Neues eBay-Pilotprojekt: Mönchengladbach ist nicht Wuppertal.

von Matthias Hell am 05.Oktober 2015 in Local Heroes

Mit dem Pilotprojekt „Mönchengladbach bei eBay“ steigt nun auch eBay ins lokale Marktplatzgeschäft ein. Nicht nur die räumliche Nähe lädt zum Vergleich mit der Handelsinitiative Online City Wuppertal ein. Doch zielt das eBay-Projekt stärker darauf ab, lokale Händler in den überregionalen E-Commerce zu bringen und wird den teilnehmenden Einzelhändlern auch mehr Eigeninitiative abverlangt.

Die Partner hinter "Mönchengladbach bei eBay": Professor Heinemann, Wirtschaftsförderer Schueckhaus, eBay-Chef Zoll und Bürgermeister Reiners

Die Partner hinter „Mönchengladbach bei eBay“: Professor Heinemann, Wirtschaftsförderer Schueckhaus, eBay-Chef Zoll und Mönchengladbachs Bürgermeister Reiners

Das Etikett „eBay-Pilotprojekt“ greift im Hinblick auf die Mönchengladbacher Initiative allerdings etwas kurz. Hinter „Mönchengladbach bei eBay“ steht das Projekt mg.retail2020, das wiederum von der Wirtschaftsförderung Mönchengladbach und dem vom Handelsexperten Gerrit Heinemann geleiteten eWeb Research Center der Hochschule Niederrhein auf den Weg gebracht wurde. Wie Heinemann bei der Vorstellung des Local Shopping-Projekts erklärte, wolle man damit in der Praxis erproben, wie der stationäre Handel vom zusätzlichen Vertriebskanal online profitieren könne. Wegen der hohen Frequenz habe man sich für die Zusammenarbeit mit einem reinen Online-Marktplatz – also nicht einem Mischmodell wie Amazon oder Zalando – entschieden und insgesamt sieben Anbieter detailliert unter die Lupe genommen. Dabei habe sich gezeigt, dass im Hinblick auf die Anforderungen sowohl der Händler wie auch der Kunde eBay deutlich gegenüber jüngeren, dezidiert lokal ausgerichteten Wettbewerbern wie Simpy Local, Locafox oder Atalanda punkte.

Das Resümee des Wirtschaftsprofessors stellt für eBay eine schöne Bestätigung dar, spart aber auch nicht mit Kritik an den reinen Local-Marktplätzen. „Der Vorteil des gewählten Modells ist, dass wenn Kunden bei Mönchengladbacher Händlern nichts finden, sie in der riesigen Auswahl von eBay weitersuchen können“, erklärte Heinemann. „Bei Online City Wuppertal ist das Angebot dagegen rein auf Wuppertal begrenzt.“ Zudem habe man die Zusammenarbeit mit einem Startup vermeiden wollen, da diese nun einmal sehr geringe Erfolgschancen hätten. „Warum sollte eine Stadt ein Startup besser zum Erfolg führen können als ein Finanzinvestor?“, so Heinemanns rhetorische Frage.

Kein Strategiewechsel für eBay

Auch optisch fügt sich das Pilotprojekt in das gewohnte eBay-Umfeld

Auch optisch fügt sich das Pilotprojekt in das gewohnte eBay-Umfeld

Zum Start sind bei „Mönchengladbach bei eBay“ 50 Händler vertreten und wie eBay-Deutschland-Chef Stephan Zoll berichtete, befänden sich bereits 15 weitere Händler in Anbindung und halte man mittelfristig eine Zahl von 100 Händlern für realistisch. Bereits heute sind insgesamt 200.000 Artikel von Mönchengladbacher Händlern gelistet – eine im Vergleich zu anderen Portalen sehr hohe Zahl, allerdings zählen dazu auch die von den lokalen Saturn- und Media-Markt-Filialen angebotenen Artikel. Die Dauer des Pilotprojekts ist zunächst bis Sommer 2016, also auf rund neun Monate ausgerichtet. Zu den Besonderheiten des Modells gehört, dass das bei Lokalmarktplätzen sonst oft in den Hintergrund gerückte Thema Preis- und Artikelattraktivität durchaus eine Rolle spielt und alle zwei Wochen wechselnde Top-Angebote Mönchengladbacher Händler herausgestellt werden. Zudem gibt es das Format „Händler der Woche“, bei dem jeweils ein Händler explizit auf der Startseite MG-bei-eBay.de mit seinem Sortiment und Ladengeschäft präsentiert wird.

eBay-Chef Stephan Zoll machte aber auch klar, dass das Pilotprojekt für den Online-Marktplatz keinen Strategiewandel darstellt: „Das Thema stationärer Handel ist für eBay nicht neu, rund die Hälfte der professionellen eBay-Verkäufer in Deutschland betreibt auch ein Ladengeschäft.“ Mit dem Projekt in Mönchengladbach wolle der Marktplatzbetreiber herausfinden, wie attraktiv es für lokale Kunden ist, online bei stationären Händlern in der Umgebung einzukaufen, bzw. wie interessant es für Kunden bundesweit ist, bei neuen eBay-Händlern mit einer stationären Verwurzelung zu shoppen. Gleichzeitig bemühte sich Zoll, keine überzogenen Erwartungen zu wecken. „Das Pilotprojekt in Mönchengladbach bedeutet nicht, dass wir das gleich in anderen Städten wiederholen.“ eBay werde beobachten, wie attraktiv das Modell für alle Beteiligten sei und dann über die weitere Entwicklung entscheiden. Auch betonte der eBay-Chef, dass den Mönchengladbacher Händlern keine Sonderstatus zufalle, sondern diese ihre Angebote wie jeder eBay-Verkäufer selbstständig einstellen und verwalten müssten.

Händler in der Verantwortung

Einer der teilnehmenden Händler: Das "Haus der Braut"

Einer der teilnehmenden Händler: Das „Haus der Braut“

Den Aspekt Händlereigenverantwortung stellte auch Wirtschaftsprofessor Gerrit Heinemann heraus. Die Voraussetzungen zur Teilnahme an „Mönchengladbach bei eBay“ seien für Händler nicht einfach. Um die Anzeige stationärer Warenverfügbarkeiten zu gewährleisten, müssten diese ein elektronisches Warenwirtschaftssystem betreiben. Davon, Händlern hier mit eher manuellen Lösungen entgegenzukommen, wie das zum Teil bei Online City Wuppertal der Fall ist, hält Heinemann wenig: „Wir wollten nicht bei Null anfangen, weil die nötige Zeit für den Handel nicht mehr da ist.“ Ziel des Projekts sei es, Händler auf die Anforderungen im digitalen Handel zu sensibilisieren. „Nur Händler zu digitalisieren, aber keinen Umsatz damit zu machen, war für uns keine Option“, so Heinemann mit Blick auf Regionalportale und lokale Händlerverzeichnisse.

Im Unterschied zu Online City Wuppertal gibt es für „Mönchengladbach bei eBay“ auch kein korrespondierendes Logistik-Konzept – und erst recht keine Same-Day-Delivery-Option. „Aber ein Händler kann die bestellte Ware auch mal selbst vorbeibringen, das kann für den Händler eine Riesenchance sein“, so Heinemann. Ganz ohne Hilfe müssen die Mönchengladbacher Händler allerdings nicht bleiben. So hat eBay im Vorfeld interessierte Ladenbetreiber geschult und wird das auch weiter tun. Und mit dem iPad-Kassensystem Inventorum ist bei dem Projekt ein weiterer Partner an Bord, der den Händlern das Angebot auf dem Online-Marktplatz deutlich erleichtern kann. Über die entsprechende Funktion im Backend von Inventorum können Händler Artikel, die mit dem iPad-Kassensystem digital erfasst wurden, gewissermaßen per Knopfdruck bei eBay anbieten. „Wir freuen uns sehr, dass wir mit unserer iPad-Kassenlösung mit integriertem Warenwirtschaftssystem und Online-Shop Teil dieser zukunftsweisenden Initiative von eBay und mg.retail2020 sind und Einzelhändlern vor Ort zeigen können, wie sich die Verbindung zwischen dem stationären Geschäft und E-Commerce zukünftig meistern lässt“, erklärt dazu Inventorum-Gründer Christoph Brem.

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