Villeroy & Boch baut Crosschannel-Vertrieb aus.

von Christian Bach am 29.Februar 2016 in Highlight, Topnews, Trends & Analysen

Villeroy & Boch setzt auf Cross Channel ServicesTablets im Handel: Villeroy & Boch (V&B) setzt die Rechenflundern inzwischen flächendeckend ein. Der Keramikhersteller lässt „derzeit etwa 225 Mitarbeiter mit dem Personal Sales Assistant (PSA) in eigenen Shops in der DACH-Region sowie in Frankreich, Belgien, Niederlande und Luxemburg arbeiten“, sagt ein Unternehmenssprecher gegenüber Location Insider. Das Unternehmen aus dem saarländischen Mettlach nutzt die Tablet-Lösung bereits seit Anfang vergangenen Jahres in allen eigenen Geschäften in Deutschland. Dieses Jahr soll der PSA für alle Mitarbeiter weltweit ausgerollt werden.

Mithilfe des Tablets kann das Verkaufspersonal im Kundengespräch auf Sortimente eingehen, die nicht im Laden vorrätig sind. „Darstellungen von einem komplett gedeckten Tisch, weitere Farb- und Dekorvarianten oder Dekorationsideen unterstützen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv im Verkaufsgespräch“, heißt es bei Villeroy & Boch. Auch die Verfügbarkeit einzelner Produkte oder Lieferzeiten lassen sich online einsehen. „Inzwischen lässt sich online die Verfügbarkeit von 4.500 Artikeln einsehen“, erklärt der Unternehmenssprecher.

Abhol-Expansion

VB_Logo_300dpiCrosschannel-Handel heißt bei Villeroy & Boch aber nicht „nur“ Mobile oder die Anzeige von Verfügbarkeiten. Denn eigenen Angaben zufolge ist das Unternehmen „mit der Implementierung der Crosschannel-Angebote in der Branche federführend.“ Aufbauend auf der Funktion der Produktverfügbarkeiten hat V&B im vergangenen Jahr Click & Collect und Check & Reserve gestartet. „Diese Services werden für die eigenen ‚House of Villeroy & Boch‘-Stores in den deutschsprachigen Märkten angeboten. Die Ausweitung auf umliegende Länder wie Frankreich, Luxemburg, Belgien und die Niederlande ist bereits in Gange. Der weltweite Rollout ist das Ziel“, sagt ein Unternehmenssprecher.

Bei den beiden Services muss man aber genau unterscheiden. Denn Click & Collect bedeutet, dass Kunden Produkte im Online-Shop bestellen und anschließend bei dem Fachhändler ihrer Wahl abholen. Mithilfe von Check & Reserve können Kunden – wie der Name bereits sagt – Verfügbarkeiten prüfen und Produkte online reservieren – nicht kaufen. Kunden mit einem festen Kaufentschluss wählen also wahrscheinlich Click & Collect. Interessenten würden dagegen eher Check & Reserve nutzen.

Die Vorteile der beiden Services liegen auf der Hand: Erstens sparen die Kunden die Versandkosten. Denn diese entfallen bei einer regulären Online-Bestellung mit Versand nach Hause erst ab einem Warenwert von 50 Euro. „Dabei gilt natürlich weiterhin unsere Bruchgarantie“, verspricht Villeroy & Boch. Diese Versandversicherung ist kostenlos für alle Online-Bestellungen. Zweitens können Kunden die Produkte im Laden begutachten. Gerade bei Keramik wie Geschirr oder Fliesen übernehmen einige Kunden die Abholung trotz Bruchgarantie eventuell auch lieber selbst. Drittens geht man nicht das Risiko ein, dass Produkte trotz vorheriger Prüfung plötzlich doch nicht mehr verfügbar sind.

Kostenlose Retoure, Gutscheine und Geschenkelisten

Villeroy & Boch setzt auf Cross Channel ServicesGefällt das gekaufte Produkt doch nicht, können Kunden es auf zwei Wegen wieder zurückgeben: Zum einen können sie die Artikel einfach wieder in der Filiale ihrer Wahl abgeben. „So entfällt das für den Kunden oftmals lästige Verpacken der Artikel“, heißt es dazu von Villeroy & Boch. Zum anderen können Kunden Produkte auch kostenlos per Post zurückschicken. Damit bleibt ihnen der Weg zu einem Geschäft erspart, wenn sich denn eines in der Nähe befindet. Dafür besteht auch 30 Tage Rückgaberecht: Denn sollten Kunden an der Ware etwas auszusetzen haben, können sie diese wie beschrieben zurückgeben.

Ähnlich kanalübergreifend können Kunden Gutscheine erwerben und einlösen, nämlich jeweils online und offline. Genauso funktionieren Geschenkelisten: Jubilare, zukünftige Ehepaare usw. können sich solche Liste online und offline anlegen, um Schenkenden das Schenken zu erleichtern. „Anlage, individuelle Bearbeitung und Kauf können Sie bequem über unseren Online-Shop oder im House of Villeroy & Boch abschließen“, so das Unternehmen.

Appinio, 3D-Druck und Apps

Ernst-Albrecht Klahn von Villeroy & Boch bei AppinioAlles Standard? Von wegen. Villeroy & Boch traut sich auch in neue Gefilde vor. In der Vergangenheit hat der Keramikhersteller das mobile Marktforschung-Tool Appinio getestet. „Dieses Tool haben wir nur einmalig genutzt“, verrät der Unternehmenssprecher aber. Das Hamburger Startup Appinio verspricht: „Mit dem besten Targeting liefern wir Ihnen kostengünstig innerhalb von 5 Minuten bis zu 1.000 beantwortete Umfragen.“ Ernst-Albrecht Klahn, Marketing-Verantwortlicher bei Villeroy & Boch, lässt sich auf der Appinio-Webseite sogar zitieren: „Mit Appinio konnten wir unsere Marketingkampagne vorab unkompliziert und innerhalb eines Tages validieren. Endlich ein Tool, mit dem Marktforschung nicht nur einfach und kostentransparent gestaltet wird, sondern mit dem man auch direktes und vor allem valides Feedback der relevanten Zielgruppe erhält.“ Trotzdem hat V&B das Tool danach nicht mehr genutzt.

Das Unternehmen aus Mettlach verwendet dagegen den 3D-Drucker BigRep. „Der Vorteil des 3D-Drucks ist die Genauigkeit: Wir können die Maße des Produkts am Computer vorab exakt bestimmen“, sagt Helmut Frank von Villeroy & Boch. BigRep hat das eigene Gerät bereits an Automobilhersteller und Medizinunternehmen verkauft. Das Berliner Startup hat bis Ende vergangenen Jahres etwa 100 Drucker verkauft. Dieses Jahr sollen es bereits 200 Stück sein.

OsternGeschSmartDer Kreis schließt sich: Denn Mobile spielt schön länger eine Rolle bei V&B. Das Unternehmen bietet bereits seit vergangenem Jahr verschiedene Apps an. Darunter ist eine Augmented-Reality-Anwendung für die Badplanung per Smartphone oder Tablet. Aber auch Datenbrillen kommen bei Villeroy & Boch zum Einsatz: Mithilfe einer 3D-Brille können Kunden eine virtuelle Tour durch das Badezimmer starten. Diesen Raum können sie auch virtuell mithilfe eines Online-Badinspirators und -Badplaners mit Möbeln bestücken. Es ist also kein Wunder, dass sich der Keramikhersteller als Branchenführer sieht. Argumente dafür gibt es auf jeden Fall genug.



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