KaDeWe will schneller online gehen, Business-Hackathon „Retail Hack“ für die Zeit nach Corona, Suchmaschine für Lieferslots.

von Stephan Lamprecht am 06.April 2020 in News

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

wer in den Medien die Diskussion zum Ende des Lockdowns verfolgt, rechnet wohl kaum damit, dass von einem Tag auf den anderen alle Einschränkungen fallen. Noch sind die Szenarien unklar, aber es ist davon auszugehen, dass auch danach strenge Vorgaben für Veranstaltungen und auch den Handel gelten. Fielmann rechnet jedenfalls nicht damit, nach der akuten Phase sofort wieder in den Normalzustand zurückkehren zu können. Deshalb hat das Unternehmen den Hygiene-Wissenschaftler Prof. Martin Exner von der Universität Bonn mit einem Gutachten beauftragt. Darin sollen mögliche Vorsorgemaßnahmen im Filialbetrieb vorgestellt werden. Geplant ist, die Ergebnisse in dieser Woche zu veröffentlichen, um sie auch anderen Händlern zur Verfügung zu stellen.

Jan Bechler (oben im Bild), Gründer und Geschäftsführer der E-Commerce-Beratung Finc3 Commerce aus Hamburg, fand die Zeit, uns nicht nur Fragen zu aktuellen Trends auf Amazon zu beantworten, sondern auch seine Einschätzung zu verraten, wie Händler, deren Läden aktuell geschlossen sind, jetzt online durchstarten können. Auch über die Herausforderungen für die Zukunft spricht er:

„Haben die Menschen Angst ihren Job zu verlieren, werden sie den Kauf eines Kaffee-Vollautomaten vermutlich erstmal hinausschieben. Haben sie verstanden, dass ihr Konsum die viele Arbeitsplätze retten kann, könnte das Gegenteil der Fall sein.“

Bis zum 13.4. läuft die Bewerbungsfrist für den Business-Hackathon „Retail Hack“, den IFH Köln und die Initiative „Händler helfen Händlern“ gemeinsam veranstalten. Ziel des Hackathons ist, neue Ideen rund um das Thema „Geschäftsmodelle für den Handel in der Zeit danach“ zu entwickeln und entsprechende Konzepte auszuarbeiten. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.

Sportartikelhersteller wollen ihr Händlernetz retten, KaDeWe geht schneller online

Die möglichen Pleiten im Einzelhandel sind nicht nur für die Geschäftsinhaber schlimm. Für Markenhersteller, die sich bisher dem Online-Vertrieb verweigerten, haben sie möglicherweise katastrophale Folgen. Das mühsam aufgebaute Vertriebsnetz ist bedroht. So muss beispielsweise Ortovox die bisherige Verweigerung gegenüber Amazon aufgeben. Das auf Funktionskleidung spezialisierte Unternehmen stellt den Händlern Gutscheine zur Verfügung, die diese an ihre Kunden weitergeben. Kaufen die Kunden damit bei Ortovox online ein, erhält der Händler ein Viertel des Umsatzes. Ein Beispiel dafür, wie Sportmarken derzeit versuchen, ihre stationären Vertriebspartner zu unterstützen.

Die KaDeWe-Gruppe wollte sich dem Online-Vertrieb langsam nähern. Der Lockdown beschleunigt das Vorhaben ganz offenbar. Nach einem Medienbericht plant der Warenhausverbund, einen temporären Online-Shop aufzusetzen. Zum Verbund gehören neben dem KaDeWe in Berlin auch das Alsterhaus in Hamburg und das Oberpollinger in München.

Hilfmaßnahmen und Initiativen für den Handel

“Das ist für den Mittelstand die bedrohlichste Situation, die ich je erlebt habe. Es gibt natürlich viele Maßnahmen, die schnell helfen, aber ab einer bestimmten Unternehmensgröße arbeiten die Mühlen doch langsamer.“

Markus Dielmann ist Chef einer Schuhhandelskette. Im Interview spricht er über die Lage seines eigenen Unternehmens, die aktuelle Krise im Einzelhandel und den Rettungsmaßnahmen der Regierung.

Aus Sicht des Handels für Telekommunikationsgeräte stellt Eva Christian eine Liste von Plattformen und Initiativen für Einzelhändler zusammen. Nach Bundesländern geordnet können sich Händler darüber informieren, welche Lieferdienste und Online-Plattformen Hilfen anbieten, um die Kunden weiter zu bedienen.

Suchmaschine für E-Food-Lieferslots

Foodly, Anbieter eine Rezept- und Einkaufsapp, nimmt sich eines Problems an, das aktuell viele Kunden bei der Online-Bestellung von Lebensmitteln umtreibt. Welcher Dienst bietet denn überhaupt noch freie Lieferslots an? Das Unternehmen hat kurzerhand eine Suchmaschine gebaut, die nach Eingabe der PLZ die Anbieter ausgibt, die dorthin liefern.

“Dank den tollen Leipziger IT-Experten von eXa Online konnten wir einen eigenen Online Shop bauen, von dem wir nie dachten, das wir ihn je bräuchten.“

In seinem Newsletter informiert der Leipziger Laufladen seine Kunden mit einem Augenzwinkern über den neu eröffneten Online-Shop.

Selbstständige in der Fashion-Industrie, Code of Conduct für Gewerbeimmobilien

Die Fashion-Industrie beschäftigt viele Freiberufler und Selbstständige. Nach dem Stillstand in der Branche erscheint die Zukunft auch für sie ungewiss. Was machen die Betroffenen jetzt zu Hause? Wie gehen sie auch beruflich mit der Situation um? Fashionunited startet dazu eine kleine Serie.

Unter der Moderation des German Council of Shopping Places verständigten sich Vertreter namhafter Einzelhandelsmieter und Gewerbevermieter in einer Telefonkonferenz auf die Gründung einer Initiative für einen Code of Conduct. Darin sind Maßgaben zur gemeinsamen Bewältigung der Corona-Krise verabschiedet. Der Code of Conduct soll voraussichtlich heute veröffentlicht werden, um dann allen Marktteilnehmern zur Verfügung zu stehen.

Paketkontingente in der Schweiz und Amazon verlegt Shopping-Event

Amazon plant wohl, seinen Prime Day zu verlegen. Unter Berufung auf interne Papiere melden einige Medien, dass der Konzern das Event von Juli bis mindestens in den August verschieben wolle. Die erhöhte Nachfrage während des Shopping-Events könnte die ohnehin am Anschlag arbeitende Logistik des Unternehmens wohl überfordern.

Die Online-Händler in der Schweiz stehen vor der unangenehmen Situation, dass die Nachfrage auf der Seite der Kunden wegen des Lockdowns extrem hoch ist, aber die Schweizerische Post, die in dem Land 90 Prozent des Paketvolumens abwickelt, an die Grenzen ihrer Belastung stößt. Sie will Kontingente für die 100 größten Händler einführen. Thomas Lang macht sich Gedanken, wie das Problem zu lösen ist.

Was sonst noch wichtig ist

Notebooksbilliger ist in Deutschland bekannt. Im europäischen Wettbewerb ist der Firmenname allerdings etwas sperrig, zumal er das Gesamtsortiment des Unternehmens auch nicht vollständig abbildet. Mit dem Rebranding als „NBB.com“ will sich der Händler breiter aufstellen.

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