Knuspr nennt Details zum schnellen Ende der Sonntagslieferung

von Florian Treiß am 16.August 2023 in News

Flaschenpost war mit dem Versuch bereits 2016 gescheitert, Gorillas kassierte 2021 ein entsprechendes Verbot – und wie von uns am Montag exklusiv gemeldet, ist nun auch der Online-Supermarkt Knuspr nach gerade einmal vier Wochen am Einschreiten der Behörden gegen eine Lieferung von Lebensmitteln am Sonntag gescheitert. Diesen Service hatte das tschechische Unternehmen Mitte Juli in München eingeführt – und zwar mit dem vermeintlichen juristischen Schlupfloch, über die Gründung einer Gastronomie-Tochter neben zubereiteten Speisen zusätzlich auch frische Lebensmittel am Sonntag auszuliefern. Knuspr Café nannte sich dieser Service, zu dem die Firma auch brav ein lokal in der Münchner Innenstadt eingerichtet hatte.

Die genauen Gründe für das Ende der Sonntagslieferung bei Knuspr blieben am Montag bei Erscheinen unseres ersten Artikels zunächst noch im Unklaren. Denn das Unternehmen hatte sich gegenüber Location Insider etwas mehr Zeit für ein Statement erbeten. Nun liegt uns endlich die entsprechende Stellungnahme von Pressesprecher Manuel Kalleder vor. Er schreibt:

„Bei Knuspr steht der Kunde stets im Mittelpunkt von allem, was wir tun. Und eines der Kernanliegen unserer Kunden war und ist: Einkaufen zu können, wann auch immer sie wollen – sprich, auch an Sonn- und Feiertagen. Daher haben wir das Knuspr Café ins Leben gerufen. Denn gastronomische Betriebe dürfen an Sonn- und Feiertagen öffnen und operieren. Wir konnten so zum einen vielen Menschen in der Gastro-Branche Arbeit geben und zum anderen noch vielen mehr eine Zuverdienstmöglichkeit ermöglichen. Darüber hinaus konnten wir den einleitend erwähnten Kundenwunsch erfüllen – und unsere Kunden dankten es uns mit unzähligen Zuschriften, Anrufen und positiven Kommentaren.“

Weiter schreibt Kalleder:

„Nun hat uns die Gewerbeaufsicht über die letzten Wochen immer mehr Hürden in den Weg gelegt. Wir waren damit nicht einverstanden, aber natürlich halten wir uns immer an die Regeln. Als kundenzentriertes Unternehmen stellen wir für unsere Kunden immer und zu jeder Zeit den Status Quo in Frage und stellen uns jeder Herausforderung. Aber wir messen uns natürlich auch am herausragend hohen Level unseres Services. Die immer größer werdende Anzahl an Hürden, die uns Freitagnachmittags gestellt wurden, haben eine Grenze erreicht und unser Bestreben, unseren Kunden durch das Knuspr Café sonntags einen exzellenten Service zu bieten, unrealistisch werden lassen. Daher pausieren für für’s erste und stehen im Austausch mit der Gewerbeaufsicht und dem Kreisverwaltungsreferat, mit dem Ziel, eine für beide Seiten zufriedenstellende Lösung für die Sonn- und Feiertagslieferung durch das Knuspr Café zu finden. Zufriedenstellend sowohl für unsere Kunden als auch für die Behörden.“

Sprich: Ganz abgehakt hat Knuspr sein Ziel noch nicht, eine Sonntagslieferung von Lebensmitteln anzubieten – doch es dürfte ein steiniger Weg sein. Schließlich hatten schon die Fälle Flaschenpost und Gorillas gezeigt, dass auch Lebensmittel-Lieferdienste laut Einschätzungen vieler Behörden unter das Verbot der Sonntagsarbeit sowie das Verbot der Sonntagsöffnung laut den landeseigenen Ladenöffnungszeitengesetzen fallen. Vermutlich deshalb hatte sich Knuspr für den Umweg entschieden, eine Gastronomie-Tochter zu gründen.

Ähnliche Diskussion bei autonomen Stores

Um die Sonntagsöffnung von Josefs nahkauf Box im bayrischen Pettstadt gab es bereits kurz nach dem Start im vergangenen Jahr Streit

Eine ähnliche Diskussion um den Verkauf von Lebensmitteln am Sonntag gibt es seit einiger Zeit übrigens auch rund um autonome Läden, auch Smart Stores oder Selbstbedienungsläden genannt: Deren Konzept liegt darin, zumeist 24/7 an 365 Tagen im Jahr geöffnet zu sein, also rund um die Uhr und eben auch an Sonn- und Feiertagen. So gab es vergangenes Jahr im bayrischen Pettstadt einen Streit darum, ob Rewe sein personalloses Mini-Lädchen namens Josefs nahkauf Box dort am Sonntag öffnen darf oder nicht. Musste der Walk-In-Store kurz nach dem Start zunächst sonntags geschlossen bleiben, so erteilte die Gemeinde Pettstadt dem Betreiber des autonomen Ladens schließlich eine Ausnahmegenehmigung für die Sonntagsöffnung. Dafür nutze die Gemeinde eine Passage im Feiertagsgesetz, die aus „wichtigen Gründen“ Ausnahmen zulässt.

Mittlerweile sind solche autonomen Läden, die u.a. auch von der Supermarktkette Tegut unter dem Namen Teo betrieben werden oder vom Startup Tante M, auch ins Visier der „Allianz für den freien Sonntag“ geraten. Das Bündnis aus kirchlichen und gewerkschaftlichen Organisationen sieht seine Mission darin, die gesetzlich vorgeschriebene Sonntagsruhe zu wahren. Dem Ableger der Allianz in Baden-Württemberg sind die „Tante-M“-Läden ein Dorn im Auge, wie tagesschau.de aktuell berichtet. „Der verfassungsrechtlich geschützte Sonntag wird durch die Läden aufgeweicht“, sagt Wolfgang Krüger von der Gewerkschaft ver.di, die Teil des Bündnisses ist, in dem Artikel.

Es müsse die rechtliche Frage geklärt werden, ob solche Mini-Läden überhaupt sonntags öffnen dürfen oder nicht. Nach der Rechtsauffassung der Allianz für den freien Sonntag handelt es sich bei den „Tante-M“-Läden um Verkaufsstellen, die im Sinne des Gesetzes generell an Sonn- und Feiertagen geschlossen sein müssen. Außerdem könnten auch reguläre Geschäfte darunter leiden, die sonntags nicht öffnen dürfen oder können. Tante-M-Geschäftsführer Christian Maresch hält dagegen: „Wir sind ja genau aus dem Grund in den Orten, weil wir weit und breit der einzige übrig gebliebene Nahversorger sind“, sagt er bei tagesschau.de.


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