Warum die Digitalisierung nicht nur das Leben der Kunden verschönert, sondern auch das der Händler.

von Gastautor am 26.Oktober 2015 in Trends & Analysen

Yapital GmbH  - Martin Zander

Von Martin Zander

Die Retail-Trends 2016 bringen drei positive Veränderungen im Alltagsgeschäft

Die Digitalisierung setzt Händler unter Druck: Sie müssen ihre Geschäftsmodelle und ihre Arbeitsweisen verändern – und infolgedessen auch ihren Alltag. Gerade für den Alltag der Händler bringt die Digitalisierung im kommenden Jahr aber auch positive Veränderungen.

Dem einzelnen Händler eröffnen sich neue Umsatzchancen. Er hat weniger Stress und geringere Kosten durch seine Bezahlvorgänge. Und er steht nicht länger allein vor den Herausforderungen der Digitalisierung, sondern geht sie im Verbund mit anderen lokalen Einzelhändlern an.

2015 neigt sich dem Ende zu. Es wird Zeit für den Blick auf das Kommende: Was bringt das Jahr 2016 dem Handel? Oder noch etwas konkreter: Was bringt das nächste Jahr dem einzelnen Händler persönlich?

Wie wird sich seine Arbeit verändern, wie wird sein Alltag aussehen?

Diese Frage ist für jeden wichtig, sei es für den Besitzer eines einzelnen Ladengeschäfts, einer kleinen oder größeren Kette von Filialen oder eines Web-Shops. Je nachdem, wie groß ein Handelsunternehmen ist und ob es aus dem stationären Handel kommt oder ein Kind des Webs ist, fallen die Antworten unterschiedlich aus.

Es gibt aber auch Gemeinsamkeiten. Denn für alle gilt: Das kommende Jahr bringt einen weiteren Digitalisierungsschub. Die Digitalisierung kommt in fast jeder Nische an. Kaum ein Händler wird es sich erlauben können, den Veränderungsdruck zu ignorieren.

HDE-Vize Stephan Tromp hat die Herausforderung auf den Punkt gebracht: „Grundsätzlich muss im aktuellen Strukturwandel jeder Händler das eigene Geschäftsmodell noch einmal auf den Prüfstand stellen und sich fragen, was seine Kunden heute erwarten, wo sein Alleinstellungsmerkmal liegt und wie er die digitalen Technologien zu seinem Vorteil einsetzen kann.“

Die Kunden erwarten vor allem eine digital angereicherte Customer Experience. Dort – bei der Kundenerfahrung, nicht mehr beim Preis – wird sich in Zukunft der Kampf um die Differenzierung abspielen.

Um weitere Digitalisierung kommt also keiner herum. Das bedeutet zum Teil gewaltige Umstellungen – angefangen bei der Frage, wie sich ein Händler positioniert, bis hin zu den Arbeitsabläufen. Wer jedoch die Herausforderung der Digitalisierung annimmt, wird bald merken, dass sich sein Geschäft – und sein Alltag – vorteilhaft verändern.

Konkret bringt die Digitalisierung 2016 drei positive Veränderungen:

Positive Veränderung Nr. 1: neue Umsatzchancen

Multi- oder Omni-Channel-Commerce bieten neue Umsatzchancen. Und die werden genutzt: Web-Shops eröffnen Ladengeschäfte. Stationäre Händler verkaufen online – die großen, man denke an die Riesen der Unterhaltungselektronik, aber auch die kleinen: Rund die Hälfte der professionellen eBay-Verkäufer betreibt ein Ladengeschäft.

Die Kanäle unterstützen sich gegenseitig: Das Ladengeschäft des Web-Shops dient als Werbefläche mit Gelegenheit zur persönlichen Beratung und zum Ausprobieren der Waren. Der Online-Auftritt des Ladengeschäfts macht das Unternehmen im Internet zumindest sichtbar, selbst wenn die Präsenz nicht gleich als Verkaufsfläche dient.

Der vielleicht spannendste Trend in Sachen Umsatzchancen: Durch mobile Technologien werden Marketing-Flächen aller Art in Verkaufsflächen verwandelt.

Ob aus dem Schaufenster heraus oder von der Zeitungsbeilage weg, vom Plakat herunter oder direkt auf dem Online-Banner: Kunden können durch einfaches Scannen eines QR-Codes mit ihrem Smartphone Waren nicht nur bestellen, sondern gleichzeitig auch schon bezahlen – mit einem Klick.

Inzwischen ist die Technologie soweit, dass auch kleinere Händler das Omnichannel-Spiel mitspielen können. Sie können nicht nur auf mehreren Kanälen nebeneinander verkaufen, sondern ihren Kunden den freien Wechsel zwischen den Kanälen an jedem Punkt der Customer Journey ermöglichen.

So gibt es mittlerweile einfach zu bedienende iPad-Kassen mit Warenwirtschaftssystem von Inventorum, das auch ein Partner der Initiative „Mönchengladbach bei eBay“ ist (siehe positive Veränderung Nr. 3). Und selbst Händler ganz ohne Kassensystem können mit Technologien mobile Zahlungen abwickeln.

Was bedeutet der Omnichannel-Trend für den Alltag?

Der ehemalige Online-Händler wird nicht mehr den ganzen Tag auf den Bildschirm starren (wenn das keine positive Veränderung ist!), sondern auch persönlich mit seinen Kunden sprechen und der Inhaber des Ladengeschäftes kann online verkaufte Ware versenden.

Und Händler jeglicher Provenienz werden 2016 intensiv darüber nachdenken, wie sie ein einheitliches Einkaufserlebnis über sämtliche Kanäle hinweg gestalten können – bis hin zum Cross-Channel-Payment.

Positive Veränderung Nr. 2: Weniger Stress und weniger Kosten durch Bezahlvorgänge

Von der bargeldlosen Gesellschaft ist Deutschland noch immer weit entfernt. Trotzdem wird sie kommen – und 2016 rückt sie wieder ein Stückchen näher heran.

Bargeld ist für den Handel vor allem lästig: Es muss gezählt werden. Es muss zur Bank gebracht werden. Es kann gestohlen werden. Die Vorteile von weniger Bargeld-Handling im Alltag des Händlers sind offensichtlich.

Daher ist es eine gute Nachricht, dass 2016 weniger Bargeld bringen wird – im Zuge der Verbreitung mobiler Technologien und damit von Mobile Payment. Das Bezahlen mit dem Smartphone ersetzt nach und nach nicht nur das Bargeld, sondern auch die Kartenzahlung.

Bei Bezahlanbietern bekommt der Händler dann sein Geld in Echtzeit. Das bedeutet für den Alltag: Der Händler sieht auf einen Blick, was er wirklich eingenommen hat.

Und gerade beim Rechnungskauf – immer noch die beliebteste Bezahlmethode beim Versandhandel – kann der unkomplizierte Bezahlvorgang per Smartphone dazu beitragen, dass die Kunden schneller bezahlen. In Kombination mit dem Echtzeit-Transfer entsteht so mehr Liquidität.

Positive Veränderung Nr. 3: Gemeinsam online statt allein

Verschiedene Initiativen wollen die Chancen der Digitalisierung für eine attraktive und lebendige Innenstadt nutzen. Dabei setzen sie nicht nur auf Omni- oder Multi-Channel (siehe positive Veränderung Nr. 1), sondern auch auf Kooperation der lokalen Händler.

Ein Vorreiter der Bewegung ist die Online City Wuppertal. Ein anderes Beispiel ist das Startup Lokalpioniere, das Local-Shopping-Plattformen als White-Label-Lösung für Händler anbietet, die gegen Gebühr einen lokalen Marktplatz starten wollen.

Die neue „Mönchengladbach bei eBay“-Seite hingegen steht beispielhaft dafür, wie stationäre Händler, die sich keinen eigenen Online-Shop leisten können oder wollen, trotzdem vom E-Commerce und von ihrer eigenen lokalen Verwurzelung profitieren können.

2016 wird es in immer mehr Städten und Regionen derartige Initiativen an der Schnittstelle von Local- und E-Commerce geben. Für den einzelnen Händler bedeutet das Zugang zu jeder Menge digitaler Kompetenz – und damit zu ganz neuen Perspektiven und Chancen.

Wer sich bisher auf dem Weg in die digitale Zukunft des Einzelhandels alleingelassen fühlte, kann so Teil eines Netzwerks lokaler Händler-Helden werden.

Fazit: Mehr Kanäle, mehr Umsatzchancen und bessere Netzwerke auch für kleine Händler – und dabei weniger Stress mit den Bezahlvorgängen. 2016 sieht gut aus.

Über Martin Zander

Martin Zander verantwortet bei Yapital die Bereiche PR und Kommunikation. Nach Studium und Volontariat arbeitete der Kommunikationsexperte und anerkannte Kenner der deutschen Medienlandschaft zunächst vorrangig als Politikkorrespondent und verantwortlicher Redakteur bei Print- und TV-Medien, darunter Sat.1 und ZDF, sowie Nachrichtenagenturen. Im Anschluss daran war Martin Zander Chefredakteur und Redaktionsleiter bei der Fernsehagentur Mhoch4. Im März 2012 erfolgte der Wechsel zu Yapital.


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