ziemlich teure Angelegenheit und auch auf Kundensicht nicht sonderlich praktikabel für die Navigation.

Zurück zu UWB. Mit dem U1-Chip hat Apple in seinen iPhones 11 ein Bauteil integriert, das UWB nutzt. Im Softwarecode des Betriebssysteme befinden sich Hinweise darauf, dass Apple die Technologie dafür nutzen möchte, UWB-Tags auszuwerten, damit die Nutzer schneller Dinge im Alltag finden können: ob Schlüsselbund, Geldbörse, Brillenetui. Das alles mit einer höheren Genauigkeit als via WLAN oder Bluetooth.

Wenn diese „AirTags“ tatsächlich in diesem Jahr ausgerollt würden, dürfte es nicht allzu lange dauern, dass auch andere Hersteller auf Basis von Android das Thema aufgreifen. Denn praktisch wäre das ja schon. Auf jeden Fall hat Apple damit dem Thema präziser Indoor-Navigation auf Konsumentenseite wieder etwas Leben eingehaucht. Ob das reicht, um auch in einige Jahren im Handel für Furore zu sorgen, muss sich indes erst erweisen.


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