„Hyperlocal Marketing ist der nächste Schritt“: Interview mit Daniel Richter von der DAC Group.

von Sebastian Beintker am 03.August 2017 in Interviews, News

Während der klassische Einzelhändler nur einen räumlichen Einfluss auf seine Kunden hatte, so ist es heute möglich, diese Grenzen durch Hyperlocal Marketing aufzubrechen, um neue Verkaufspotenziale zu erschließen. Wir haben mit Daniel Richter,  Geschäftsführer bei der DAC Group Deutschland, darüber gesprochen, was es mit Hyperlocal Marketing auf sich hat und in welcher Weise lokale Händler davon profitieren können. Richter selbst ist bereits seit 1999 im Online Marketing aktiv und war Gründer und Geschäftsführer der Performance Marketing Agentur adxmedia, bevor sie 2016 von der kanadischen DAC Group übernommen wurde.

Location Insider: Sie beschäftigen sich intensiv mit Hyperlocal Marketing. Können Sie unseren Lesern kurz erklären, was das ist?

Daniel Richter: Im lokalen Online Marketing wird ein lokaler Anbieter oder ein Produkt innerhalb eines begrenzten Gebietes beworben. Hyperlocal Marketing ist der nächste Schritt und erweitert den „Ort“ um eine zweite Dimension „Zeit“. Das heißt, ich kann meinen potenziellen Kunden am richtigen Ort und zur richtigen Zeit über meine Dienstleistung informieren und ein Angebot machen. Mit der stark gestiegenen Nutzung mobiler Endgeräte oder Voice-Assistenten wie Siri oder Alexa ist die Relevanz von Hyperlocal Marketing in den letzten Monaten deutlich größer geworden. „Near me“-Abfragen wie die Suche nach der nächsten noch geöffneten VW-Werkstatt in Leipzig-Connewitz haben in den letzten zwei Jahren einen rasanten Aufschwung erfahren. Mit Hyperlocal Marketing können Marken auf die unmittelbaren Bedürfnisse ihrer Kunden zum passenden Zeitpunkt reagieren.

Location Insider: Warum genau ist es für stationäre Händler so wichtig, potenzielle Kunden auch online anzusprechen?

Daniel Richter: Vier von fünf Verbrauchern suchen online, um Informationen über den nächsten lokalen Anbieter oder zu einem Produkt in ihrer unmittelbaren Nähe zu finden. Diese Suche erfolgt immer mehr über mobile Endgeräte und Google hat auf diesen Trend mit einem veränderten Suchalgorithmus reagiert: lokale Angebote werden vor allgemeinen Angeboten angezeigt. Je nach Art der Suche erfolgt die Darstellung des Ergebnisses über Karteneinträge oder spezielle lokale Landingpages. Stationäre Händler und Filialisten haben nun die Chance, mit korrekten Brancheneinträgen bei Google, Bing, Apple oder auch Facebook einfacher gefunden zu werden und mit speziellen lokalen Landingpages auf ihr Angebot hinzuweisen. Ein weiterer wichtiger Punkt: Bereits 20 Prozent aller Suchanfragen bei Google erfolgen per Sprachbefehl. Voice-Assistenten, die immer mehr auf dem Vormarsch sind und mittlerweile auch Einzug in deutsche Wohnzimmer halten, greifen auf diese Branchen- und Maps-Einträge zurück, und selbst Automobilhersteller verknüpfen die Sprachsteuerung immer mehr mit Google & Co.

Location Insider: Ist Hyperlocal Marketing nur für große Filialisten sinnvoll oder auch für kleine Läden?

Daniel Richter: Hyperlocal Marketing ist sowohl für Filialisten als auch für kleinere Händler sinnvoll, da sie beide dadurch mehr Kundenaufmerksamkeit erlangen. Das richtige Präsenzmanagement im Internet fördert die Reputation und Sichtbarkeit einer Marke und damit das Geschäftswachstum jeglicher Unternehmensgröße. Bei Filialisten ist jedoch der Aufwand der Pflege der Unternehmensdaten im Internet um einiges höher: Hierfür gibt es jedoch Softwarelösungen, die alle Standorte in kurzer Zeit im Internet mit den richtigen Daten auffindbar machen.

Location Insider: Wie genau können Händler ihre lokale Auffindbarkeit im Internet erhöhen?

Daniel Richter: Ein erster Schritt ist die Pflege der Unternehmensdaten. Für Google, Apple und andere Verzeichnisse ist es wichtig, dass diese Daten richtig und aktuell sind. Standortdaten wie Unternehmensname, Adresse, Telefonnummer, URL und Öffnungszeiten müssen konsistent über alle Portale sein. Der einfache Start ist hierbei ein Konto bei Google My Business. Alle anderen wichtigen Portale, z. B. Apple Maps, Bing, Yelp oder Facebook, können über eine Softwarelösung (Präsenzmanagement-Lösung) einfach befüllt werden.

Im zweiten Schritt sind lokale Landingpages notwendig, auf denen Angebote, Dienstleistungen etc. genau für den Ort und die Zeit dargestellt werden können. Jede Filiale sollte eine eigene Landingpage haben und von den Online-Verzeichnissen verlinkt sein.

Location Insider: Mit welchem zeitlichen und finanziellen Aufwand müssen Händler rechnen?

Daniel Richter: Der Preis für den Eintragsdienst bei den Portalen variiert nach Anbieter und Anzahl der Filialen. Für eine Standort-Lizenz müssen Händler mit ca. 150 bis 200 Euro pro Jahr rechnen. Das eigentliche Marketingbudget ist abhängig von Standort, Angebot und Wettbewerb. Um signifikante Erfolge zu erzielen, ist ein fünfstelliger Invest pro Jahr notwendig.

Location Insider: Werden die Marketingmaßnahmen einmalig oder fortlaufend realisiert?

Daniel Richter: Marketingmaßnahmen müssen fortlaufend erfolgen. Nur so hat der Händler die Möglichkeit Daten zu sammeln, die in die Optimierung der Kampagnen einfließen. Da der stationäre Handel saisonal gesteuert ist, ist es wichtig, auch vor der eigentlichen Saison mit Marketingmaßnahmen diese vorzubereiten und den Kunden aufmerksam zu machen.

Location Insider: Welche Erfolgsprognosen können Sie geben?

Daniel Richter: Kunden sind überall auf der Suche nach lokalen Informationen, die sie bei ihrer Kaufentscheidung deutlich beeinflussen. Wer lokal sucht, kauft auch bei einem lokalen Händler. Konsistente Unternehmensdaten über alle Internetplattformen hinweg steigern die Auffindbarkeit in Kartendiensten um ein Vielfaches und spielen damit eine sehr wichtige Rolle, um den In-Store-Traffic zu erhöhen. Durch die Pflege der Stammdaten, den Einsatz von lokalen Landingpages und Umstellung der Google-Adwords-Kampagne gelang es beispielsweise einem unserer Kunden, der ein Netzwerk von Autowerkstätten betreibt, eine zweistellige Lead Rate zu erreichen. Die Verkäufe in den Filialen wurden damit um 35 Prozent gesteigert. Solche Resultate können nur erzeugt werden, wenn Händler alle o. g. Werkzeuge nutzen.

Location Insider: Erhält der einzelne Händler eine individuelle Erfolgsmessung und Auswertung?

Daniel Richter: Beim Service-Angebot der DAC Group Deutschland erhalten Händler, Filialisten oder Franchisenehmer bzw. -geber pro Filiale eine ausführliche Auswertung über Aufrufe, Klicks zur Landingpage, Anrufe oder ob eine Navigation zur Filiale durchgeführt wurde. Weiter ist es möglich, die Erfolgsmessung soweit auszubauen, dass eine Verbindung zwischen lokaler Suche und Kauf in der Filiale getroffen werden kann. Zusätzlich erhält der Händler eine kontinuierliche und zentrale Übersicht über Online-Bewertungen zu seiner Dienstleistung oder seinem Angebot und behält so die Kontrolle für einen besseren Kundenservice und damit langfristig guten Ruf.

Location Insider: Vielen Dank für das Gespräch!


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