Volltextsuche war gestern. Heute ist Visual Search.

von Gastautor am 19.September 2018 in News, Trends & Analysen

Der Einkauf beginnt oft mit einer Suche (Bild: Agnieszka Boeske von Unsplash)

Viele Personen sehen ein Produkt, wissen allerdings nicht, wie sie es beschreiben können. Dabei hilft Visual Search. Die Suchenden bekommen schneller Informationen. Für Anbieter locken vielfältige Einsatzmöglichkeiten.

Von Kristin Köck (ready2order)

Visual Search (visuelle Suche) bietet Abhilfe zur Volltextsuche. Unter die visuelle Suche fällt die Pixel-per-Pixel-Bildsuche. Dabei wird ein Bild hochgeladen. Anhand dieses Bildes wird nach Übereinstimmungen mit anderen Bildern gesucht. Die visuelle Suche wird am häufigsten für sogenannte Lifestyle-Produkte, wie Bekleidung, gefolgt von Einrichtung und Dekoration genutzt. Wohingegen bei Verbrauchsgütern, wie zum Beispiel Lebensmitteln, Visual Search eher selten eingesetzt wird.

Der einflussreichste menschliche Sinn ist die visuelle Wahrnehmung. Deshalb wird auch die visuelle Suche immer häufiger genutzt. Denn 85% unserer erlernten Fähigkeiten wurden über den Sehsinn antrainiert. Bei akustischen Informationen können nach drei Tagen lediglich 10% wiedergegeben werden. Dieses Hintergrundwissen können Unternehmen für sich nutzen, indem sie gezielt die visuelle Suche einsetzen. So besuchen Personen um 75% häufiger ein weiteres Mal eine Webseite und verbringen doppelt so viel Zeit auf dieser, wenn es die Möglichkeit der visuellen Suche gibt. So sagte der amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Philip Kotler bereits: „Um der Konkurrenz voraus zu sein, müssen Sie den Kunden nicht nur zufriedenstellen, sondern ihn mit Ihrer Leistung begeistern.“

Diese Begeisterung kann zum Teil auch mit dem Einsatz visueller Suche erzielt werden. Denn Personen suchen um 48% nach mehr Produkten, wenn sie die visuelle Suchfunktion nutzen.

Stell dir zum Beispiel folgendes vor: Dir gefällt die Tasche deines Sitznachbarn in der Bahn? Auch hier bietet die visuelle Suche einen Mehrwert. Du musst lediglich ein Foto von der Tasche machen und dieses mit der Suchmaschine scannen. Für Einzelhändler bringt das einige Vorteile:

  • Die Marke ist einfacher zu finden
  • Das Produkt ist einfacher zu finden  
  • Bei der visuellen Suche können Zusatzinformationen zum Produkt gegeben werden, wie zum Beispiel
    – Autor, Künstler, Designer, Hersteller etc.
    – Produktionsform (Fließband, handmade, fair, etc.)
    – Inhaltsstoffe, verwendete Stoffe, etc.

Die Suche wird mobil (Bild: John Felise von Unsplash)

Doch nicht nur für Händler bietet die visuelle Suche einen erheblichen Mehrwert. Auch andere Branchen können davon profitieren. Vor allem in der Marketing-Branche kann die visuelle Suche direkt eingesetzt werden. Durch das Scannen eines Werbesujets, -plakats oder -banners können beispielsweise weitere Informationen zum Produkt gegeben werden. Auch beim Eventmarketing bringt die visuelle Suche diverse Einsatzmöglichkeiten. Hier können zusätzliche Informationen, wie zum Beispiel Infos zum Veranstaltungsort, zum Wetter, zu bisherigen Veranstaltungen, zum Caterer, zu Videos von Veranstaltungen, zu Speisekarten, zu Dresscodes, zu Teilnehmern und vielem mehr preisgegeben werden, die nicht auf der Einladung ersichtlich sind.

Wettbewerbsvorteile durch Visual Search

  1. Visuelle Suche als Strategie

Visuelle Suche ist eine erfolgreiche Strategie, um neue Einnahmen aus bestehenden Inhalten zu generieren. Vor allem Einzelhändler profitieren davon. Aber auch die Marketing-Abteilung kann ihre Strategie auf Visual Search legen, wie im oberen Beispiel beschrieben.

  1. Qualitativ hochwertiger Inhalt

Der visuelle Inhalt unterscheidet sich in keiner Weise von den übrigen Inhalten einer Website: Er muss von hoher Qualität sein. Das ist keine Überraschung. Immerhin muss Vertrauen geschaffen werden, damit die Verbraucher dazu verleitet werden, direkt auf der Grundlage der Bilder zu kaufen.

  1. Kontext beachten

Um die visuelle Suche perfekt einsetzen zu können, musst du zuerst verstehen, wie deine Zielgruppe auf deiner Website interagiert. Verbraucher nutzen die visuelle Suche auf ihren mobilen Geräten anders als beim Surfen im Internet über einen Desktop- oder Laptop-Computer. Die visuellen Inhalte sollten für die Zielgruppe relevant sein. Ein schneller Selbsttest: Ist es wahrscheinlich, dass dieser visuelle Inhalt einen Benutzer dazu bewegt, eine visuelle Suche durchzuführen?

  1. Differenzieren

Differenziere und überlege, wie die visuelle Suche den Entscheidungsfindungsprozess deiner Zielgruppe unterstützt. Bei einer frühen Einführung wird das Tool auch bei der Markenbildung helfen. Man sollte immer einen Schritt voraus denken und bereits den nächsten Schritt planen, um Wettbewerbsvorteile zu erzielen.

Visual Search oder ein Bild sagt mehr als tausend Worte (Bild: Chang Duong von Unsplash)

Nicht nur für große Firmen bringt die visuelle Suche einige Vorteile. Auch kleine Websitebetreiber und Unternehmer können von Visual Search profitieren. Sie können durch gezielte Suchmaschinenoptimierung weiter organisch wachsen.

Organisches Wachstum mit Visual Search

Die visuelle Suche basiert auf einem Algorithmus. Dieser durchsucht das Internet auf Basis einer Kombination aus Schema und Bilderkennung. Bilder sind laut Google essentiell um die eigene Webseiten-Domain bekannter zu machen. Dabei darf es sich allerdings nicht um irgendwelche Bilder handeln. Die Grafiken und Fotos müssen originell und hochauflösend sein. Der zu verkaufende Gegenstand muss der Hauptfokus des Bildes sein. Außerdem müssen die Fotos einem perfekt strukturierten Markup entsprechend, ansonsten erscheinen sie nicht in der Google Suche. Ein Markup ist eine Textauszeichnung, diese strukturiert und formatiert einen Textinhalt.

Zumindest die folgenden Metadaten sollten pro Bild eingetragen werden, um ein gut strukturiertes Markup zu erhalten:

  • Name
  • Foto
  • Preis
  • Währung
  • Verfügbarkeit

Außerdem kann das Bild um diese Metadaten erweitert werden, um ein besseres Suchergebnis zu erhalten:

  • Beschreibung
  • Marke
  • URL
  • Code des Produkts
  • Enddatum, wie lange der Preis verfügbar sein wird

Auf Google gibt es ein hilfreiches Tool, mit welchem ein Markup zu Produktseiten hinzugefügt werden kann. Dabei bekommt Google detaillierte Produktinformationen, welche direkt in der Bildersuche bereitgestellt werden. Die Nutzer sehen daraufhin den Preis, die Bewertungen und die Verfügbarkeit des Produkts direkt in der Bildsuche. Allerdings dauert es bis zu einer Woche, bis Google die neuen Inhalte findet.

Zukünftig wird es viele neue Einsatzmöglichkeiten der visuellen Suche geben. Im Einzelhandel ist die visuelle Suche bereits angekommen. Personen verweilen länger auf der Seite und besuchen die Seite zu einem Großteil ein weiteres Mal, wenn die visuelle Suchfunktion angeboten wird. Auch für das organische Wachstum bietet die visuelle Suche diverse Einsatzmöglichkeiten. Dennoch hat sich Visual Search noch nicht flächendeckend durchgesetzt. In Zukunft wird es spannend zu beobachten sein, in welchen Geschäftsbereichen sich die visuelle Suchfunktion durchsetzen wird.

Über die Autorin:

Kristin Köck ist als Content Marketing Managerin bei dem österreichischen StartUp ready2order tätig. ready2order ist eine cloud-basierte Kassensoftware für alle Endgeräte und Branchen. Zuvor hat sie als Journalistin und Sportfotografin bei einer österreichischen Zeitung gearbeitet und einen Masterabschluss in Media Management gemacht. Dabei hat sie sich vor allem auf Marketing und Content Management spezialisiert. Auch jetzt steht die Content Produktion und die Vermarktung dieser im Vordergrund. (Kristin Köck auf LinkedIn & Xing)

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