Update zum Coronavirus und dem Handel (Teil 3).

von Stephan Lamprecht am 19.März 2020 in News

„Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst“, sagte gestern Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrer Fernsehansprache. Da darf man nur hoffen, dass auch die letzten Verharmloser die Herausforderung durch das neue Coronavirus für unsere Gesellschaft verstanden haben. Zugleich warnte Merkel in ihrer Ansprache auch vor unnötigen Hamsterkäufen: „Vorratshaltung ist sinnvoll, war es im Übrigen immer schon. Aber mit Maß. Hamstern, als werde es nie wieder etwas geben, ist sinnlos und letztlich vollkommen unsolidarisch.“ In dem Zusammenhang dankte sie den Beschäftigten in den Supermärkten für ihre Arbeit, gerade in der jetzigen Krisensituation.

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Und hier nun ein aktueller Überblick, wie der Handel mit der Corona-Krise umgeht:

Immer mehr Händler sehen sich gezwungen, ihre Geschäfte (freiwillig oder auf Basis von Verordnungen) zu schließen. Hugendubel informiert die Kundschaft auf der Website und auf Twitter. Wieso die Filialen in Thüringen und Berlin offenbar weiter geöffnet bleiben dürfen, wird bei Buchhändlern in anderen Regionen (wie Schleswig Holstein) Fragen aufwerfen. Apropos Buchhandlung: Viele lokale Buchhändler besitzen inzwischen einen Online-Shop, über den Lesehungrige sich Nachschub beschaffen können. Teilweise liefern die Händler gar nicht per DHL, sondern lokal aus. Wer dort bestellt, hilft den Unternehmen ein bisschen durch die Krise.

Die Einrichtungshäuser von Poco werden vorübergehend geschlossen. Ikea hatte diesen Schritt ja ebenfalls bereits kommuniziert.

In unserem Posteingang trafen in den vergangenen Stunden zahlreiche Nachrichten über Schließungen ein. C&A informierte die Kunden über die Schließung der Filialen, verweist dabei auf den Online-Shop. Es würden alle Bestellungen bearbeitet, es könne aber zu Lieferverzögerungen kommen.

Muji macht ebenfalls seine Läden zu. Die ohnehin kleine Online-Unit, die offenbar Artikel auch direkt aus der Filiale versendet, spricht davon, möglichst viele Bestellungen ausliefern zu wollen. Sie bietet aber gleich eine E-Mail-Adresse für die Stornierung an.

Bis auf weiteres werden auch die Shops von Tchibo nicht mehr geöffnet sein. Entsprechend wird es auch kein Click & Collect mehr geben. Über die Depots in Supermärkten und natürlich über den Online-Shop wolle man aber weiter für Inspirationen sorgen.

MediaMarkt verweist ebenfalls auf seinen Online-Shop. Zugleich wird eine Verlängerung der Rückgabefristen für lokal gekaufte Produkte in Aussicht gestellt.

Modehändler wie H&M sind gleich doppelt betroffen. Einerseits drücken die eigenen Sorgen auf die Kauflaune der Verbraucher. Zum anderen sind Filialen geschlossen. In einem Newsletter hat das Unternehmen deshalb ein verlängertes Rückgaberecht von 100 Tagen für den Online-Shop angekündigt. Außerdem wird der Mindestbestellwert für kostenfreien Versand gesenkt (siehe Screenshot oben).

Die Nervosität in Hinblick auf die Online-Shops ist eigentlich bei allen Händler zwischen den Zeilen der Mails zu erkennen. Und beim digitalen Handel sind die Unternehmen auf die Logistiker angewiesen: Doch derzeit ist nicht klar, wie viele Paketshops geöffnet bleiben können. Das Netz könnte also deutliche Risse bekommen.

Gemeinsam durch die Krise

Gerade kleinere Unternehmen dürften durch die behördlichen Einschränkungen schnell in finanzielle Schieflage geraten. Wie kommen die Unternehmen an Kurzarbeitergeld oder die Unterstützung durch die KfW? Ein Beitrag fasst die wichtigsten Hilfsangebote zusammen.

Laut SPIEGEL-Informationen feilt die Bundesregierung gerade an einem Hilfspaket für Solo-Selbständige und Kleinunternehmen. 10 Milliarden Euro sollen als Zuschüsse fließen, 30 Milliarden Euro als Kredite bereitgestellt werden.

Da gerade die Entwicklung solcher Hilfsangebote sehr dynamisch verlaufen dürfte, hat Marcus Diekmann von Rose Bikes mit zahlreichen Mitstreitern (u.a. von BabyOne) eine Gruppe auf LinkedIn ins Leben gerufen, in der zunächst Informationen rund um Hilfsprogramme und -fonds von Land, Bund, EU, Banken, KFW oder sonstigen Einrichtungen geteilt werden sollen. Wir finden, dass das eine sehr gute Idee ist. Hier geht’s zur Gruppe:

Gestern hatten wir von verschiedenen Initiativen des Lebensmitteleinzelhandels berichtet, Risikogruppen den Einkauf zu erleichtern. In Österreich ist dies jetzt auch eine offizielle Empfehlung des Handelsverbands. Demnach sollte die Zeit zwischen 8 und 9 Uhr gerade für ältere Mitbürger reserviert werden.

In den USA reagiert die Kette Target mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen auf die Corona-Epidemie. Die Filialen werden früher geschlossen, um den Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, das Geschäft nicht nur gründlicher zu reinigen, sondern auch die Regale aufzufüllen. Mittwochs soll die erste Stunde landesweit dem Einkauf von Risikogruppen vorbehalten werden. Außerdem wurden alle Gastrokomponenten geschlossen.

Ende Februar musste der Veranstalter der Modemesse Panorama Insolvenz anmelden, hatte aber bekräftigt, die Veranstaltung durchführen zu wollen. Nun kam die Absage. Die aktuelle Situation biete nicht genügend Planungssicherheit, um die Veranstaltung durchführen zu können. In der Absage stellt der Veranstalter die Entwicklung einer digitalen Alternative in Aussicht, deren ersten Funktionen im April vorgestellt werden sollen.

Mundschutz-Produktion als nationale Aufgabe

Helmut Merkel, ehemaliger Karstadt-CEO und heute in Hongkong zu Hause, wundert sich zugleich, dass in deutschen Supermärkten noch immer relativ wenig zusätzliche Hygienemaßnahmen vorgenommen werden: In China seien alle Supermarkt-Mitarbeiter mit Handschuhen und Mundschutz ausgestattet, auch um zu vermeiden, dass noch unerkannte Virusträger weitere Menschen anstecken. Doch bei Mundschutz  gibt es in Deutschland leider seit Wochen Lieferengpässe, wie auch der Handelsverband HDE moniert. Selbst in Krankenhäusern fehlen sie, und da werden sie noch viel dringender benötigt als in Supermärkten.

Es sollte also eine der wichtigsten nationalen Aufgaben sein, schnell eine inländische Produktion von solchen Schutzartikeln hochzufahren – weiter auf billig in China hergestellte Schutzmasken zu warten macht keinen Sinn.

In der Zwischenzeit setzen Händler wie Aldi Nord (Bild oben) auf Sicherheitshinweise an die eigenen Kunden – und erste Märkte bauen Plexiglaswände in der Kassenzone auf, um unnötige Kontakte zu vermeiden.

Mutmacher aus China

Eine positive Neuigkeit inmitten der schlechten Nachrichten stammt aus China. Nachdem dort die Produktionsstätten wieder ihren Betrieb aufnehmen, erhöhen die chinesischen Unternehmen wieder ihre Werbebudgets. Denn natürlich leiden auch Anzeigenschaltungen bei Google oder Amazon unter der aktuellen Situation. Wie das Unternehmen Adspert herausgefunden hat, gehen die Buchungen sogar noch stärker als die Börsenindizes zurück. Da ist die Rückkehr des Vertrauens der chinesischen Unternehmen zumindest ein Lichtblick.

Apropos China: Wie haben es chinesische Händler eigentlich geschafft, ihre Kunden auch während des Lockdowns zu erreichen? Wie die Analyse von Weixin Zha zeigt, spielen Online-Aktivitäten hier die wichtigste Rolle, wobei sich die Unternehmen sehr kreativ zeigten.

In diesem Sinn: Kommen Sie weiter gut durch und bleiben Sie gesund!

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