Interview: Beaconinside-Gründer und -CEO Cornelius Rabsch will 2014 Beacons im 5-stelligen Bereich absetzen.

von Christian Bach am 15.Mai 2014 in Interviews

Cornelius Rabsch - 244x360Beaconinside-Gründer und -Geschäftsführer Cornelius Rabsch will „dieses Jahr Beacons im hohen fünfstelligen Bereich verkaufen“. Im besten Fall soll die Beacon-Technologie deutschlandweit in allen McDonald’s-Filialen ausgerollt und diese auch in die offizielle McDonald´s-App integriert werden. Zum Stand der Verhandlungen kann er aber noch keine Auskunft geben. Längerfristig sollen sogar „moving objects“, wie zum Beispiel Autos, mit der Bluetooth-Low-Energy-Technik ausgestattet werden. Das Berliner Startup hat gerade ein neues Büro bezogen, wo die in Deutschland produzierten Beacons im Dauereinsatz sind. Dabei werden laut Rabsch folgende Fragen beantwortet: „Erfolgt der automatische Büro-Check-in am Morgen? Gibt es verlässlich eine Benachrichtigung, wenn das Gebäude verlassen wird, inklusive Aufenthaltsdauer? Wird der Status des Meeting-Raumes korrekt als frei oder belegt angezeigt?“ Beaconinside war diese Woche auch auf der Frankfurter Messe m-days vertreten. In mehreren Szenarien wurden unter anderem Click&Collect-Piloten und interaktive Displays ausgestellt.

Location Insider: Sie haben Beacons auch in Ihrem Beaconinside-Büro angebracht. Wie genau nutzen Sie die Sender?

Cornelius Rabsch: Wir sind gerade in ein neues Büro in Berlin gezogen und setzen mehrere iBeacon-Szenarien um. Es geht hauptsächlich um Testszenarien, um die Verlässlichkeit der Technologie auch langfristig im täglichen Gebrauch zu validieren. Das heißt, erfolgt der automatische Büro-Check-in am Morgen? Gibt es verlässlich eine Benachrichtigung, wenn das Gebäude verlassen wird, inklusive Aufenthaltsdauer? Wird der Status des Meeting-Raumes korrekt als frei oder belegt angezeigt? Wie genau kann der Standort im Büro bestimmt werden? Wie lange muss man in Zonen verweilen, damit das Smartphone auch den iBeacon erkennt? Aperto Move hat für die m-days in Frankfurt mehrere Szenarien mit unseren iBeacons umgesetzt, von Click & Collect bis zu interaktiven Displays, definitiv empfehlenswert.

Location Insider: 2010 haben Sie Ihr Location-based Startup Tagcrumbs geschlossen. War es zu zeitig für standortbasierte Dienste? Was hat sich seitdem in der Branche getan?

Cornelius Rabsch: Genau, Tagcrumbs habe ich während des Studiums gegründet, zu einer Zeit als GPS noch nicht Standard in mobilen Endgeräten war und der Smartphone-Begriff auch noch Blackberry und Symbian-Geräten zugeordnet wurde. Aktuell ist es immer noch sehr schwer und sehr teuer mobil lokale Reichweiten aufzubauen. eBay Kleinanzeigen, kaufDA, Meinestadt oder Barcoo haben dies geschafft, aber viele Location-based Services sind daran gescheitert. Darüber hinaus kommt die Problematik der Monetarisierung, in der es werbefinanzierte Modelle mobil schwerer haben. Für Startups ist Timing immer eine wichtige Komponente und man will ungern auf die Entwicklung eines Marktes warten. Die Voraussetzungen für standortbezogene Dienste sind nun eindeutig besser: 50 Prozent und mehr Smartphone-Penetration und kontinuierlich steigende mobile Nutzungsintensitäten sind die Haupttreiber. Darüber hinaus gibt es skalierbare Monetarisierungs- und Kollaborationsmöglichkeiten.

Location Insider: „Der iBeacon-Markt ist derzeit sehr intransparent und viele Versprechungen werden gemacht, gerade was Batterielaufzeit, Reichweiten und Praxistauglichkeit betrifft“, sagten Sie im April dieses Jahres in einem Interview. Stellen Sie bei Beaconinside keine Versprechen auf?

Cornelius Rabsch: Nein, wir können alle Behauptungen klar aufzeigen, bis hin zu den technischen Prüfungen. In den letzten Wochen gab es viele Reaktionen zu den Batterielaufzeiten von iBeacons, zum Beispiel im Blog von Estimote. Die Transparenz steigt nun und Fazit ist ganz klar, Batterie mAh spielen eine große Rolle und mit Knopfzellen schafft man fast nie ein Jahr. Unabhängig davon kann unser iBeacon mit Micro-USB betrieben werden, um der Wartungsthematik langfristig aus dem Wege zu gehen.

Location Insider: Seit Ende März testen Sie Beacons in 30 McDonald’s-Filialen. Wo gibt es denn noch Probleme beziehungsweise schon Fortschritte?

Cornelius Rabsch: Learnings gibt es viele und gerade der Vergleich zwischen den einzelnen Restaurants zeigt klare Unterschiede in der Nutzungsintensität. Die größten Herausforderungen bestehen in der Vermarktung des Passbook-Szenarios am POS. Die Nutzer müssen erst einen QR-Code scannen, was bekannterweise eine große Hürde darstellt. Die Platzierung und Sichtbarkeit der Plakate für die Aktion ist auch entscheidend.

Location Insider: Gibt es einen Plan, wann die Beacon-Technologie (deutschlandweit in allen McDonald’s-Filialen) ausgerollt werden soll? Ist bereits absehbar, ob und wann die Beacon-Funktion auch in die offizielle McDonald´s-App integriert wird?

Cornelius Rabsch: Natürlich ist dies unser Ziel, aber wir geben dazu keine Auskunft.

Location Insider: Wie verhindern Sie, dass Kunden von mehreren Händlern mit Push-Nachrichten zugespamt werden?

Cornelius Rabsch: Wir können es nicht verhindern, beraten aber unsere Kunden wie iBeacon Push-Nachrichten richtig verwendet werden sollten. Alle (Werbe-)Nachrichten für Endverbraucher sollten immer größtmögliche Relevanz haben, das heißt relevanter Zeitpunkt im Zusammenhang mit aktuellem Nutzerstandort und natürlich relevanter Message. Die Problematik ist nicht neu und bekannt durch reguläre Push-Nachrichten, die immer häufiger für Werbezwecke genutzt werden. Jeder App Anbieter trägt Verantwortung für die eigene User Experience.

Location Insider: Warum lassen Sie Ihre Beacon-Sender eigentlich in Deutschland (Bayern) produzieren? Ist die Produktion hierzulande nicht teurer als im Ausland?

Cornelius Rabsch: Deutschland ist ein Industrieland und es wird viel im eigenen Land produziert, vom Stift bis zum Auto. Meist geschieht dies durch vollautomatische Fertigungslinien. Man denkt natürlich immer gleich an Consumer Electronics wie Fernseher oder Smartphones, die zum Großteil im asiatischen Raum mit mehr manueller Arbeit zusammengebaut werden. Bei größeren Abnahmemengen können wir durchaus wettbewerbsfähige Preise anbieten.

Location Insider: Ende März waren Beacons schwer zu bekommen. Hat sich die Nachfrage in den vergangenen Wochen gelegt?

Cornelius Rabsch: Wir können da nur für uns sprechen und ab dieser Woche liefern wir immer innerhalb weniger Tage aus.

Location Insider: Laut Ihrer Webseite arbeiten Sie auch mit „moving objects“. Inwiefern statten Sie Autos mit Beacons aus?

Cornelius Rabsch: Bisher noch nicht, bzw. nur auf Messen in einzelnen Autos. „Moving objects“ können auch Personen sein, die Signale an interaktive Displays senden. Typischerweise agiert das Smartphone dann als iBeacon.

Location Insider: Was genau wollen Sie mit Beaconinside dieses Jahr noch erreichen? Können Sie bereits Details verraten?

Cornelius Rabsch: Aktuell sind wir mit der Auslieferung und dem Fulfillment der bestehenden iBeacon-Bestellungen beschäftigt, aber launchen in Kürze unsere ersten iBeacon-Softwareprodukte. Ziel dieses Jahr ist im hohen fünfstelligen Bereich Beacons zu verkaufen und klare Mehrwerte aufzuzeigen in größeren Szenarien für Endverbraucher.

Location Insider: Vielen Dank für das Interview.

Weitere spannende Interviews zu Location-based Services:


Artikel teilen




Abonnieren Sie den kostenlosen Newsletter von Location Insider. Wir liefern darin täglich gegen 11 Uhr business-relevante Hintergründe zur Digitalisierung des Handels.

Hiermit akzeptiere ich die Datenschutzbestimmungen.