Wie relevant ist Same Day Delivery für den lokalen Handel?

von Matthias Hell am 18.Dezember 2013 in Trends & Analysen

Gerade zur Weihnachtszeit werden Expresslieferdienste gerne beworben – und dabei fällt ein besonderes Schlaglicht auf den Trend zur Same Day Delivery, also die Lieferung am selben Tag der Bestellung. Auch in Deutschland bieten inzwischen mehrere Logistikdienste Same-Day-Services an, doch ist die Attraktivität für den Endkunden weiterhin umstritten. Aus Sicht des lokalen Einzelhandels besitzt das Thema allerdings durchaus seine Berechtigung.

Dass Same Day Delivery allerdings mehr ist als nur ein vorübergehender Trend, zeigt ein Blick auf das bereits recht breite Anbieterspektrum. Der Neocom-Blog hatte dazu Mitte des Jahres eine gute Übersicht veröffentlicht: Neben internationalen Vorreitern wie Postmates, eBay Now und Google Shopping Express bieten in Deutschland Tiramizoo und Amazon Evening Express Same-Day-Dienste an. Dazugekommen sind in den letzten Monaten hierzulande noch einmal DHL, DPD und – mit einem Pilotprojekt – MyTaxi.

tiramizooo

Ebenfalls recht hoch ist im Bereich Same Day Delivery mittlerweile die Investorenaktivität. Wie Exciting Commerce im Sommer zusammenstellte, sind an Tiramizoo DPD und Daimler beteiligt, ist Daimler Mobility Services auch bei MyTaxi an Bord und ist UPS bei dem innovativen belgischen Lieferdienst Kiala eingestiegen. Im Oktober übernahm zudem eBay den britischen Same-Day-Dienst Shutl und will damit seinen Express-Service eBay Now auch sukzessive in Europa ausrollen.

Schnell, zeitgenau – oder beides?

Trotz der emsigen Aktivität im Same-Day-Bereich ist weiterhin höchst umstritten, wie relevant das Angebot entsprechender Express-Lieferservices für den Handel ist. Hugendubel.de und Cyberport sind zwei Beispiele für (Online-)Händler, die Erfahrungen mit der Same Day Delivery via Tiramizoo sammelten. Cyberport-Geschäftsführer Olaf Siegel kam im Februar zu einem eher ernüchternden Fazit, bietet Same Day Delivery aber weiter an:

„Aus unserer Sicht ist Same Day Delivery vor allem ein B2B-Thema, zum Beispiel wenn es um die Lieferung von dringend benötigten Ersatzteilen geht. Endkunden hätten Same Day Delivery ebenfalls gerne, sind in der Regel aber noch nicht dazu bereit, extra dafür zu bezahlen.“

Wie auch die Wirtschaftswoche vor einiger Zeit in einem lesenswerten Beitrag feststellte, drückt die Konsumenten der Schuh nämlich primär woanders: Gerade Kunden, die oft im Internet bestellen, sind tagsüber nicht zu Hause und werden von den Paketdiensten nur schwer angetroffen. Wichtiger als die Lieferung innerhalb weniger Minuten wäre es für diese Online-Powershopper, ihre Bestellungen treffsicher in einem vorab festgelegten Zeitfenster in Empfang nehmen zu können. Um diesen Bedürfnissen entgegenzukommen, bieten alle großen deutschen Paketdienste inzwischen die Möglichkeit, den Lieferzeitpunkt einzugrenzen und vorab festzulegen. Einen guten Überblick dazu bietet die FAZ. Klar ist aber auch: Schnelle oder Genauigkeit sind für die Logistiker und ihre Kunden keine Alternativen, sondern werden Hand in Hand gemeinsam weiterentwickelt.

Die Möglichkeiten für den lokalen Handel

Eigentlich ist es kurios, dass das Thema Same Day Delivery vor allem in Zusammenhang mit dem boomenden E-Commerce ins Bewusstsein der Konsumenten geschwappt ist – denn der zentral versendende Online-Handel ist per se nicht gerade für Expresslieferangebote prädestiniert, wie auch Mathias Thomas, Chef des Logistik-Spezialisten TUP kürzlich gegenüber Location Insider erklärte:

„Wenn man nicht gerade Amazon ist, gehen Angebote wie eine Same-Day-Delivery nur, wenn man sie dezentral organisiert.“

Deutlich naheliegender sind dagegen die Möglichkeiten, die Same Day Delivery dem lokalen Handel eröffnen könnte: Bringt dieser sein Warenangebot ins Netz und verknüpft dieses mit einem schnellen örtlichen Lieferdienst, kann der Einzelhandel die Reichweite seines Angebots deutlich erhöhen und im Netz mit E-Commerce-Anbietern in Wettbewerb treten. Ein gutes Beispiel dafür ist das Münchner Bekleidungshaus Lodenfrey, dass über eine Kooperation mit Tiramizoo in seinem Einzugsgebiet zu einem Express-Online-Händler wurde. Interessant wird es auch, wenn neue Same-Day-Startups den Einzelhandel gezielt ansprechen und diesem die entsprechende Online-Vermarktung als Service mitanbieten, wie es MyLane plant.

Die mittelfristige Bedeutung des Same-Day-Trends für den lokalen Handel zeigt sich zudem in den Zukunftsszenarien, welche die Teilnehmer des Logistik-Panels bei der diesjährigen E-Commerce-Konferenz K5 entwarfen:

„Einigkeit herrschte darüber, dass Same-Day-Delivery keine Standardmöglichkeit für den Versand ist, aber spannende Potenziale bietet: Sofortlieferservices könnten sich als Erleichterung der Supply-Chain auch für stationäre Händler anbieten, die verstärkt in Richtung Showrooming gehen wollen, erklärte Logistik-Experte Oliver Dahms. Unter dem Schlagwort “City as a Warehouse” plädierte auch DHL-Manager Thomas Ogilvie für die Online-Verkatalogisierung stationärer Sortimente.“

Der Trend zu immer schnelleren Lieferungen beschert damit lokalen Händlern eine Zusatzfunktion als dezentrale Versandzentren und dürfte auch immer mehr Online-Händler dazu bringen, stationäre Filialen zu eröffnen. Denn die mit Konzepten wie Same Day Delivery verbundene Unmittelbarkeit ist nun einmal eine Dimension, die sich zwangsläufig ohne lokale Komponente nicht umsetzen lässt.


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