Lawson versucht’s in klein, Amazon in groß.

von Stephan Lamprecht am 26.Februar 2020 in News

Ohne Personal und Kasse versucht es jetzt auch Lawson in Japan.

Ach würden wir Journalisten doch stets 5 Euro erhalten, wenn ein Analyst im Zusammenhang mit Amazon von „Game Changer“ oder „Disruption“ spricht. Man könnte das Schreiben dann glatt als Hobby betreiben. Ganz besonders disprutiv und das Spiel verändernd ist jetzt der neue Supermarkt „Amazon Go Grocery“, der auf rund 1.000 Quadratmetern die Technologie von Amazon Go einsetzt. Der japanische Händler Lawson versucht das lieber erst einmal eine Nummer kleiner.

Aber noch einmal zu Amazon. Die Schlagzeilen überschlagen sich in den vergangenen zwei Tagen geradezu. Und einige Kollegen plappern dann auch gleich mal die Äußerungen eines Amazon-Managers nach und sehen ein potentielles Millionengeschäft, weil der Konzern seine Technik in Lizenz auch an andere Unternehmen vergeben will.

Vor dem geistigen Auge sieht man ja bereits die Lebensmittelhändler aus Deutschland vor Amazons Türen Schlange stehen, um eine Technologie in Lizenz zu nutzen, von der noch nicht mal im Ansatz klar ist, was die Hardware inklusive Einbau für einen Markt überhaupt kostet. Geschweige denn die Einbindung der SKUs in die Erkennung.

Aber das rechnet sich bestimmt, schließlich kann man ja kräftig Personal einsparen. Was bedeutet den Kunden denn schon der Umgang mit anderen Menschen? Und die Gewerkschaften haben bestimmt keine Einwände dagegen.

Die paar Probleme mit dem deutschen Datenschutz in Hinblick auf die Kameraüberwachung in Innenräumen sind ja zweifellos ebenfalls mit der linken Hand zu lösen. Schließlich ist ja von uns Deutschen bekannt, dass wir mit personenbezogenen Daten viel lockerer als amerikanische Konsumenten umgehen.

Naja, und selbst wenn es die eine oder andere Schwierigkeit geben sollte: Eine bundesweit einheitliche Kundenkarte auf dem Smartphone inklusive Payment haben zum Glück ja bereits alle größeren Unternehmen am Start.

Mal weg von den Träumereien: Fakt ist, dass Amazon jetzt die kassenlose Technik auch auf größeren Verkaufsflächen von 1.000 Quadratmetern im Griff hat. Und es angeblich keine Obergrenze mehr geben soll. Optisch präsentieren sich die Geschäfte jedenfalls richtig konventionell. Kurzum: Die von Jeff Bezos eingestellten Manager sind nach wie vor entschlossen, den klassischen Lebensmitteleinzelhandel herauszufordern. Man muss nur abwarten, ob da ein bisschen mehr kommt, als das doch eher laue Lüftchen mit Amazon Fresh hierzulande.

Deutlich bodenständiger präsentiert Lawson Inc. in Japan seinen Convenience-Store „Grab & Go“. In dem Land sorgt der demographische Wandel für einen Arbeitskräftemangel, den gerade auch der Handel zu spüren bekommt. Die Konsumenten sind es gewohnt, in den kleineren Läden mehr oder weniger rund um die Uhr einkaufen zu können. Wer diese Serviceleistung also weiter anbieten will, muss sehen, wie er Alternativen zum Verkaufspersonal schafft. Automatisierung scheint die Antwort zu sein. Der kassenlose Laden von Lawson wird zunächst nur für die Mitarbeiter von Fujitsu geöffnet sein, in dessen Bürogebäude er sich befindet.

28 Kameras sowie Gewichtssensoren werden für die Warenerkennung genutzt. Aktuell wird für den Einkauf und die Authentifizierung des Kunden eine App auf dem Smartphone des Kunden benötigt. Die Lage des experimentellen Geschäfts ist aber noch aus einem weiteren Grund erfolgt. Im März soll im Eingangsbereich ein auf Biometrie basierendes Erkennungssystem eingebaut werden. Das wird Gesichts- und Handflächenerkennung kombinieren. Auf diese Weise sollen die Kunden dann beim Einkauf auch auf das Smartphone verzichten können.


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