Wie Koffer24.de die Zukunft eines Fachgeschäfts sichert.

von Matthias Hell am 15.Juli 2014 in Local Heroes
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Hinter dem erfolgreichen Onlineshop Koffer24.de steht der Frankfurter Traditionsbetrieb Leder Stoll. Der frühe Einstieg ins Online-Geschäft trug dazu bei, die Zukunft des Fachgeschäfts zu sichern. Heute setzt das Unternehmen auf ein breit angelegtes Multichannel-Modell.

Joachim Stoll ist Geschäftsführer von Leder Stoll - und Koffer24.de

Joachim Stoll ist Geschäftsführer von Leder Stoll – und Koffer24.de

Es hat Seltenheitswert, dass ein traditionelles mittelständisches Handelsunternehmen auch gleichzeitig zu den Pionieren im Online-Handel zählt. Im Fall von Leder Stoll und Koffer24.de trifft aber genau das zu: das Frankfurter Lederwarenfachgeschäft existiert seit 1920 und auch der 1998 gestartete Onlineshop gehörte zu den ersten E-Commerce-Anbietern der Branche. Verantwortlich dafür war der Studienaufenthalt von Joachim Stoll in den USA, wo der damalige Junior-Chef des Unternehmens mit dem Online-Virus infiziert wurde. „Nach meiner Rückkehr nach Deutschland habe ich mich auf die Suche nach einer Zukunft für den familiären Einzelhandel gemacht“, erzählt Joachim Stoll. Dabei war für den promovierten Betriebswirt von vornherein klar, dass diese Zukunft zum Teil im Internet liegen würde.

Heute – 16 Jahre nach dem ersten Onlineshop und zehn Jahre nach dem Start der Marke Koffer24.de – ist das Internetgeschäft die stärkste Umsatzsäule für den Einzelhändler. Daneben ist Leder Stoll auch im B2B-Geschäft tätig, etwa als Prämiendienstleister für Zeitungsverlage oder als Ausstatter großer Anwaltskanzleien. Das stationäre Geschäft, das zwischenzeitlich in mehreren Filialen im Raum Frankfurt betrieben wurde, ist dagegen auf zwei Standorte geschrumpft und wird sich bald auf den Stammsitz in der Innenstadt der Hessen-Metropole beschränken. Überraschend kam diese Entwicklung für Joachim Stoll nicht: „Ich habe schon vor 15 Jahren gedacht, dass es angesichts des Internet-Booms für den stationären Handel schwierig wird.“ Was der Unternehmenschef nicht vorausgesehen hat, war dagegen das Zusammenwachsen der Kanäle: War Koffer24.de zunächst als komplett eigenständiger Kanal angelegt, so setzt Stoll heute auf ein vollumfängliches Multichannel-Konzept.

Multichannel-Konzept mit vielfältigen Wechselwirkungen

Das Stammgeschäft von Leder Stoll in der Frankfurter Innenstadt

Das Stammgeschäft von Leder Stoll in der Frankfurter Innenstadt

Zu dem Mehrkanal-Ansatz von Leder Stoll gehört, dass der Onlineshop nicht nur im stationären Geschäft explizit beworben wird, sondern auch in das Verkaufsgespräch und den Alltag der Verkäuferinnen einbezogen wird. Zudem erhebt das Unternehmen den Anspruch, Online und Offline mit den gleichen Preisen aufzutreten. Für die Bewerbung des Geschäfts auf beiden Kanälen setzt Leder Stoll zudem auf eine vielfältige Online-Marketing-Strategie, die neben Couponing- und Bewertungsplattformen auch Facebook, Twitter und Youtube umfasst. Auf den einschlägigen Online-Plattformen wie eBay, Amazon und Rakuten.de ist das Unternehmen ebenfalls aktiv. Online-Bestellungen bei Koffer24.de können natürlich im Stammhaus von Leder Stoll abgeholt werden. Noch nicht umgesetzt hat der Multichannel-Händler die Anzeige und Reservierung lokal verfügbarer Artikel. „Das sind aber Themen, die eindeutig zu unseren Hausaufgaben gehören und die wir noch bearbeiten müssen“, erklärt Firmenchef Joachim Stoll.

Auch wenn das Multichannel-Konzept den Abschied vom Filialnetz von Leder Stoll nicht aufhalten konnte, in der Summe ergeben sich für das Unternehmen aus der Kanalverknüpfung positive Effekte. So sind in den letzten Jahren nicht nur Umsatz und Ertrag überdurchschnittlich gewachsen, sondern konnten auch Fixkosten reduziert werden. Der populäre Onlineshop Koffer24.de hat zudem Leder Stoll zusätzliche stationäre Kunden beschert. Umgekehrt werden auch im Ladengeschäft weitere Kunden für den Online-Handel gewonnen. Das seit fast 100 Jahren existierende Fachgeschäft trägt zudem dazu bei, das seriöse Image des Onlineshops zu stärken. „Allerdings wird dieser Effekt zunehmend geringer“, berichtet Stoll. „Die Angst der Kunden vor unseriösen Online-Händlern nimmt ab, schließlich gibt es ja inzwischen verbreitet die Möglichkeit des Rechnungskaufs und auch Kreditkartenzahlungen werden nicht mehr so kritisch gesehen.“

Kanalüberschreitende Verkaufsevents und Offline-Partnerschaften

Der Onlineshop Koffer24.de existiert seit 2004

Der Onlineshop Koffer24.de existiert seit 2004

Um die Synergieeffekte von Internet und stationärem Handel besser zu nutzen, setzt Joachim Stoll zudem auf Aktionsformate, welche die Kanalgrenzen überschreiten. So hat der Fachhändler 2011 den ersten Frankfurt „Ranzentag“ ins Leben gerufen. Inzwischen veranstaltet das Unternehmen im Rhein-Main-Gebiet mehrere Ranzenmessen, an denen sich Eltern von ABC-Schützen nicht nur über die Wahl des richtigen Schulranzens ausführlich informieren können, sondern auch eine umfangreiche Auswahl an Ranzen und verwandten Schulausrüstungs-Artikeln angeboten wird. Es handelt sich dabei um eine stationäre Aktion, die von Koffer24.de beworben wird, gleichzeitig ist die Veranstaltungs-Webseite Ranzentag.de in den Onlineshop eingebunden. Mit Werbemaßnahmen, die von klassischen Printmedien bis ins Soziale Web reichen, unterstreicht Leder Stoll zudem den Erlebnischarakter, den der Kauf des ersten Schulranzens besitzt. „In solchen, die Kanalgrenzen überschreitenden Veranstaltungen liegt noch viel Potenzial“, erklärt Joachim Stoll. „Der Einzelhandel muss auch Entertainer sein – das ist in den 80er und 90er Jahren verloren gegangen.“

Eine weitere kanalüberschreitende Initiative von Leder Stoll/Koffer24.de ist die Zusammenarbeit mit dem Dienstleister Storeplus. Das Unternehmen ist darauf spezialisiert, digitale Erlebnisse in den stationären Handel zu bringen. Im Fall von Leder Stoll geht es darum, den Onlineshop Koffer24.de über Tablets und Verkaufsterminals in Ladengeschäfte des Einkaufsverbunds Assima zu integrieren. Interessierte Händler können ihren Kunden so eine virtuelle Erweiterung ihres Sortiments bieten und werden nach dem Affiliate-Modell an den dabei erzielten Umsätzen beteiligt. Die Zusammenarbeit mit Storeplus befindet sich noch im Pilotstadium, doch für Joachim Stoll besitzt das Modell einiges Potenzial. Letzten Endes handelt es sich dabei um einen weiteren Online-Baustein, der dazu beiträgt, dass Leder Stoll – anders als viele Wettbewerber – gute Chancen hat, auch den 100. Jahrestag der Unternehmensgründung im Jahr 2020 erfolgreich zu begehen.



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