Revolution des stationären Einzelhandels durch iBeacon?

von Gastautor am 13.Oktober 2015 in Trends & Analysen

Anna ZingrafVon Anna Zingraf

Beacons im Handel: Anna Zingraf hat sich im Rahmen ihrer Masterthesis an der Hochschule RheinMain mit der Frage auseinandergesetzt, ob die iBeacon-Technologie den stationären Einzelhandel in Zukunft revolutionieren wird. Ihre eindeutige Antwort: „Nein, denn von einer Revolution des stationären Einzelhandels durch den alleinigen Einsatz der iBeacon-Technologie ist nicht auszugehen, aber von einer schrittweisen Integration des Online- und Offline-Handels“, schreibt Zingraf.  Demnach bringt diese Einbindung vor allem dann neue Chancen für Händler und Kunden, wenn die Risiken und Herausforderungen ernst genommen und minimiert werden würden. Location Insider veröffentlicht im Folgenden das Fazit der Masterarbeit „Revolution des stationären Einzelhandels durch iBeacon? Eine Analyse der Einsatzmöglichkeiten und Entwicklung von Einsatzempfehlungen.“

Fazit

„Ich wage zu behaupten, dass Beacons unser Einkaufserlebnis und die Art, wie wir einkaufen, revolutionieren werden“, so Florian Gmeinwieser von der Agenturgruppe Serviceplan (1). Der Tenor bis dato war, dass die iBeacon-Technologie der heilige Gral für den stationären Handel sei. (2) Durch die Möglichkeit der Standortbestimmung eröffnet die Technologie in Kombination mit einer App neue Perspektiven für viele Anwendungsfelder im stationären Einzelhandel, die aus Marketing- und Service-Gesichtspunkten einen Mehrwert darstellen können. Einzelne Schritte entlang der Customer Journey am POS lassen sich mit Hilfe der iBeacon-Technologie unterstützen und verbessern. Eine Verbesserung des klassischen Einkaufens erfolgt insbesondere durch die Integration bestimmter Funktionen des Kundenbeziehungsmanagements in den stationären Handel, die bisher nur dem E-Commerce vorbehalten waren. Grundsätzlich sind Einsatzmöglichkeiten der Technologie in den Bereichen Indoor-Navigation, Indoor-Analytics und Marketing und Service am POS (durch relevante Angebote, Produktinformationen, -bewertungen und -empfehlungen sowie Kundenbindungsprogramme und Plakatwerbung am POS) denkbar. Ferner lassen sich durch Erweiterungen des iBeacon-Standards auch Mobile Payment-Lösungen realisieren.

Der aktuelle iBeacon-Hype hat sicherlich die Fantasie angeregt, was mit ortsbezogenen Diensten realisiert werden kann. Dennoch hat die empirische Untersuchung im Rahmen der Expertenbefragungen gezeigt, dass die Technologie einige Herausforderungen und Risiken mit sich bringt. Die technischen Herausforderungen, wie u.a. die einer genauen Ortung durch eine verminderte Reichweite oder die einer zu geringen Batterielaufzeit, welche ein regelmäßiges Funktionsmonitoring erfordert, deuten daraufhin, dass die Technologie noch in den Kinderschuhen steckt. Die größte Herausforderung liegt allerdings im intelligenten Einsatz der Technologie. Der Einsatz muss auf die Konsumenten und deren Bedürfnisse ausgerichtet sein, d.h. der Händler muss sich überlegen, wie er seinen Kunden in seinem Geschäft einen Mehrwert bieten kann. Irrelevante Push-Nachrichten können zur Reaktanz der Kunden und somit zu einem Ende der Kundenansprache am POS mit Beacons führen. Ferner stellt sich für einen erfolgreichen Einsatz der Technologie in Deutschland die bedeutsame Frage, inwieweit die Verbraucher ihre Sorge um den Datenschutz überwinden können.

Abschließend kann festgehalten werden, dass bei einem intelligenten und verantwortungsvollen Einsatz der iBeacon-Technologie der stationären Einzelhandel durch eine neue Möglichkeit der Kundenansprache und -bindung Kunden zurückgewinnen und an sich binden kann. Beacons haben zudem das Potenzial, als „Missing Link“, den stationären Handel in die digitale Ökonomie zu integrieren, indem die Vorteile des Online-Handels mit den Stärken des Offline-Handels kombiniert werden können. (3) Dennoch stellt die Technologie für alle Befragten nicht alleine ein Gamechanger dar. Sie ist vielmehr ein weiteres Mosaik in dem großen „Internet der Dinge“ und damit ein weiterer Baustein in Richtung Digitalisierung und einer Verknüpfung des Online- und Offline-Handels. Für die stationären Händler führt kein Weg mehr an einem integrierten Multi-Channel-System vorbei, um an den Potenzialen des weiter zunehmenden „Channel-Hopping“ teilhaben zu können. Der Wunsch des Kunden nach einem reibungslosen Kanalwechsel erfordert zunehmend die Integration und Vernetzung der Offline- und Online-Kanäle zu einem stimmigen Gesamtsystem.

Um eine Antwort auf die Initialfrage zu geben, ob sich der stationäre Einzelhandel und damit das Einkaufen für den Nutzer in Zukunft durch den Einsatz der iBeacon-Technologie grundlegend verändern kann: Nein, von einer Revolution des stationären Einzelhandels durch den alleinigen Einsatz der iBeacon-Technologie ist nicht auszugehen, aber von einer schrittweisen Integration des Online- und Offline-Handels, die vor allem dann neue Chancen für Händler und Kunden mit sich bringt, wenn die Risiken und Herausforderungen ernst genommen und minimiert werden.

Über Anna Zingraf:

Anna Zingraf hat ihre Masterthesis an der Hochschule RheinMain in Wiesbaden im Fach eBusiness geschrieben und sich dabei intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, ob die iBeacon-Technologie den stationären Einzelhandel in Zukunft revolutionieren wird. Im Juli 2015 hat sie erfolgreich ihr Studium beendet.

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(Quellen:
(1) Berdi, C. (15.01.2015), Im Bann der Leuchtfeuer. Medium der Wahl, S. 28
(2) Vgl. Experteninterview Susanne Wunderle, Text 6, Frage 39
(3) Vgl. Städele, K. (18.08.2014), Wie man Kunden klüger ködert, S. 16)



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