Warum Lidl Pay gute Erfolgsaussichten hat.

von Stephan Lamprecht am 08.Juli 2019 in News

Bei Lidl gibt es bald nicht nur mehr Packstationen, der Discounter experimentiert auch mit eigenem Payment. (Foto:Lidl)

Ein Schritt vor, dann wieder einen zurück. So wirkte bislang die Digitalisierungsstrategie des Discounters. Jetzt will man sich offenbar wieder schneller bewegen. Zunächst machte das Unternehmen Schlagzeilen mit seiner neuen App „Lidl Plus“, jetzt kommt offenbar eine eigene Bezahllösung hinzu. Und das kann durchaus erfolgreich sein.

Noch ist nicht so richtig viel über die eigene Paymentlösung von Lidl bekannt. Gestartet wird damit in Spanien. Lidl Pay ist als digitale Geldbörse in die Lidl Plus-App integriert. Der fällige Betrag wird von der in der App hinterlegten Kreditkarte von Visa oder Mastercard abgebucht. In Deutschland könnte zu den Kreditkarten die Lastschrift hinzukommen. Mit der Kasse kommuniziert das Smartphone per QR-Code. Aktuell befindet sich Lidl Plus in Deutschland ja noch in einem Testlauf. Möglicherweise wird die digitale Kundenkarte dann im kommenden Jahr bundesweit ausgerollt. Und in diesen Rollout könnten dann natürlich auch gleich die Erfahrungen mit dem Bezahlverfahren einfließen.

Natürlich gibt es in den sozialen Medien auch bereits die ersten kritischen Stimmen, die Lidl ein Scheitern vorhersagen. Warum nicht Google Pay? Apple Pay? Oder wenigstens PayPal? Dabei wird gern vergessen, dass eine der populärsten mobilen Bezahlverfahren in den USA auch eine Insellösung ist. Und die stammt von Starbucks. Googles Geschäftsmodell sind Daten und Werbung. Daten als Futter für immer mehr auf den Nutzer zugeschnittene Werbung. Apple muss erst noch beweisen, dass es tatsächlich nur von seinem teuren Mauthäuschen in Sachen Payment leben will, sich also der gerade stets ausgerufene Respekt vor der Privatsphäre der Nutzer nicht als Luftschloss erweist. In welche Hände sich ein Händler wie Lidl auch immer begibt, die Kundendaten sind erstmal futsch. Von daher ist der Schritt, seine eigene Lösung aufzubauen, durchaus nachvollziehbar.

Ein in den Büchern spürbarer Nebeneffekt dürfte die Ersparnis bei den Transaktionskosten für die Zahlungen sein. Aus Sicht eines Discounters kein unwichtiges Argument. Mit dem „Händlerbasierten Instant Payment am POS“ (HIPPOS) existiert zwar eine smarte Idee, wie sich Instant und Mobile Payment kombinieren lassen, aber einerseits ist hier von Marktreife noch nichts zu sehen. Zum anderen leiden händlerübergreifende Payments zu Beginn stets am berühmten Problem mit dem Huhn und dem Ei. Der Anbieter braucht zunächst relevante Partner, der dann auch genug Kunden besitzt, damit das ganze Verfahren überhaupt in Fahrt kommt.

Eine Kundenbasis hat Lidl ohne Zweifel bereits. Und die Kombination aus Loyalty und Payment wird offenbar auch geschätzt, man denke nur an die Breuninger Card, die Treuepunkte und Sammellastschrift kombiniert, oder auch an Payback Pay. Die Frage wird sein, ob es dem Discounter gelingt, seine App mit so vielen Mehrwerten und Vorteilen (analog zu Starbucks) aufzuladen, dass diese von den Kunden gern zur Hand genommen wird. Dann werden sie auch damit bezahlen wollen. Schlecht sind die Erfolgsaussichten in dieser Hinsicht aber nicht.


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