Was bieten iPad-Kassensysteme für Gastronomie und Handel?

von Matthias Hell am 13.März 2014 in Trends & Analysen

Über das iPad-Kassensystem Inventorum haben wir vor kurzem in unserer Artikelserie Local Heroes berichtet. Das System richtet sich an kleine und mittelgroße Händler, berücksichtigt neben der Kassenfunktion auch Kundenverwaltung und Warenwirtschaft – und ermöglicht vor allem den Online-Verkauf angelegter Artikel. Inventorum baut damit eine clevere Brücke vom Instore-Einsatz in den E-Commerce. Doch wie halten es die anderen iPad-Kassensysteme? Location Insider hat sich die wichtigsten Anbieter genauer angeschaut.

Die meisten spezialisieren sich auf den Gastronomiebereich

 

Orderbird ist der Marktführer im Gastronomiebereich

Orderbird ist der Marktführer im Gastronomiebereich

Orderbird ist das derzeit wohl bekannteste iPad-Kassensystem. Mit mehr als 50 Mitarbeitern und über 1.700 Kunden ist die Berliner Orderbird AG sichtlich auf dem Weg zum etablierten Kassensystemanbieter. Dabei ist das System ganz auf die Bedürfnisse der Gastronomie ausgerichtet und ermöglicht u.a. das Splitten von Rechnungen, das Umbuchen von Tischen oder auch die Erfüllung von Sonderwünschen durch Hinzufügen einer Bestellnotiz. Orderbird gibt es in einer kostenlosen Basisversion und für monatlich 39 Euro pro Gerät in einer Profi-Version. Mit Referenzkunden wie dem legendären Münchner Nachtclub P1, den MyMuesli-Stores oder auch den Teilnehmern des PayPal-Pilotprojekts CheckIn ist Orderbird im Gastronomiebereich gut vertreten.

Daneben trifft bei Cafés, Bars und Restaurant das iPad-Kassensystem Gastrofix auf eine sehr gute Resonanz. Das vom Serien-Gründer Dirk Owerfeldt mit auf den Weg gebrachte Berliner Startup ist – seinem Namen getreu – ebenfalls auf den Gastronomiebereich spezialisiert. Dafür stehen Funktionen wie ein grafischer Tischplan und das Bedienen mehrerer Räume. Über den Standard hinaus geht, dass Gastrofix filialfähig ist und sich mit dem System auch mehrere Betriebe in Echtzeit verwalten lassen. Zudem bietet das System viele Auswertungs- und Tracking-Funktionen sowie ein Modul zur Kundenverwaltung und -Bindung. Gastrofix ist nach Angabe der Betreiber für „ab 59 Euro im Monat“ zu haben und soll auch für den kleinformatigen Handelseinsatz, z.B. an Marktständen geeignet sein. Die bekanntesten Referenzkunden wie die Strandperle Hamburg, Schumann’s Bar in München oder die Restaurant-Kette Mongo’s stammen allerdings wieder komplett aus dem Gastrobereich.

Neben Orderbird und Gastrofix gibt es noch eine Reihe weiterer auf die Gastronomie spezialisierter iPad-Kassensysteme. Zu den wichtigeren Namen zählen hier Megara und 9Cookies.

iPad-Kassen für den Einsatz im Handel

roc.Handel ist als vollumfängliches Kassensystem für den Einzelhandel gedacht

roc.Handel ist als vollumfängliches Kassensystem für den Einzelhandel gedacht

Obwohl Cafés und Restaurants das Haupteinsatzfeld für iPad-Kassensysteme darstellen, gibt es doch einige Anbieter, deren Lösungen auch für den Einsatz im Handelsumfeld vorgesehen sind. Dazu zählt roc.Kasse, das in seiner Grundform zwar auf den Gastronomiebereich zielt, aber bald die Kassenlösung roc.Handel im Markt einführen will. Dieser Schritt entspricht dem modularen Denken der im bayerischen Roßhaupten ansässigen roc.Kasse GmbH, die auch das Einlass-System roc.Ident und die Küchenorganisations-Lösung roc.Monitor anbietet. Zudem beinhaltet roc.Kasse bereits Funktionen wie die Artikelregistrierung durch Barcodescanning oder eine permanente Inventurführung, welche die Weiterentwicklung zum Handels-System erleichtern. roc.Kasse sowie roc.Handel werden als Paketlösung inkl. iPad zu einem Grundpreis von 899 Euro angeboten. Zu den Referenzkunden zählen Münchner Nobel-Restaurants wie das Schuhbeck’s und Tantris, aber auch die Handelsgeschäfte Atlas Schuhe und Bürger Profiküchen.

Ebenfalls für den Handelseinsatz vorgesehen ist das iPad-Kassensystem von SumUp. Der Anbieter mit Hauptsitz in London etablierte sich zunächst mit einer mobilen Kartenzahlungslösung für Smartphone und Tablet auf dem Markt und konnte sich dabei auch die Unterstützung wichtiger Akteure im Finanzbereich sichern. Das Mitte 2013 gelaunchte Kassensystem ist eine Erweiterung dieser Grundfunktion und ist laut SumUp besonders für Boutiquen, kleine Läden, Cafés und Selbstbedienungs-Restaurants geeignet. Handelskunden können das SumUp-Kassensystem als Teil einer „Point of Sale Box“ für monatlich 99 Euro mieten, die neben Hard- und Software auch die Kartenzahlungslösung des Anbieters umfasst.

Fazit

Wer sich im Gastronomiebereich – aber auch zunehmend im Handel – für ein iPad-Kassensystem interessiert, hat inzwischen eine recht breite Auswahl. Die Systeme sind nicht nur im Kundenkontakt ein stylishes Accessoire, sondern überzeugen auch durchwegs mit ihren Funktionen sowie ihrem im Vergleich zu traditionellen Kassensystemen attraktiven Preis. Dennoch versäumen es die Anbieter, die Potenziale der iPad-Plattform in Richtung E-Commerce, Online-Marketing oder auch Location Based Services zu nutzen. Insofern nimmt Inventorum mit seiner Handels-Spezialisierung und der Online-Marktplatz-Anbindung hier derzeit tatsächlich eine Sonderstellung ein – was auch einer der Gründe dafür sein dürfte, dass u.a. PayPal und NeueTischkultur bei ihren aktuellen Handelsexperimenten auf das Berliner iPad-Kassensystem setzen.



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