Handel im Wandel: Durch die Woche mit Tobias Pankow von Storck.

von Kay Ulrike Treiß am 26.April 2017 in Fragebögen

„Ein tägliches Ärgernis in der Handelslandschaft sind Platzierungen und Produktpräsentationen, die weder dem Marktanteil entsprechen noch der Kundenbeliebtheit gerecht werden“, sagt Tobias Pankow. Der gebürtige Münchner ist seit Anfang des Jahres Leiter New Channel bei Storck. 1903 wurde der Süßwarenhersteller von August Storck gegründet, hatte nur drei Mitarbeiter. Heute hat das Familienunternehmen mehr als 5.800 Mitarbeiter und 19 Standorte. Bevor er zu Storck kam, hat Tobias Pankow deutsche FMCG-Unternehmen im Bereich Business Development & Internationalisierung in Emerging Markets strategisch beraten. Im Händler-Fragebogen von Location Insider verrät er, welches Erlebnis „online nicht möglich ist und Kunden zumindest ein weiteres Mal in den Laden zurück bringt“. Pankow hat Wirtschafts- & Politikwissenschaften an der Columbia University in New York City studiert. „Für die Handelslandschaft gesamt wünsche ich mir die Einführung eines Konzepts wie es die amerikanische Kette ‚Whole Foods‘ betreibt.“

Location Insider: Wie würden Sie die momentane Situation des stationären Handels in einem Satz beschreiben?

Tobias Pankow: Der stationäre Handel ist in der glücklichen Lage, im Leben der Deutschen traditionell stark verankert zu sein; der physische Besuch im Laden stellt für das „Gewohnheitstier“ Mensch ein Ritual dar, für welches kontinuierlich wirtschaftliche Faktoren wie Zeit und Kosten (noch) ignoriert werden.

Location Insider: Welcher Tag der vergangenen Woche war der Beste aus Händlerperspektive und warum?

Tobias Pankow: Aus Perspektive des LEH wohl der Tag, an dem die Meldung über die Verzögerung des Starts von Amazon Fresh in Deutschland bekannt wurde. Denn das erlaubt noch ein paar Tage mehr Zeit ohne Druck eines neuen, mächtigen Konkurrenten, die eigenen Kunden enger zu binden und zu beeindrucken. Aus Kunden- und Herstellersicht ist die Verzögerung allerdings eher unerfreulich.

Location Insider: Worüber haben Sie sich diese Woche besonders beim Einkaufen im Laden gefreut?

Tobias Pankow: Ein äußerst seltenes Erlebnis: Gewährung eines Rabatts auf einen Rimowa-Koffer durch eine zielorientierte, freundliche Verkaufsberaterin bei Karstadt. So ein Erlebnis ist online nicht möglich und bringt Kunden zumindest ein weiteres Mal in den Laden zurück.

Location Insider: Und worüber haben Sie sich geärgert?

Tobias Pankow: Ein tägliches Ärgernis in der Handelslandschaft sind Platzierungen und Produktpräsentationen, die weder dem Marktanteil entsprechen noch der Kundenbeliebtheit gerecht werden – im schlimmsten Fall beides. Das war in der letzten Woche nicht anders.

Location Insider: Mit wem wollen Sie nie an der Kasse stehen, wenn Sie Unterwäsche kaufen? Oder kaufen Sie diese deshalb nur online?

Tobias Pankow: Mit den Wildecker Herzbuben – denn dann ist es Zeit sich mit anderen Dingen als Unterwäsche zu befassen.

Location Insider: Tante Emma oder Supermarkt?

Tobias Pankow: Supermarkt.

Location Insider: Welche Schlagzeile wollen Sie auf keinen Fall über sich im „Handelsblatt“ lesen?

Tobias Pankow: Pankow geht altersbedingt in den Ruhestand.

Location Insider: Nehmen wir an, Sie hätten einen Wunsch frei: Wie sähe der stationäre Handel in fünf Jahren aus, wenn Sie es sich aussuchen könnten?

Tobias Pankow: Wenn ich mir es aussuchen könnte, wird die Süßwarenkategorie im stationären Handel flächendeckend so aussehen wie unser Storck Flagshipstore im CentrO Oberhausen. Für die Handelslandschaft gesamt wünsche ich mir die Einführung eines Konzepts wie es die amerikanische Kette „Whole Foods“ betreibt. Hier schafft es ein Handelsunternehmen, ein angenehmes Erlebnis zu kreieren und Menschen in gute Stimmung zu versetzen. Das führt dazu, dass die Whole Foods Läden sogar aus anderen Gründen als reiner Warenbeschaffung aufgesucht werden.

Lesen Sie auch die vorherigen Fragebögen unserer Serie “Durch die Woche mit…”.


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