Interview: Jörg Richter von SAP über die Pendler-Plattform TwoGo.

von Christian Bach am 04.August 2014 in Interviews

Jörg Richter SAP TwoGoLocation-based Service von SAP: Der Walldorfer IT-Konzern hat TwoGo, eine App-basierte Plattform für Fahrgemeinschaften zum Büro, vor kurzem auch für Privatpersonen freigegeben. „Die SAP Unternehmensmission ‚Help the world run better‘ lautet auf TwoGo angewendet ‚Help the world drive better‘, wobei mit ‚better‘ weniger Emissionen, Lärm, Energieverbrauch, Straßenabnutzung und Staus gemeint sind“, sagt Jörg Richter. Er arbeitet seit 16 Jahren bei SAP, davon 3 Jahre am US-Standort Palo Alto, und ist seit 2013 Solution Owner TwoGo by SAP. TwoGo hat dabei eine interessante Entwicklungsgeschichte hinter sich, wie Jörg Richter erzählt: ab 2011 zunächst nur unternehmensintern genutzt, wurde die Plattform 2013 öffentlich vorgestellt und für andere Firmen geöffnet, die TwoGo in Lizenz nutzen konnten. Nun also der Schritt, TwoGo auch für Privatpersonen zu öffnen: dies dient aber wohl weniger dazu, sich dem Wettbewerb mit eher Studenten-orientierten Plattformen wie mitfahrgelegenheit.de zu stellen, sondern der Fokus liegt auf einem „Mitfahrnetzwerk für Berufspendler“.

Location Insider: Seit Anfang Juli können nicht nur SAP-Mitarbeiter, sondern auch „Externe“ TwoGo in den USA und in Deutschland nutzen. Warum eigentlich ausschließlich in diesen beiden Märkten?

Jörg Richter: Tatsächlich ist TwoGo weltweit verfügbar, und SAP vertreibt bereits seit Mitte 2013 die Mitfahrplattform TwoGo an Unternehmen zur globalen Nutzung durch deren Mitarbeiter. Mittlerweile nutzen Dutzende Firmen dieses Angebot. Seit Anfang Juli 2014 bietet die SAP TwoGo nun auch Privatpersonen an und zwar kostenfrei in 10 Sprachen und weltweit.

Location Insider: Die App dient weniger der privaten Nutzung, sondern sie soll vielmehr Pendler innerhalb von Unternehmen mit einem ähnlichen Weg zur Arbeit zusammenbringen. Müssen die interessierten Unternehmen die Lösung extra einbinden oder genügt Usern das Herunterladen der App?

Jörg Richter: TwoGo ist als offenes Netzwerk konzipiert. Privatpersonen können sich bei TwoGo registrieren und Fahrgemeinschaften bilden für Ihren Weg zur Arbeit oder sonstige Fahrten. Falls der Arbeitgeber eines TwoGo Nutzers eine Firmenlizenz für TwoGo erworben hat, dann stehen dem TwoGo Nutzer in seiner Rolle als Mitarbeiter zusätzliche Funktionen zur Verfügung: Der Mitarbeiter wird gegenüber anderen TwoGo Nutzern als Firmenangehöriger ausgewiesen. Das schafft Vertrauen und erlaubt dem Mitarbeiter, auf Wunsch nur im Kollegenkreis Fahrgemeinschaften zu bilden. Dem Mitarbeiter stehen die Firmenstandorte als vordefinierte Orte zur Schnelleingabe zur Verfügung. Einige Firmen bieten ihren Mitarbeitern bevorzugte Parkplätze oder die Teilnahme an Gewinnspielen an, wenn sie Fahrgemeinschaften mit Hilfe von TwoGo bilden.

Location Insider: Eigentlich hat SAP den Mitfahr-Dienst bereits im Juli 2011 gestartet. Damals gab es allein am ersten Tag 1.500 Nutzer. Wie viele SAP-Mitarbeiter und externe User gibt es jetzt?

Jörg Richter: Am SAP Hauptsitz sind mittlerweile 9.000 der 16.000 Mitarbeiter registriert. Für die Nutzer ist es allerdings viel wichtiger zu wissen, wie hoch die Vermittlungsrate liegt. Diese beträgt aktuell 59%.

Location Insider: Kam es zu TwoGo, weil die SAP-Zentrale in Walldorf allein 15 km von Heidelberg entfernt liegt?

Jörg Richter: Die besondere Verkehrssituation rund um Walldorf hat sicher auch eine Rolle gespielt. TwoGo ist aber in erster Linie als Sieger eines internen Ideenwettbewerbs in der SAP Entwicklung hervorgegangen. Aus dieser Idee wurde dann in 3 Stufen (SAP-internes Netzwerk, Netzwerk für Mitarbeiter von lizensierten Unternehmen, Netzwerk für Privatpersonen allgemein) die Lösung, die es heute ist.

Location Insider: Stichwort CSR: Geht es SAP bei TwoGo nur um die Umwelt und die gesellschaftlichen Verantwortung oder lassen sich über den Mitfahr-Dienst eventuell auch Werbe-Einnahmen generieren?

Jörg Richter: Die SAP stellt sich mit TwoGo ihrer gesellschaftlichen Verantwortung. Die SAP Unternehmensmission „Help the world run better“ lautet auf TwoGo angewendet „Help the world drive better”, wobei mit ‚better‘ weniger Emissionen, Lärm, Energieverbrauch, Straßenabnutzung und Staus gemeint sind.

TwoGo ist nicht nur ein einfacher IT Service, sondern die Nutzer haben Zugriff auf eine 24/7h deutsch/englische Telefonhotline und können sich per SMS über Fahrten benachrichtigen lassen. Um die damit verbundenen Kosten zu decken, denken wir aber weniger an traditionelle Werbeeinnahmen, sondern an die Einbindung von Firmen und Institutionen, die als Sponsoren auftreten wollen, um ihre gesellschaftliche Verantwortung zu zeigen oder die einen konkreten Mehrwert aus der Verwendung von TwoGo ziehen, bspw. Gebietskörperschaften durch reduzierte Kosten für ÖPNV und Straßenunterhalt.

Location Insider: Mitfahr-Apps gibt es in Deutschland wie Sand am Meer, zum Beispiel Mitfahrgelegenheit.de und Flinc, um nur zwei zu nennen. Wie wollen Sie sich gegen diese Mitbewerber durchsetzen?

Jörg Richter: TwoGo wurde für Berufspendler bzw. Kurzstreckenfahrten entwickelt, ein Markt der aus unserer Sicht noch nicht von anderen Anbietern besetzt ist wie Sand am Meer. TwoGo zeichnet sich im Übrigen durch drei Merkmale aus:

  1. TwoGo ist immer und überall erreichbar und optimiert für die Nutzung im Arbeitsalltag: Nutzer können auf TwoGo im Browser zugreifen, mittels mobiler App (für iOS und Android) oder einfach eine Fahrtanfrage/angebot per Terminanfrage an ride@twogo.com senden aus Ihrer Email/Kalender-Anwendung wie Outlook oder Gmail heraus. TwoGo versendet im Gegenzug Push-Notifikationen, Emails und Kalender-Einladungen sowie SMS. Und falls alle Stricke reißen, dann gibt es noch die besagte 24/7 Telefonhotline.
  2. TwoGo nimmt dem Nutzer die Arbeit ab beim Bilden von Fahrgemeinschaften: Es vermittelt aktiv im Gegensatz zu anderen Plattformen, die den Nutzer mit Listen von mehr oder weniger passenden Matches konfrontieren und dann alleinlassen. Bei der Bildung von Fahrgemeinschaften für das tägliche Pendeln und auf der Kurzstrecke hilft TwoGo, mit wenig Aufwand und Zeiteinsatz den passenden Mitfahrer oder Fahrer zu finden.
  3. TwoGo ist eine Lösung der SAP und kein Startup: Die SAP steht für Innovationskraft, Zuverlässigkeit, Vertrauen und sorgsamen Umgang mit fremden Daten. TwoGo wird in einem deutschen Hosting Center der SAP betrieben, die TwoGo Datenschutzrichtlinie bietet dem Nutzer maximale Privatsphäre. Und zu guter Letzt: SAP ist authentisch und selbst der kritischste Nutzer von TwoGo, und garantiert damit für stete Verbseerungen an der Lösung.

Location Insider: Sind weitere medienwirksame/standortbasierte Projekte dieses Jahr von SAP zu erwarten?

Jörg Richter: Ein klares ja. Bitte haben Sie Verständnis, wenn ich im Vorfeld dazu keine Details verrate.

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