Was hinter der Covid-19-Drop-Strategie steckt, Martin Wild geht bei MediaSaturn, US-Händler entlassen Mitarbeiter.

von Stephan Lamprecht am 31.März 2020 in News

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

das kontaktlose Bezahlen liegt momentan ja mehr als im Trend. Lidl will bei seiner eigenen Payment-Lösung offenbar schneller vorankommen, während es bei Mediasaturn eine personelle Veränderung gibt. In den USA verlieren wegen der Corona-Krise Tausende Mitarbeiter aus dem Handel ihre Arbeitsplätze. Diese und weitere News haben wir für Sie heute.

Interview zu Fashion & Coronakrise

Ohne Zweifel treffen die aktuellen Schließungen die Modebranche stark, die 14 Prozent des gesamten Einzelhandelsvolumens in Deutschland erzieht und für fast 80 Milliarden Euro Jahresumsatz steht. Wir haben mit Sebastian Rieder, Co-Founder und CEO von BETAFASHION, gesprochen. Er erklärt in unserem Interview, was hinter der Strategie „Covid-19 Drop“ steckt und meint: „Jetzt geht es darum, Dinge anzupacken und nicht in der ersten Schockstarre zu verharren.“ Sein Ansatz: Hersteller sollen ihre Warenbestände weltweit umverteilen und Händlern ihre Abnahmeverpflichtungen streichen.

Initiativen für Händler, mehr Kunden, mehr kontaktlos

Die Corona-Krise beeinflusst den Geschäftsgang bei Cyberport positiv. Das liegt nicht allein an dem erhöhten Bedarf von Elektronik für das Home-Office. Die Kunden kaufen ebenfalls stärker Tablets und Spielkonsolen, um sich zu Hause abzulenken. Seit Anfang März hat sich der Kundenstamm beim Unternehmen somit verdoppelt.

Während Adidas die Stundung von Mietzahlungen während der Corona-Krise eher unglücklich kommuniziert hat, geht Deichmann mit dem Thema offen um. So wendet sich das Unternehmen auf Instagram direkt an seine Community, um die Schritte zu erklären. Auch eine Presseerklärung ist abrufbar. Darin betont das Unternehmen das Miteinander. Vermieter sollen durch den Schritt nicht in eigene Notlage kommen. Die Kette weist deutlich darauf hin, dass der Online-Verkauf die aktuellen Verluste nicht annähernd kompensiert.

Auch Douglas prüft die Unterstützung durch staatliche Hilfen und befindet sich im Dialog mit den Vermietern der Läden. Chefin Tina Müller und andere Führungskräfte verzichten aktuell auf Gehalt. Im Interview erklärt sie, dass das Geschäftsmodell der Kette vor Ausbruch der Krise funktioniert habe. Deswegen will sie auch nicht, dass das Unternehmen jetzt mit anderen Firmen in einen Topf geworfen werde, die vorher in wirtschaftlichen Schwierigkeiten steckten. Douglas werde aus der Krise gestärkt hervorgehen.

Der Anbieter von iPad-Kassensysteme Inventorum bietet Händlern die Option, den zum Gesamtsystem gehörenden Online-Shop sechs Monate kostenlos zu nutzen. Nach Ablauf der Frist endet die Nutzung, es fallen so keine unbeabsichtigten Kosten an. Es sei denn, der Händler möchte den Service weiter nutzen.

Die Sichtbarkeit von lokalen Geschäften will Bonial verbessern. Unter dem Motto „kaufDA, wo du zuhause bist“ können alle kleinen, lokale Geschäfte und Läden den Service von kaufDA kostenlos nutzen, um während der Corona-Krise weiterhin auf Angebote, Produkte oder Dienstleistungen hinzuweisen, beispielsweise auf einen Liefer- oder Abholdienst.

Die deutsche Kreditwirtschaft erhöhte das Limit für kontaktlose Zahlungen mit der Girocard auf 50 Euro. Es bleibt bei der Vorgabe, nach spätestens fünf Zahlungen oder der Gesamtsumme von 150 Euro erneut die PIN am Terminal eingeben.

Sport 2000 hat die Onlineplattform sport2000.com schneller als geplant gestartet. So sollen die angeschlossenen Verbundpartner über den Onlineverkauf einen Teil der durch Schließungen verlorenen Umsätze kompensieren.

Das Marktforschungsinstitut Innofact hat im März Verbraucher zu ihrem aktuellen Konsumverhalten in der Corona-Krise befragt. Die Mehrheit räumt ein, „etwas mehr“ Toilettenpapier und Nudeln zu kaufen. Nur ein kleiner Teil kauft „deutlich mehr“. Männer legen während der Krise mehr Alkohol in den Einkaufswagen.

Corona in den USA

In den USA „beurlauben“ Macy’s, Gap und Kohl’s einen Großteil ihres Personals. Da die USA keine Kurzarbeit kennen, bedeutet die Beurlaubung nichts anderes als unbezahlte Freistellung. Die Unternehmen wollen die Mitarbeiter schrittweise nach dem Ende der Krise wieder anstellen. Die Freistellung betrifft insgesamt über 320.000 Mitarbeiter.

Walmart betont dagegen, den Kunden ein „kontaktfreies“ Einkaufen in seinen Filialen anzubieten. Bisher mussten die Kunden in den Märkten am Terminal die Option „Walmart Pay“ per Touch auswählen. Dies wird ab der kommenden Woche über einen QR-Code gelöst. So entfällt dieser Schritt vor der Bezahlung per App.

Was sonst noch wichtig ist

Lidl kündigt gegenüber der Lebensmittelzeitung an, sein mobiles Bezahlsystem Lidl Pay auch nach Deutschland zu bringen. Es wird voraussichtlich an das Bonusprogramm Lidl Plus geknüpft. In Spanien ist Lidl Pay bereits aktiv im Einsatz. Die Kunden können dort Kreditkarten in der App als Zahlungsmittel hinterlegen. Die Bezahlung an der Kasse ist nicht via NFC-Schnittstelle wie bei Google oder Apple umgesetzt, sondern funktioniert mit einem QR-Code.

Seinen Abgang von MediaSaturn hat Martin Wild (im Bild rechts), bisher Chef für Innovationen in Ingolstadt, über LinkedIn verkündet. Langeweile fürchtet er nicht. In seinem Posting verrät er, dass er an einem Buch zu digitalen Innovationen im Handel arbeitet.

Bauhaus übernimmt die Freizeitmärkte von Knauber. Als Gründe für den Verkauf nennt das Unternehmen den wachsenden Wettbewerb. Knauber könne sich als Mittelständler mit sechs Standorten nicht mehr gegen Amazon und andere durchsetzen. Das Unternehmen beschäftigt rund 650 Mitarbeiter und erzielt als Gruppe einen Jahresumsatz von rund 470 Mio. Euro.

Für mehr Transparenz in der Lieferkette sorgt Lidl. Als einer der ersten Lebensmittelhändler veröffentlicht das Unternehmen auf seiner Webseite eine Liste der Hauptlieferanten für das Food- und Non-Food-Eigenmarkensortiment. Aufgeführt werden unabhängige Hersteller, die für Lidl beispielsweise Backwaren, Getränke, Kosmetik oder Reinigungsmittel produzieren.

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