Fliesenfachhändler Leibfried macht Mut, Zalando trifft Corona, Händler setzen auf Livestreams und Video.

von Stephan Lamprecht am 01.April 2020 in News

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

in einem Interview sprach Douglas-Chefin Tina Müller ja davon, dass es das Unternehmen eine ganze Weile aus eigener Kraft schaffen würde. Darin war auch die Rede davon, die Mietzahlungen für die Filialen zu stunden. Wie die Lebensmittelzeitung herausfand, bezahlt die Kette ihre Lieferanten nicht. Beglichen werden offenbar kleinere Partien. Größere Lieferanten warten allerdings trotz Mahnung auf ihr Geld.

Fliesenfachhändler Gustl Leibfried steckt den Kopf nicht in den Sand. Er bietet seinen Kunden die Beratung per Videochat an. Und wir haben mit ihm gesprochen. Ganz klar unser Mutmacher des Tages.

Unsere weiteren News:

Der Handel zwischen Unternehmen unterscheidet sich an vielen Stellen vom Verkauf an Konsumenten. Aber es wäre ja überraschend, wenn die Coranavirus-Krise am B2B-Segment spurlos vorbeiging. Mercateo, Betreiber von B2B-Plattformen, veröffentlicht zweimal in der Woche neue Beiträge in seinem B2B-Krisenradar. Unser Lektüretipp für alle Händler, die sich auf den B2B-Vertrieb konzentrieren.

Die auch von uns aktiv unterstützte Initiative „Händler helfen Händlern“ veranstaltet heute ab 18 Uhr einen Digitaltalk. Thema ist „Corona-Krise und Handel – wie ist die Situation und was ist zu tun?“. Teilnehmer benötigen die kostenfreie Software Zoom. Teilnehmer der illustren Runde sind Marcus Diekmann, CEO Rose Bikes, Carsten Schmitz, CDO Intersport, Markus Meyer, CDO Eismann, Matthias Zerber, GF BVB Merchandising und Axel Gedat, Aufsichtsratsvorsitzender Gerry Weber. Ab 16 Uhr finden Sie den für die Teilnahme notwendigen Link in der LinkedIn-Gruppe der Initiative.

Zalando verliert, Deichmann sorgt sich, HelloFresh gewinnt

Die Kaufzurückhaltung der Verbraucher spürt jetzt auch Zalando. Der Vorstand wendet sich in einem offenen Brief an Mitarbeiter, Aktionäre und Kunden. Aktuell lockt das Unternehmen die Kunden mit Rabatten von 50 Prozent, um nicht auf der Ware sitzen zu bleiben. Und weil das natürlich keine guten Nachrichten sind, lenkt das Unternehmen dann auch schnell davon ab und verweist auf eine Initiative für gebeutelte Händler: Zalando verzichtet in seinem Händlerprogramm „Connected Retail“ zwischen dem 1. April und 31. Mai auf seine Provision. Zusätzlich gibt wöchentliche statt monatliche Auszahlungen.

Lieferdienst HelloFresh freut sich über ein ordentliches Wachstum. Das liegt in erster Linie an der gestiegenen Nachfrage seit Beginn der Coronavirus-Krise. Das finden die verunsicherten Anleger gut. Seit Ende Februar legte der Aktienkurs von HelloFresh rund 30 Prozent zu. Die Firma ist an der Börse derzeit etwas mehr als fünf Mrd. Euro wert und lässt die Lufthansa hinter sich.

Deichmann tut gerade das, was alle andere stationäre Händler machen. Der Schuhhändler sucht den Dialog mit Vermietern, um Zahlungen zu stunden und den Liquiditätsabfluss zu verringern. Das Unternehmen geht damit offensiv an die Öffentlichkeit. So erklärt Heinrich Deichmann, der das Unternehmen seit 1999 führt, die Beweggründe und spricht über seine aktuellen Sorgen. „Sehr ernst“ wird die Lage, sollte die derzeitige Situation drei Monate andauern.

Warum Nudeln und Toilettenpapier knapp sind

Es ist genug für alle da. Das lesen die Konsumenten zwar ständig in den Zeitungen, aber im Supermarkt stehen sie teilweise doch vor leeren Regalen. Peer Schader widmet sich in einer Analyse diesem Problem. Er erklärt, warum es für die Händler aktuell so schwer ist, Waren zu disponieren. Lieferprobleme dürfte es noch eine ganze Weile geben, aktuell gelingt es nicht, Lagerbestände aufzubauen. Die Produktionen gehen direkt in den Handel.

Das „Handelsblatt“ wirft einen Blick auf die gesamte Logistikbranche. Statt Lieferketten gibt es momentan Lieferpuzzles. Mangelndes Personal, Grenzschließungen bzw. stärkere Kontrollen und die Verschiebungen der Belieferungsrouten sorgen dafür, dass es manchmal ganz schön eng wird.

Videoberatung beim Fahrradkauf, Livestreams und andere Initiativen

Auch die Läden von Rose Bikes sind geschlossen. Die Not macht erfinderisch. Wie Marketingleiter Tim Böker in einem Beitrag auf LinkedIn verriet, probiert das Unternehmen gerade die Videoberatung per WhatsApp aus. Aus sieben Terminen sprangen zwei Verkäufe und drei Angebote heraus. Das Unternehmen will daraus weiter lernen und den Service ausbauen.

Dem Vorbild China folgen inzwischen eine Reihe kleinerer Händler aus Deutschland. Kann der Kunde nicht in den Laden kommen, kommt die Beratung per Livestream zu den Kunden. Zu den Pionieren auf dem Gebiet gehören einige Modehändler, Optiker aber auch ein Geschäft für Schreibwaren.

Epages unterstützt Händler dabei, schnell online zu gehen. Bis zum 30. Juni können interessierte Unternehmen einen Shop kostenlos eröffnen. Das Angebot gilt über den Termin hinaus, falls Ladenschließungen oder Einschränkungen zum Schutz von Risikogruppen bestehen bleiben.

Picnic startet als erster E-Food-Anbieter in Deutschland mit der Sonntagslieferung. Der zusätzliche Liefertag soll nicht nur die angespannte Situation bei den Lieferslots entspannen. Ärzte und Pflegekräfte haben über eine „Special Care Liste“ an diesem Tag Vorrang.

„Ich möchte an die Onlinehändler appellieren, jetzt keine Rabattschlachten mit aktueller Ware zu beginnen. Wenn nur einer der Großen mit Rabatten anfängt, ist es das Aus für viele Kleine.“ Renata DePauli ist Gründerin und Chefin des Mode-Onlineshops Herrenausstatter.de. Die aktuelle Krise betrifft auch ihr Unternehmen. Sie sieht sich allerdings gut aufgestellt, macht sich aber Sorgen um kleinere stationäre Händler.

Die Metro bietet Gastronomen und kleinen Unternehmern ab sofort eine digitale Lösung zur Erstellung von Gutscheinen an. Innerhalb einer Woche entstand in Kooperation zwischen Hospitality Digital und dem Berliner FinTech OptioPay das Portal www.HilfeLokal.de. Metro übernimmt bei einer Anmeldung über die Gastro-Plattform www.dish.co und die Website www.metro.de bis Ende Mai die anfallenden Kosten für Registrierung und Provision.

Walmart beginnt in den USA damit, die Temperatur der Mitarbeiter bei Schichtbeginn zu messen. Dies gilt für alle Stores aber auch Verteilzentren und Lager.

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