Wie Mobile und die Digitalisierung den Handel in allen Dimensionen beeinflussen.

von Gastautor am 29.Mai 2015 in Highlight, Trends & Analysen

Barcoo CEO Benjamin ThymFünf Thesen zur digitalen Zukunft im lokalen Einzelhandel von Benjamin Thym

Den viel beschworenen Untergang des lokalen Einzelhandels wird es nicht geben. Viele wollen die Digitalisierung und damit verbundene Phänomene, wie Showrooming, für sinkende Umsätze im Präsenzhandel verantwortlich machen und sehen schwarz für den Einzelhandel.

Klar, niemand leugnet, dass der Online-Handel Marktanteile gewinnt. Aber gerade die Digitalisierung ist eine große Chance für den lokalen Handel. Händler sollten sie nicht verteufeln, sondern für sich nutzen, und das in allen Dimensionen:

Präsenz: Reine Online-Händler eröffnen auch lokale Geschäfte oder sterben aus

Wenn jetzt schon Online-Händler offline Geschäfte eröffnen, kann die Präsenz eines Ladengeschäfts ja nicht so schlecht sein. Und immer mehr reine Online-Händler werden dazu übergehen, auch Läden zu eröffnen, weil lokaler Handel weiterhin eine große Rolle spielen wird.

Kundenansprache: Das Offline-Verhalten der Konsumenten bestimmt das digitale Marketing

Neue Technologien, wie Beacons, erlauben durch die Analyse des Verhaltens im lokalen Einzelhandel Rückschlüsse auf die Interessen und Präferenzen der Konsumenten und werden somit mehr und mehr das digitale Marketing beeinflussen. Die weitverbreitete Nutzung von Smartphones ermöglicht die Ansprache der Konsumenten vor Ort am PoS. Hier hat der lokale Handel sogar einen Vorteil gegenüber dem klassischen Online-Handel vom Heim-PC. Auch den Vorteil des Targetings hat der Online-Handel nicht alleine. Technologien wie Beacons machen für lokale Händler sogar Retargeting möglich. Wir nennen es Physical Retargeting.

Preise: Personalisiertes Pricing wird Realität

Der Markt der Preis-Promotionen ist alleine bereits im Bereich der Schnelldreher, sogenannte Fast Moving Consumer Goods (FMCG), viele Milliarden schwer und wächst rasant. Aber oftmals fehlt die Effizienz und die Marge aller Beteiligten leidet stark. Eine Lösung sind personalisierte Preise, die online schon verbreiteter sind, als im lokalen Einzelhandel. Wir werden sie jedoch auch dort in Zukunft immer häufiger sehen. Dies wird meist über personalisiertes Couponing laufen, das sich aus der jeweiligen Kaufbereitschaft ableitet.

Service: „Tante Emma“ erlebt ein Revival

Die Digitalisierung des Shoppings auf allen Ebenen bewirkt zwar, dass individuelles Konsumverhalten gläsern wird. Jedoch wird das den Konsumenten zugutekommen, indem sie dadurch individuelle Kaufberatung im „Tante Emma“-Stil erhalten. Der Einkauf wird nicht trotz, sondern wegen der Digitalisierung persönlicher. Über das Smartphone lassen sich schon heute Informationen zu genau dem Produkt abrufen, das man in der Hand hat. Außerdem erhalten Verbraucher mittlerweile per App und Push nur die Supermarktangebote, die sie wirklich sehen möchten. Das, was früher „Tante Emma“ über die Kaufgewohnheiten ihrer Kunden wusste, weiß jetzt eine App. Diese kann die Nutzer genauso persönlich und individuell ansprechen, wie diese es wünschen.

Monetarisierung: Showrooming wird messbar und dadurch monetarisierbar

Der Erfolg von Warenhäusern wird sich nicht mehr nur anhand der Umsätze bemessen, sondern zusätzlich anhand des Einflusses auf das Online-Kaufverhalten. Offline und Online wachsen beim Shopping viel mehr zusammen. Zur Customer Journey gehört auch der Besuch im Ladengeschäft, der durch die Digitalisierung nachvollziehbar und messbar wird.

Die Technologien dafür gibt es längst. Aber Beacons und Geofencing sind nicht das Ende der Fahnenstange. Es wird noch viele spannende technische Entwicklungen in den nächsten Monaten und Jahren geben. Noch können Händler und die Anbieter der Technologien Vieles ausprobieren und testen. Bei den Kunden herrscht noch Welpenschutz und sie verzeihen es oft, wenn sie mal eine Pushnachricht zu viel erhalten oder ein Text zu werblich ist. Solange diese Bereitschaft bei den Verbrauchern besteht, können Händler lernen, was ihre Kunden anspricht, welche Coupons wann funktionieren, wann Textnachrichten zu werblich sind oder wie viele Nachrichten zu viel sind. Die Konsumenten sind dafür derzeit noch offener als man denkt.

Über Benjamin Thym

Benjamin Thym gründete 2009 mit Freunden die App barcoo, um Verbrauchern mehr Transparenz beim Einkauf zu ermöglichen. Der Produkt-Guide wurde bisher auf über 15 Mio Mobiltelefonen installiert. Das Unternehmen dahinter, die checkitmobile GmbH, betreibt mit rund 40 Mitarbeitern auch die Spar-App Wunderkauf. Mit barcoo beacons sind die Berliner außerdem Dienstleister für den lokalen Handel. Zu den Kunden zählen beispielsweise SportScheck, real, Lindner Hotels und die Berliner Bank.


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