Retten Online-Händler den stationären Handel?

von Matthias Hell am 09.Januar 2014 in Trends & Analysen

Eine aktuelle Studie des britischen Logistikdienstleisters Royal Mail deutet auf einen Trend hin, der auch für die deutsche Handelslandschaft signifikant sein dürfte: Eine steigende Anzahl von Online-Händlern plant den Schritt in den stationären Handel. Dabei ist es gerade der fortschreitende E-Commerce-Boom, der den Onlineshop-Betreibern neue Möglichkeiten im lokalen Handel eröffnet.

Wie die jährlich durchgeführte Handelsstudie der Royal Mail ergibt, planen 16 Prozent der kleinen und mittelständischen britischen Online-Händler, in den kommenden zwölf Monaten einen eigenen Store zu eröffnen bzw. Ausstellungsfläche in einem bereits existierenden Ladengeschäft zu nutzen. Die Studie stellt den Trend in einem Zusammenhang zu der sich verschärfenden Konkurrenzsituation im Online-Handel, welche die Shopbetreiber dazu ermutige, zusätzliche Verkaufskanäle zu bedienen.

In einem Bericht zu der Studie verweist die Financial Times auf einen weiteren interessanten Zusammenhang:

„Ein Überangebot an leeren Geschäften auf der Hauptstraße bedeutet, dass kleine Unternehmen oft günstige Bedingungen von Vermietern herausholen können. Oft beinhaltet dies eine niedrige Miete sowie flexible Kurzzeit-Vermietung, sodass Einzelhändler den Laden schnell – und günstig – schließen können, wenn die Dinge nicht nach Plan laufen.”

Demzufolge ist es die durch den Siegeszug der großen E-Commerce-Anbieter beschleunigte Misere der Highstreet-Shops, die den expansionsfreudigen Online-Händlern erst die nötigen stationären Flächen zu attraktiven Konditionen beschert. Denkt man diese Sichtweise weiter, könnten experimentierfreudige E-Commerce-Anbieter dazu beitragen, die Verödung von Innenstädten und Einkaufsstraßen zu verhindern.

Allerdings deutet bereits die Royal-Mail-Studie darauf hin, dass dies wohl kaum im Rahmen einer Fortführung überkommener stationärer Handelsmodelle erfolgen wird. Interesse zeigen die Onlineshop-Betreiber vielmehr an flexiblen und innovativen Stationärkonzepten wie z.B. Pop-up-Stores oder Shop-in-Shop-Lösungen. Schließlich ermöglichen es diese den E-Commerce-Unternehmen am besten, ihre Online-Stärken – schlanke Strukturen, günstige Preise, klar abgegrenztes Sortiment, mit den Präsentationsmöglichkeiten, die ein stationäres Umfeld bietet, zu verbinden.


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