Coronavirus: Mit diesen Lösungen beantwortet der Einzelhandel in China die Krise.

von Florian Treiß am 29.Februar 2020 in Highlight, News

Das Coronavirus verunsichert Menschen und Unternehmen weltweit: Die Aktienmärkte brechen ein, Unternehmen befürchten Umsatzeinbrüche, Messen wie der Mobile World Congress in Barcelona und die ITB in Berlin werden abgesagt und erste deutsche Supermärkte berichten von Hamsterkäufen. Doch wie sieht es im Epizentrum der Coronavirus-Krise aus? Händler in China arbeiten längst daran, die Nahversorgung trotz geschlossener Läden aufrecht zu erhalten. Wolf-Jochen Schulte-Hillen von SH Selection, der in engem Kontakt mit Prof. Helmut Merkel steht, leitete uns dessen Eindrücke aus China weiter. Der ehemalige Karstadt-Chef Merkel lebt seit über zehn Jahren in Hongkong und hat beobachtet, wie der Handel in Peking und anderen Städten der Krise trotzt und dabei auf Hightech setzt.

Lieferdienste laden Ware auf zentralen Plätzen im freien ab (Bild: Helmut Merkel)

Eine Antwort auf den Coronavirus lautet: Die Lieferung von Bestellungen an zentrale Plätze (siehe Bild oben), um geschlossene Räume zu meiden und die Ausbreitung des Virus einzudämmen. An diesen zentralen Plätzen können die Lieferungen persönlich abgeholt werden, die Abholung muss nur kurz per Scan mit dem Smartphone bestätigt werden.

Zugleich treiben chinesische Händler angesichts der Krise auch die Lieferung von Bestellungen mit unbemannten Lösungen voran: So gab die Liefer-App Meituan Dianping vor wenigen Tagen bekannt, dass sie autonome Fahrzeuge zur Zustellungen von Lebensmittelbestellungen an Kunden im Bezirk Shunyi in Peking einsetzt und ähnliche Roboter-Lieferservices in weiteren Bezirken ausrollen möchte. Auch andere Händler wie JD.com setzen verstärkt Roboter-Autos für die Lieferung ein. Waren solche Fahrzeuge zuvor vor allem etwas für die Innovationsabteilung, machen sie jetzt richtig Sinn: „Die autonomen JD-Lieferroboter können dazu beitragen, den Kontakt von Mensch zu Mensch zu reduzieren, was sie zu einer idealen Lösung für Letzte-Meile-Lieferlösungen in Wuhan in dieser einzigartigen Zeit macht und sowohl unsere Kunden als auch unsere Mitarbeiter schützt“, so JD-Manager Qi Kong im Firmenblog. Zudem werden auch Drohnen verstärkt für die Zustellung auf der letzten Meile eingesetzt.

Autonomes Lieferfahrzeug von Meituan Dianping (Bild: PR)

Auch kontaktloses Mobile Payment, das in China sowie schon länger dank AliPay und WeChat Pay schon länger boomt, ist weiter auf dem Vormarsch. Zumal die chinesische Regierung beschlossen hat, gebrauchte Geldscheine einzuziehen, sie dann in Banken zu desinfizieren und einlagern zu lassen, um sie erst nach ein bis zwei Wochen wieder in den Umlauf zu bringen. Zwar ist unter Experten umstritten, ob das Coronavirus wirklich über Geldscheine übertragen werden kann, doch sicher ist sicher.

Laut Helmut Merkel klagen viele chinesische Händler derzeit über Umsatzrückgänge von 40 bis 80 Prozent. Um die Firmen nicht gleich in die Pleite zu schicken, reduzieren Vermieter die Mieten oder setzen sie sogar komplett aus. Die Regierung in Hongkong greift zudem zu einer kreativen Maßnahme, um den Konsum anzukurbeln: Sie schenkt jedem volljährigen Einwohner der Metropole im März 10.000 Hongkong-Dollar, was ungefähr 1.150 Euro entspricht.


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